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Spirit of Amarok.
© Henning Scheffen | Zoom

Spirit of Amarok oder Afrika beginnt in Stadtoldendorf

(Speed-Magazin.de) Pickups sind – wenigstens in Europa – die stillen Helden der Straße. Sie sind unauffällige Begleiter der Handwerker und Landwirte, werden als Transporter oder Zugmaschinen eingesetzt, und sind vor allem eins: nützlich. Während in den USA Pickups auch von Zeitgenossen bewegt werden, die sich mit den Gefährten ihre Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer erfüllen und in ihrem Leben keinen Strohballen auf die Ladefläche wuchten werden, verbinden in Europa noch nur eingefleischte Pickup-Fans die inzwischen komfortablen Gefährte mit angeschlossener Ladefläche mit Dynamik, Freizeit oder gar Lebensart.

Dass Pickups mehr sind als die treuen und nützlichen Begleiter im Alltag zeigt Volkswagen Nutzfahrzeuge seit inzwischen drei Jahren mit dem „Spirit of Amarok“. Bei der Veranstaltung im niedersächsischen Stadtoldendorf auf einem ehemaligen Bundeswehrgelände geht es vor allem darum, den gut zwei Tonnen schweren und 5,2 Meter langen Amarok an zwei Tagen über einen anspruchsvollen Geländeparcours zu dirigieren. Um den Wettbewerb anspruchsvoller zu gestalten, stehen auf dem Gelände immer wieder Tore mit kleinen Kugeln an der Spitze der Stangen im Weg, die durchfahren werden müssen ohne dass die Kugeln fallen. Das Ganze wirkt wie eine Art Mikado mit Auto, bei dem weniger der dynamische Gasfuß hilft, sondern vielmehr Konzentration und vor allem gleichmäßiges Fahren.

16 Teams kämpfen um die Chance, die deutschen Farben bei der „Amarok-Weltmeisterschaft“ in Südafrika zu vertreten. Aus den insgesamt 3500 Bewerbungen wurden die Teilnehmer für die Vorausscheidungen ausgelost, die sich in vier Turnieren um den Start beim deutschen Finale bewerben konnten.


© Henning Scheffen
Die Regeln für die Trialfahrten in Stadtoldendorf sind ebenso einfach wie streng: Jede abgeworfene Kugel kostet zehn Punkte, Stehenbleiben zwei und das Umfahren eines Tores 30 Punkte. Und das ist nur ein kleiner Auszug aus dem Strafenkatalog. „Wir halten viel vom Fahren, also vermeidet, im Parcours stehen zu bleiben“, schärft der Instruktor den Fahrern vor dem Start ein. Das ist für die zumeist ungeübten Teilnehmer leichter gesagt als getan. In dem Stangegewirr kann man leicht zuerst die Konzentration und dann auch noch die Gelassenheit verlieren. Doch Hektik ist hier ein denkbar schlechter Begleiter. Vor allem, wenn der Fahrer dank aufgesetzter Schlafmaske in Blindfahrt vom Partner über Funk geleitet einen anspruchsvollen Parcours teilweise im Rückwärtsgang bewältigen muss. Viel gemeiner gehts eigentlich nicht.

Ohne ein ausgeprägtes Gefühl in den Fingerspitzen und einem wohl dosierenden Gasfuß funktioniert hier wenig, wenn man den wuchtigen Amarok durch die auf den ersten Blick viel zu engen Tore dirigieren will. Schon ohne Hindernisse ist das Gelände anspruchsvoll genug. Angetrieben wird der Pickup vom Dreiliter-TDI mit 224 PS. Insgesamt wurden vom Amarok weltweit bisher mehr als eine halbe Million Modelle abgesetzt, von denen 80 Prozent mit Allrad auf die Straße rollen. „In Deutschland“, so Andreas Gottwald, Pressesprecher bei Volkswagen Nutzfahrzeuge, „setzen wir pro Jahr vier bis fünftausend Amarok ab.“

Auf die beiden Siegerteams wartet die Teilnahme am „Spirit of Amarok“ in Südafrika wo im August neun internationale Teams um den Sieg kämpfen werden. Die Veranstaltung findet dort bereits seit dem Jahr 2009 statt. Gegründet wurde der Wettbewerb als „Spirit of Africa“ von der südafrikanischen Rallye-Legender Sarel van der Merwe.

Für dieses Ziel haben Vater und Sohn Müller sogar den Familienfrieden riskiert. „Meine Frau hat heute Geburtstag, und morgen wird mein Enkel getauft. Meine Tochter findet das nicht toll, dass wir uns stattdessen hier rumtreiben,“ schmunzelt der Senior. Das Team hatte bereits im vergangenen Jahr teilgenommen und den Gesamtsieg nach Führung am ersten Tag dann doch noch knapp verpasst. Für dieses Jahr bekamen die beiden eine Wildcard für den Qualifikationswettbewerb im Norden, den sie auf dem ersten Platz beendeten. „Dabei haben wir keine einzige Kugel abgeräumt“, erklärt Sohn Steffen Müller nicht ganz ohne Stolz.

Spirit of Amarok: die Müllers
Spirit of Amarok: die Müllers
© Volkswagen
Die beiden kennen das Gelände am Rand des Weserberglands bestens. Mit ihrem restaurierten Unimog sind sie hier immer wieder unterwegs und unterstreichen ihre Favoritenrolle am ersten Tag mit einer soliden Führung. Doch dann gibt es ja noch den zweiten Tag, an dem nur eine Prüfung im Wald gefahren wird. Die beiden anderen Herausforderungen sind eine kurze Sprintprüfung à la Rallyecross und eine technische Aufgabe.

„Beim Geländefahren geht es vor allem um die Fahrzeugbeherrschung und die Fähigkeit sich ständig auf neue Aufgaben einzustellen“, beschreibt Müller Senior den Reiz des Wettbewerbs. Entsprechend selbstbewusst und von ihren Fähigkeiten überzeugt, gehen die beiden die Prüfungen in Angriff und erreichen in der Zwischenwertung 278 von 300 möglichen Punkten.

Doch dann wiederholt sich die Geschichte des vergangenen Jahres. Am Ende fehlen den beiden elf mickrige Punkte für das Finale in Afrika. Als Sieger fahren jetzt die „Kaltverformer“ (Christian Ziegler und Thorsten Gotthardy) aus Esslingen und die „Baggermafia“ (Norman Nielsen und Stefan Dietz) aus Norddeutschland nach Afrika.

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