Sébastien Loeb fährt unaufhaltsam seinem neunten WM-Titel entgegen
© Citroen | Zoom

FIA WRC Rallye de France 2012: Loeb hat die Lage locker im Griff

(Speed Magazin) Sébastien Loeb (Citroën/Michelin) hat auf den sechs „richtigen“ Wertungsprüfungen des Freitags ganz klar seine Ambitionen auf den Gesamtsieg untermauert und fährt unaufhaltsam seinem neunten WM-Titel entgegen. Ford- und Michelin Pilot Jari-Matti Latvala – im Moment Zweiter mit 15,6 Sekunden Rückstand – setzte dem Weltmeister jedoch mit zwei Bestzeiten zu. Loebs Teamkollege Mikko Hirvonen liegt als Dritter unter Feuer von Petter Solberg (Ford).

Erstes Ziel unserer Nachmittagstour war der Zielbereich der Wertungsprüfung (WP) 5. Loebs Gesicht verriet, wie sehr er auf diesen 28,67 Kilometern gepusht hatte. Thierry Neuville berichtete von einem Dreher und Latvala von einem Ausrutscher in den Graben. Nach diesen Erkenntnissen brachen wir in Richtung der WP 7 auf, zweiter Durchgang der 19,93 Kilometer langen Prüfung „Soultzer-Pays Welche“.

Wir kommen gerade rechtzeitig, um die relaxte Stimmung der Zuschauer zwischen dem ersten und zweiten Durchgang mitzuerleben. Es herrschen angenehme 20°C, die Sonne lässt sich blicken. Aber im Schatten der mächtigen Kiefern am Hang fühlt es sich deutlich kälter an. Dafür haben wir einen schönen Blick auf eine flotte Linkskurve, die aufs Ziel bei Olbey zuführt.

Während sie auf die Autos warten, vertreibt sich ein Grüppchen die Zeit mit Kartenspielen an einem Picknicktisch. Rund 30 Gendarmen unterhalten sich entspannt und nehmen dann gemächlich ihre Positionen entlang der Strecke ein. Der

Trotz Latvalas Bestzeit auf WP 6 bleibt der Weltmeister cool
Trotz Latvalas Bestzeit auf WP 6 bleibt der Weltmeister cool
© Michelin
Notarztwagen steht ebenfalls schon bereit. Eine gute Stelle, denn die Reifenspuren erinnern noch an einen spektakulären Überschlag von heute Morgen. Zum Glück wurde niemand verletzt.

Für etwas gedrückte Stimmung sorgt der deutsche Soldatenfriedhof „Hohrod“ aus dem 1. Weltkrieg, der sich dicht bewachsen an der Aussenseite der Linkskurve den Hang hochzieht. Diese Hügel waren damals Schauplatz einer blutigen Schlacht, in der Franzosen und Deutsche die strategisch wichtigen Höhen der Vogesen erobern beziehungsweise halten wollten. Eine Infotafel berichtet, dass die Kämpfe 1915 ihren unschönen Höhepunkt erreichten und mehrere Zehntausend Soldaten auf beiden Seiten ihr Leben liessen. Die Schützengräben sind noch erhalten, komplett mit Stacheldraht, Unterständen und MG-Nestern. Brrrr …

Bei der Recce haben die Crews vielleicht auch den einen oder anderen Gedanken hieran verschwendet, heute fliegen sie im Wettbewerbstempo vorbei. Heute Morgen war die Strecke noch feucht, mittlerweile haben Sonne und Wind den Asphalt getrocknet. Logischerweise haben sich alle Spitzenpiloten beim mittäglichen Reifenwechsel für die harte Version des Michelin Pilot Sport entschieden. Und Ford scheint schnell genug, um den Druck auf Loeb aufrecht zu erhalten.

Doch trotz Latvalas Bestzeit auf WP 6 bleibt der Weltmeister cool. Loeb bringt einen Vorsprung von 15,6 Sekunden mit ins Etappenziel. Heute Abend steht nur noch die kurze Super Special durch Mulhouse an. Petter Solberg kommt nach schwachem Vormittag richtig auf Touren und schliesst bis auf 2,1 Sekunden zu Mikko Hirvonen auf, der eine halbe Minute hinter der Spitze noch Dritter ist. Neuville (Citroën) und Dani Sordo (Mini) liefern sich einen ebenso engen Fight um Position fünf.

Michelin / J.M