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Mercedes-Werksfahrer Levegh vor seinem tragischen Unfall
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SID-Kalenderblatt am 22. August: 40. Todestag von Alfred Neubauer

Es war in den frühen Dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als sich Alfred Neubauer kurz vor dem Renndebüt von Mercedes mit einem Problem konfrontiert sah, das es umgehend zu lösen galt. Die Autos überschritten das zulässige Gesamtgewicht um genau ein Kilo, aber Neubauer hatte eine Idee: Der weiße Lack musste ab, darunter kam das silbergraue Aluminium-Chassis zum Vorschein. Der Silberpfeil war geboren.

Ob Wahrheit oder Legende - Alfred Neubauer gilt bis heute als der Vater der Silberpfeile. Ende der Zwanziger Jahre erfand der 1891 geborene Sohn des Schreiners Karl Neubauer den Posten, der ihn berühmt machte. Da die Rennfahrer jener Tage oft ohne Informationen auskommen mussten und während der Rennen keine Ahnung von ihrer eigenen Platzierung oder jener der Konkurrenz hatten, erklärte sich Neubauer kurzerhand zum Rennleiter.
 
Mit einem fast preußisch gedrillten Boxen-Team und den Fahrern Rudolf Caracciola, Hermann Lang, Manfred von Brauchitsch und Richard Seaman etablierte Neubauer Mercedes an der Spitze der noch jungen Motorsport-Hierarchie. Die erste Silberpfeil-Ära war geprägt von den Duellen mit Auto-Union und deren nicht minder berühmten Piloten Hans Stuck und Bernd Rosemeyer. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg Neubauer 1954 mit Mercedes in die Formel 1 ein und wurde mit dem Argentinier Juan Manuel Fangio auf Anhieb Weltmeister. 
 
Seine schwärzeste Stunde, die letztlich auch zum Ende seiner schillernden Karriere als Rennleiter führte, erlebte Neubauer am 11. Juni 1955 in Le Mans. Nach einem missglückten Manöver eines Konkurrenten hob das Auto von Mercedes-Werksfahrer Pierre Levegh ab, schleuderte wie eine Feuerkugel in die Zuschauer und riss 84 Menschen in den Tod.
 
Mercedes hatte bereits vor dem Unglück den Ausstieg aus dem Motorsport zum Ende der Saison 1955 beschlossen, und auch Alfred Neubauer zog sich von den Rennstrecken zurück. Der Mann, von dem der frühere Formel-1-Fahrer Hans Herrmann einst sagte, ein Paradiesvogel wie Lewis Hamilton hätte bei ihm keine Chance gehabt, starb am Samstag vor 40 Jahren, mit 89 Jahren in seinem Haus in Stuttgart. Seine Legende hat ihn bis heute überlebt.

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