Das Ziel: Die Startreihenfolge sollte "fairer" werden
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WRC Rallye de Italia 2012: Die Startreihenfolge sollte fairer werden - Gedanken zum Qualifying in Sardinien

(Speed-Magazin / Michelin WRC Italien) In diesem Jahr hat die FIA für WM-Rallyes, die nicht auf Asphalt stattfinden, ein neues Konzept eingeführt. Das Ziel: Die Startreihenfolge sollte „fairer“ werden. Im Rahmen des letzten Schotter-Events dieser Saison nutzten wir die Gelegenheit, um die Piloten nach ihrer Meinung zur neuen „Qualifying Stage“ zu befragen.

Je nachdem, welche Wetter- und Streckenverhältnisse vorherrschen, kann die Startreihenfolge bei einer WM-Rallye einen grossen Einfluss auf das Ergebnis einer Wertungsprüfung haben. Vor dieser Saison richtete sich die Startreihenfolge für die erste Etappe jeder Rallye nach dem aktuellen WM-Stand. Der Pilot, der am Ende des einen Tages in Führung lag, musste auch auf der nächsten Etappe als Erster in die Loipe.

Um den taktischen Spielchen der Vergangenheit ein Ende zu bereiten, führte die oberste Motorsportbehörde FIA die „Qualifying Stage“ ein, auf der die schnellsten Piloten vor dem eigentlichen Beginn der Rallye ihre Startposition für den ersten Tag ermitteln. Dabei darf der Schnellste seine Position als Erster wählen, danach der Zweitschnellste usw.

Als diese Regelung neu eingeführt wurde, gab es von einigen Seiten auch Widerstand. Die Kritiker waren der Meinung, dass das bisherige System extrem spannende Rallyes zur Folge habe. Viele Rallye-Fans und Verantwortliche freuten sich jedoch darüber, dass mit Einführung des neuen Qualifyings taktische Spielchen der Vergangenheit angehören. Acht Monate nach der Rallye Schweden, wo das neue System seine Premiere feierte, variieren die Meinungen der WM-Piloten – abhängig von ihrem

Petter Solberg:
Petter Solberg: "Eine gute Idee"
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jeweiligen Status.

„Mit dem neuen System haben wir mehr Rallyes gewonnen“, grinste beispielsweise Daniel Elena, der Beifahrer von Citroën-Pilot Sébastien Loeb. „Im Ernst: Ich glaube, dass das Qualifying eine echte Verbesserung darstellt. Dadurch kommt der Strategie eine grössere Bedeutung zu. Bei einigen Events wollte jeder als Erster auf die Strecke, bei anderen hingegen nicht. Ausserdem haben Ford und Citroën in dieser Saison des öfteren auf unterschiedliche Strategien gesetzt, zum Beispiel in Portugal. Letztlich kämpfen aber immer noch die selben Fahrer um Siege wie im vergangenen Jahr.“

Ford-Werksfahrer Petter Solberg ist ebenfalls ein Anhänger des Qualifyings: „Eine gute Idee. Sowohl die Zuschauer als auch die Medien freuen sich über eine zusätzliche Show“, so der Norweger. „Allerdings wäre es gut, wenn wir künftig beim Shakedown vor dem Qualifying mehr als zwei Runden fahren dürften.“

Die Fahrer, die in der WM-Tabelle etwas weiter hinten positioniert sind, haben diesbezüglich jedoch eine etwas andere Meinung. „Seit der Einführung des neuen Systems wurde uns die Möglichkeit genommen, uns während des Shakedown ausgiebig auf die Bedingungen einzuschiessen“, erklärt Ford-Privatier Mads Östberg. „Als Privatteam können wir vor und nach den Rallyes nicht viel testen. Daher wollen wir eigentlich den Shakedown dazu nutzen, die eine oder andere Veränderung auszuprobieren. Aber wir dürfen die Strecke nur zwei Mal fahren – nicht selten, ohne dazwischen noch einmal zum Service zurückkehren zu können, um die Abstimmung zu verändern oder die Daten auszuwerten. Im Grunde spricht nichts gegen das Qualifying, aber ich würde eben gerne ausgiebiger testen.“

Auch der zweite Ford-Privatier Ott Tänak hegt ähnliche Gedanken: „Für die Zuschauer bedeutet das Qualifying etwas mehr Action. Aber meiner Meinung nach sollte der WM-Führende auch als Erster auf die Strecke gehen. Es ist im Grunde vergleichbar mit dem System der Zusatzgewichte in einigen Rennserien. Das ,alte’ System sorgte für einen ausgeglicheneren Wettbewerb und für mehr Spannung in der WM.“

Michelin / J.M