MotoGP USA und Superbike WM Portimao
(Hartmut Reuschel zur MotoGP USA und der Superbike WM in Portimao) Zwei große Rennsportevents zogen die Motorradfans am letzten Wochenende in ihren Bann. Die MotoGP trat zum dritten Grand Prix der Saison 2026 in Austin/USA an während die Kollegen aus der Superbike-WM in Portimao / Portugal unweit der Atlantikküste an der Algarve zu ihrem 2. Rennwochenende zusammenkamen. Beide Rennserien zeichnet in dieser frühen Phase der Saison eine Gemeinsamkeit aus – die Favoritenrollen sind klar verteilt, ebenso gibt es aber die Teams, die bislang hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben sind.Großer Preis der USA in der MotoGP und Superbike Weltmeisterschaft in Portimao
MotoGP: Aprilia derzeit das Maß der Dinge
Nach Jahren von drückender Ducati Überlegenheit sind die RS-GP von Aprilia Teamprinzipal Massimo Rivola auf Augenhöhe mit der Konkurrenz und unter Marco Bezzecchi und Jorge Martin nur schwer zu besiegen. Bezzecchi gewann die ersten beiden Grand Prix, Kollege Martin holte Podestplätze in Sprint und Grand Prix.
Dagegen fährt Yamaha hinterher. Die Japaner enttäuschen mit der neuen M1V4 bislang auf ganzer Linie, lediglich Exweltmeister Fabio Quartararo kann hin und wieder mit schnellen Rundenzeiten glänzen. Aber auf die Distanz in den Rennen konnte auch der Franzose keine vernünftigen Resultate einfahren.
Superbikes: Nicolo Bulega steht mit der Ducati V4 Panigale über allem
Der Superbike Vizeweltmeister gewann alle 3 Rennen ( 2 x Rennen, 1 x Superpole Race ) zum Auftakt in Australien souverän und ist 2026 der Titelfavorit für dem WM-Titel. Die Sorgenkinder sind Yamaha und Honda. Beides große renommierte Firmen mit einer erfolgreichen Rennsporthistorie, doch 2026 liegen sie bei den Superbikes noch sehr deutlich hinten den eigenen Erwartungen zurück.
Das Weltmeisterteam BMW, 2025 überragend mit dem in die MotoGP abgewanderten Toprak Razgatlioglu, hat sich mit Miguel Oliveira und Danilo Petrucci neu aufgstellt und ist noch in der Findungsphase.
Freitagstraining: Überraschung durch Sam Lowes bei den Superbikes
Der Freitag zeigte in der MotoGP am Ende des Tages die üblichen Verdächtigen ganz vorn in der Zeitenliste. Es führte Weltmeister Marc Marquez, dahinter reihten sich Di Giannantonio (3.), Bezzecchi (4.), Alex Marquez (5.), Acosta ( 6.) und Martin (7.) ein.
Lediglich Ai Ogura mit der Trackhouse Aprilia auf Position 2 wurde so weit vorn nicht erwartet. Und auch der Top Ten Platz von Enea Bastianini (10.) wurde bei KTM aufmerksam registriert, damit gerechnet hatte wohl eher niemand beim Team aus der Alpenrepublik.
Die besten 10, die sich damit auch automatisch für das Abschlusstraining der Schnellsten am Samstag qualifiziert haben, wurden noch von Francesco Bagnaia (8.) und der schnellsten Honda mit Luca Marini auf Platz 9 ergänzt.
Bei den Superbikes in Portimao sah das schon ganz anders aus. Die Freitagsbestzeit von Sam Lowes mit der privat genannten ELF Marc VDS Ducati vor Vizeweltmeister Nicolo Bulega war eine große Überraschung. Und auch die Plätze 3 und 4 von Yari Montella und Ducati-Neuling Iker Lecuona hatte so keiner der Experten auf dem Zettel. Auf Bautista (6.) und Bassani (7.) folgte die schnellste BMW mit Lokalmatador Miguel Oliveira, Lorenzo Baldassarri und Xavi Vierge komplettierten die Top Ten bei den Superbikes.
Superbike Rennen 1:
Oliveira feiert Podestplatz vorm Heimpublikum
Vom Start weg brausten die 3 Schnellsten der Qualifikation - Bulega, Lecuona und Montella - auf ihren Ducatis an die Spitze und machten bereits frühzeitig eine kleine Lücke zu der Verfolgergruppe auf.
Dort kämpften Oliveira / BMW, A.Lowes / Bimota, Vierge / Yamaha, S.Lowes / Ducati und Gerloff / Kawasaki um die Positionen. BMW-Neuling und Lokalmatador Oliveira versuchte mit allen Mitteln den Kontakt zu dem Ducati Führungstrio aufrecht zu erhalten, als in der 5.Rennrunde Yari Montella zu Sturz kam und Oliveira dessen 3. Platz erbte.
Danach lebte das Rennen hauptsächlich vom Kampf um Position 4, bei dem ebenfalls ein Trio, bestehend aus den Lowes-Brüdern Alex und Sam sowie Yamaha-Pilot Xavi Vierge beteiligt war. Zur Rennmitte konnte sich Alex Lowes absetzen und einen sicheren 4. Platz nach Hause fahren, auch Bruder Sam konnte die Verfolger abschütteln und den 5. Platz absichern.
In einer wilden Kampfgruppe dahinter wurde von Vierge, Gerloff, Bassani, Bautista und Petrucci rundenlang bester Motorsport geboten, Überhol- und Ausbremsmanöver inklusive, ehe die Fünf in dieser Reihenfolge nur um wenige Sekundenbruchteile voneinander getrennt den Zielstrich passierten.
Auf dem Podest sah man dann nur strahlende Gesichter – Sieger Bulega mit dem 4. Erfolg im 4. Saisonrennen, Teamkollege Lecuona mit dem ersten Podestplatz als Ducati-Pilot und Oliveira, der vor seinem Heimpublikum und für sein neues Team BMW das 1. Podest in der Superbike-WM erringen konnte.
MotoGP Sprintrennen: The Martinator is back!
Das Sprintrennen auf dem Circuit of Americas in Austin stand ganz im Zeichen von Jorge Martin. Nach einer unglaublichen Verletzungs-Serie 2025 stand der Ex-Weltmeister am späten Samstag Nachmittag wieder ganz oben auf dem Siegerpodest – 511 Tage nach seinem letzten Sieg beim Sprint in Malaysia 2024.
Von Platz 6 aus gestartet, profitierte der Madrilene zunächst von einem Sturz in der Spitzengruppe. Marc Marquez ging am Ende von Runde 1 sehr ungestüm und viel zu schnell in ein Überholmanöver gegen Fabio Di Giannantonio, kam dabei zu Sturz und riss den VR46 Piloten mit ins Verderben.
Hochgezogene Augenbrauen danach in der Ducatibox, saßen doch beide Fahrer auf einer GP26 aus Bologna (!). Francesco Bagnaia hatte durch den Sturz somit vor Acosta / KTM, Mir / Honda sowie Bezzecchi und Martin auf ihren Aprilias einen komfortablen Vorprung. Zur Rennmitte begann das Aprilia-Duo diesen Vorsprung Zehntel um Zehntel abzuknabbern, ehe 3 Runden vor Schluss zunächst Bezzecchi zu Fall kam, eine Runde später dann auch Joan Mir.
Damit lag es allein an Jorge Martin eine Schlussattacke auf Bagnaia zu starten und genau das zeigte der Martinator. Innerhalb weniger Kurven bremste sich die Aprilia an die führende Ducati heran und nur wenige hundert Meter vor dem Ziel ging Martin mit einem harten Bremsmanöver an Bagnaia vorbei.
Relativ unbedrängt folgte den Beiden dann im Zieleinlauf KTM-Pilot Pedro Acosta, der jedoch auf Grund der Unterschreitung des vorgeschriebenen Reifenluftdrucks auf Platz 8 zurückgestuft wurde. Sensationeller Dritter wurde dadurch Markenkollege Enea Bastianini, der nach Barcelona 2025 (P3) zum zweiten Mal einen Podestplatz mit der KTM erreichen konnte.
Superbike Rennen 2: Dritter Doppelsieg für Ducati in Portimao
Nachdem das Superpole Race am Vormittag mit der Reihenfolge Bulega (1.) - Lecuona (2.) - Oliveira (3.) - Alex Lowes (4.) - Sam Lowes (5. ) den gleichen Zieleinlauf wie Rennen 1 erbrachte, war man gespannt was das Rennen 2 am Sonntag Nachmittag den 80.000 Zuschauern im Autodromo International do Algarve bringen würde.
Doch nachdem das 21 Fahrer starke Starterfeld mit dem erlöschen der roten Ampel auf die Reise über 20 Runden geschickt wurde war schnell klar, dass keine allzu großen Veränderungen zu erwarten waren.
Bereits nach der ersten Runde kam die Spitzengruppe in der Reihenfolge an Start und Ziel vorbei, in der sie das Rennen nach insgesamt 33 Minuten und 34,579 Sekunden beenden würde. Zum dritten Mal an diesem Wochenende gelang nicht nur Ducati mit dem Werksteam Bulega vor Lecuona ein Doppelsieg, es waren auch 3 dritte Plätze von BMW Pilot Miguel Oliveira und es waren auch die Lowes-Brüder Alex und Sam, die dreimal hintereinander auf den Plätzen 4 und 5 im Ziel einliefen.
Während Yamaha und Honda weiterhin nicht in Reichweite von Podestplätzen fahren, hat sich Danilo Petrucci mit der 2. BMW im Feld deutlich gesteigert und nach den Plätzen 10 in Rennen 1 und 2 im Superpole Race zum Abschluss des Wochenendes einen guten 7. Platz herausgefahren.
MotoGP Grand Prix: Doppelsieg für Aprilia
Bereits vor dem Start fielen einige Vorentscheidungen. Der Austin Sieger von 2024, Maverick Vinales, konnte - wie bereits auch schon im Sprintrennen - auf Grund eines Trainingssturzes nicht am Rennen teilnehmen.
Weltmeister Marc Marquez bekam für seine Aktion gegen Di Giannantonio im Sprintrennen eine Long-Lap-Penalty Strafe aufgebrummt, mit der seine Siegchancen ebenfalls dahin waren.
Und Marco Bezzecchi musste anstelle Startplatz 2 von Startplatz 4 aus ins Rennen gehen, da er im Qualifikationstraining andere Fahrer durch langsames Fahren behindert hat und von der Rennleitung um 2 Plätze nach hinten gesetzt wurde.
Doch Bezz ließ sich davon nicht beeindrucken. Als der Pulk zum ersten Mal auf der langen Start und Zielgerade an den Tribünen vorbeidonnerte, führte er vor KTM-Mann Pedro Acosta, Teamkollege Jorge Martin und dem Polesitter Fabio Di Giannantonio.
Zu den Verfolgern M.Marquez, Bagnaia, A Marquez, Mir und Bastianini klaffte da schon eine kleine Lücke. Zu einem der wenigen Überholmanöver kam es dann kurz nach Rennhalbzeit in Runde 11, als Martin seine RS-GP vor die RC-16 von Acosta setzen konnte.
Damit waren die Positionen der ersten vier bezogen. In der Verfolgergruppe gelang es Ai Ogura / Aprilia und Enea Bastianini / KTM einigen Boden gut zumachen. Ogura kämpfte sich bis auf Platz 5 vor, dann musste er mit technischem Defekt aufgeben.
Besser lief es für Bastianini, der hinter Marc Marquez guter Sechster wurde. Doch ganz vorn hatte das keinen Einfluss mehr. Fünfter Grand Prix Sieg in Folge (!) für Bezzecchi, ein weiterer Podestplatz für Martin und die Führung in der WM-Wertung für Aprilia - sowohl bei den Fahrern als auch in der Herstellerwertung. Der kleinste Hersteller in der MotoGP ist zur Zeit der Größte - Chapeau!
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Hartmut Reuschel