ADAC GT Masters: Hasenjagd am Sachsenring - aus der Sicht von Andrina Gugger
(Speed Magazin) Dieses Wochenende fanden die Saisonläufe 5 und 6 der ADAC GT Masters auf dem Sachsenring statt. Ich freute mich sehr auf dieses Rennen, hatte ich doch mit eben jener Strecke seit der Saison 2010 noch eine Rechnung offen. Damals startete ich in der ADAC Formel Masters und bestritt die Rennen mit knapp 40 Grad Fieber. Es misslang mir alles! Nun war es also Zeit für einen Erfolg auf dem Sachsenring.Geplant war, dass wir am Mittwoch vor dem Rennen auf dem Lausitzring einen Testtag absolvieren würden. Leider kam es aber ganz anders, denn der LKW hatte auf dem Weg zur Rennstrecke auf der Autobahn einen schlimmen Unfall, verursacht durch einen Reifenplatzer. Auflieger und Zugmaschine wurden dabei völlig zerstört. Doch wir hatten Glück im Unglück. Sehr zur Freude aller, verletzte sich bei diesem Crash niemand schwerwiegend. Auch die Rennboliden überstanden das Ganze mit kleineren Schäden und
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Das Zeitfahren wird abgesagt
Doch nun zum Rennen. Wie bereits erwähnt kannte ich die High-Speed Strecke bereits aus früheren Jahren. Dies half mir von Anfang an relativ schnelle und konstante Rundenzeiten zu fahren. Vor allem die Hochgeschwindigkeits-Kurven schienen mir und der Lotte sehr gut zu liegen. Sowohl im Laufe des ersten als auch des zweiten Trainings konnte ich mich kontinuierlich verbessern. Ich freute mich auf das Qualifying. Ich nahm mir fest vor, alles korrekt umzusetzen und eine Wunderzeit in den Asphalt zu brennen. Leider wurde nichts daraus. Noch bevor ich auf die Strecke kam, parkierte einer der Piloten seinen Audi R8 in der Streckenbegrenzung. Aufgrund von Bergungsarbeiten und anschliessenden Strecken-Reparaturen wurde das Zeitfahren 2 Stunden nach hinten verschoben - im Anschluss daran sogar komplett abgesagt. Toll! Da konnte ich schon keine Tests vor dem Rennen fahren und dann wird auch noch mein Quali gestrichen! Ich fand das alles andere als witzig.
Startplatz inmitten des Feldes
Die Rennleitung entschied, die Startaufstellung aufgrund des Meisterschaftsstandes zu machen. So startete ich am Samstag vom hervorragenden 22. Startplatz aus. Dieser befand sich inmitten des riesigen Starterfeldes. Ich war brutal nervös und liess mich auch durch die Überschlagsgeschichten vom letztjährigen Start nicht wirklich beruhigen (verständlich, oder? Danke Otto!). Als die Motoren endlich losheulten war diese Nervosität jedoch wie weggeblasen. Voll konzentriert auf meine Vorderleute preschte ich am Start nach vorne. In der ersten Kurve befand ich mich mitten im Getümmel. Rechts eine Corvette, links ein Mc Laren, vorne und hinten keine fünf Zentimeter Abstand zu meiner geliebten Lotte. In dieser Patrouille-Swiss gerechten Formation flogen wir in die nächste Kurve.
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Hasenjagd
Dann wurde es langsam schwierig. Ich konnte zwar lange den Anschluss an das vordere Mittelfeld halten, musste mich aber auch stetig gegen meine schnellen Hintermänner wehren. Dies war sehr nervenaufreibend und anstrengend für mich. Als ich jedoch im leichten Drift um eine Vollgas Kurve kam und plötzlich einen Hasen vor mir über die Strecke rennen sah, war dies zu viel des Guten. Ein lauter Schreckensschrei entwischte mir. Zum Glück hatte ich zu diesem Zeitpunkt den Funkknopf nicht gedrückt, so dass keiner etwas von meinem doch recht feminimen Gekreische mitgekriegt hatte. Diesen Ohrschaden hätte ich nicht verantworten können. Als der Hase da so vor meinem Auto durchspurtete und nur wenige Millimeter meiner vorderen rechten Frontschürze entwischen konnte, ging es nur um Sekundenbruchteile. Trotzdem hatte ich das Gefühl, ich hätte in den Augen des Hasen bereits die Botschaft „Bitte überfahr mich nicht!“ lesen können. Diese goldigen, kugelrunden Glubschaugen sehe ich noch jetzt beim Schreiben dieses Berichtes vor mir. Glücklicherweise überstanden sowohl der Hase als auch die Lotte und ich diesen Zwischenfall ohne Schaden, dafür mit rasendem Herzschlag. Als ich wenige Runden später an Position 22 die Lotte an meinen Teamkollegen Otto Klohs übergab, stand mir der Schock immer noch deutlich ins Gesicht geschrieben. Während ich aufgebracht von „meinem Hasen“ erzählte, drehte Otto friedlich seine Runden. Auch er hatte ziemlich mit dem schwierigen Porschefahrwerk zu kämpfen und drehte sich infolgedessen in meiner „Hasenkurve“. Das Resultat war ein trotzdem recht zufriedenstellender 24. Schlussrang.
Aufholjagd im Rennen 2
Am Sonntag war Action angesagt. Mein Teamkollege Otto Klohs hatte bereits am Morgen 40 persönliche Gäste begrüsst, die anschliessend jede Menge Fragen über Auto, Serie und Fahrer hatten. Die jüngere Generation nützte die einmalige Chance, um sich in den Schalensitz des Rennporsches plumpsen zu lassen. Die strahlenden Gesichter sprachen Bände. Kurze Zeit später waren wir bereits mit dem unterschreiben von Autogrammkarten beschäftigt. Allein beim zwanzig minütigen Pit-Walk, bei dem die Zuschauer in Massen durch die Boxengasse strömten, schrieb ich über 100 Autogramme. Ich geniesse diese Minuten immer sehr. Es ist schön zu sehen, wie viel Freude man Kindern, Fans und Rennsportbegeisterten mit einer simplen Unterschrift machen kann. Einfach nur
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Fazit
Obwohl die Resultate nicht überwältigend waren, bin ich sehr zufrieden mit dem Wochenende. Das Team hat gute Arbeit geleistet und das Optimum aus den Porsches herausgepresst, was auf dieser Strecke gar nicht einfach ist. Ich persönlich fasse von Rennen zu Rennen mehr Vertrauen ins Fahrzeug und freue mich über die steten Leistungssteigerungen meinerseits. Vor allem im Zweikampf werde ich immer sicherer und konsequenter. Dies ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Nun hoffe ich, dass ich endlich einmal zu meinem seit lange geplanten Testtag komme und warte bereits ungeduldig auf die nächste Begegnung mit meiner Lotte! Spätestens am 13.-15. Juli zu den Saisonläufen 7 und 8 der ADAC GT Masters am Nürburgring wird dies der Fall sein.
Andrina Gugger