Eine saubere Werkzeugwartung und gezielte Werkzeugoptimierung sind wichtige Teile der Qualitätssicherung
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Infothema: Werkzeugoptimierung beim Spritzguss

Leichte, präzise gefertigte Kunststoffkomponenten sind aus modernen Fahrzeugen nicht mehr wegzudenken. Ob E-Mobility, Performance-Umbauten oder Serienfahrzeuge - ihre Qualität beginnt lange vor der eigentlichen Produktion. Entscheidend sind perfekt abgestimmte Spritzgusswerkzeuge, deren Optimierung sowie eine lückenlose Qualitätskontrolle während der Werkzeugherstellung.

Häufige Fehler im Spritzguss und wie man sie vermeidet


Von der passgenauen Innenraumverkleidung bis zum aerodynamischen Karosseriebauteil: Hochwertige Kunststoffkomponenten prägen moderne Fahrzeuge in nahezu jedem Bereich. Damit sie höchsten Ansprüchen an Funktion, Optik und Belastbarkeit gerecht werden, sind präzise Spritzgusswerkzeuge, deren kontinuierliche Optimierung und eine sorgfältige Qualitätskontrolle unverzichtbare Grundlagen.

Im Spritzguss hängen stabile Bauteilqualität, kurze Zykluszeiten und niedrige Ausschussraten stark von Prozesskontrolle, Materialauswahl sowie Werkzeuganalyse und  werkzeugoptimierung ab. Schon kleine Abweichungen bei Temperatur, Druck, Kühlung oder Anspritzpunkt können sichtbare Fehler verursachen und die mechanische Funktion eines Kunststoffteils deutlich reduzieren.

Spritzguss ist ein sehr präzises Fertigungsverfahren, bei dem Kunststoffgranulat aufgeschmolzen, unter hohem Druck in ein Werkzeug eingespritzt und anschließend kontrolliert abgekühlt wird. Typische Einspritzdrücke liegen je nach Material und Bauteilgeometrie oft zwischen 500 und 2.000 bar. Werkzeugtemperaturen können bei technischen Kunststoffen zwischen 40 °C und über 120 °C liegen. Deshalb müssen Werkzeug, Material und Prozessparameter genau zusammenpassen.

Warum Fehler im Spritzguss entstehen



Infografik: Spritzgusswerkzeug Herstellung
©  Prinzip: 1 Schnecke, 2 Einfülltrichter, 3 Granulat, 4 Plastifizierzylinder, 5 Heizelemente, 6 Werkzeug / via Wikimedia commons: Cdang, Brendan Rockey, University of Alberta Industrial Design, CC BY-SA 3.0
Fehler im Spritzguss entstehen selten durch nur eine einzige Ursache. Meistens handelt es sich um eine Kombination aus falscher Bauteilkonstruktion, ungünstiger Werkzeugauslegung, ungeeigneten Prozessparametern oder Materialproblemen. Ein Bauteil kann zum Beispiel gut aussehen, aber innere Spannungen, Lufteinschlüsse oder ungleichmäßige Schwindung aufweisen.

Besonders kritisch sind Wandstärken, Fließwege, Anspritzpunkte, Entlüftung, Kühlkanäle und Nachdruckphase. Wenn diese Faktoren nicht richtig ausgelegt sind, entstehen Fehler wie Einfallstellen, Verzug, Bindenähte, Gratbildung oder unvollständige Füllung.

Wichtige Einflussgrößen im Spritzguss sind:


  • Schmelzetemperatur und Werkzeugtemperatur
  • Einspritzgeschwindigkeit und Einspritzdruck
  • Nachdruckhöhe und Nachdruckzeit
  • Kühlzeit und Kühlkanalführung
  • Materialfeuchte, Viskosität und Schwindungsverhalten


Einfallstellen durch falsche Wandstärken



Einfallstellen gehören zu den häufigsten Fehlern im Spritzguss. Sie entstehen, wenn dickere Bereiche eines Bauteils langsamer abkühlen als dünnere Bereiche. Während der Kunststoff im Inneren noch schwindet, ist die Oberfläche bereits erstarrt. Dadurch zieht sich die Oberfläche nach innen und es entsteht eine sichtbare Vertiefung.

Besonders gefährdet sind Rippen, Dome, Befestigungsbereiche und Übergänge mit großen Materialanhäufungen. Bei vielen Thermoplasten sollte die Wandstärke möglichst gleichmäßig bleiben. Eine typische Empfehlung ist, Rippen mit etwa 50–70 % der Hauptwandstärke zu gestalten. Bei einer Wandstärke von 3 mm sollte eine Rippe also ungefähr 1,5–2,1 mm stark sein.

Wie man Einfallstellen vermeidet


Einfallstellen lassen sich durch eine bessere Bauteilkonstruktion und angepasste Prozessparameter reduzieren. Die Wandstärke sollte gleichmäßig sein, Materialanhäufungen sollten vermieden werden, und dicke Bereiche sollten durch Rippen oder Hohlräume ersetzt werden. Zusätzlich kann ein höherer oder längerer Nachdruck helfen, die Schwindung während der Abkühlung auszugleichen.

Auch der Anspritzpunkt spielt eine wichtige Rolle. Wenn der Anschnitt zu früh einfriert, kann kein zusätzlicher Kunststoff mehr in die Kavität nachgedrückt werden. Dadurch steigt das Risiko für Einfallstellen.

Verzug durch ungleichmäßige Kühlung



Verzug entsteht, wenn ein Bauteil nach dem Entformen seine Form verändert. Ursache ist meist eine ungleichmäßige Schwindung. Diese kann durch unterschiedliche Wandstärken, falsche Materialorientierung, asymmetrische Kühlung oder ungünstige Fließwege entstehen.

Bei teilkristallinen Kunststoffen wie PP, PA oder POM ist das Risiko für Verzug besonders hoch, weil diese Materialien stärker schwingen als amorphe Kunststoffe. Je nach Material kann die Schwindung etwa zwischen 0,5 % und 2,5 % liegen. Glasfaserverstärkte Kunststoffe verhalten sich zusätzlich anisotrop, weil die Fasern sich in Fließrichtung ausrichten. Dadurch schwindet das Material in unterschiedlichen Richtungen verschieden stark.

Um Verzug zu reduzieren, sollte die Kühlung möglichst gleichmäßig und nahe an den kritischen Bereichen liegen. Kühlkanäle müssen so ausgelegt werden, dass keine heißen Zonen im Werkzeug entstehen. Außerdem sollte der Anspritzpunkt so gewählt werden, dass die Fließfronten gleichmäßig laufen und keine starken Orientierungsunterschiede entstehen.

Hilfreiche Maßnahmen sind:

  1. gleichmäßige Wandstärken und weiche Übergänge planen;
  2. Kühlkanäle symmetrisch und nah an dicken Bereichen platzieren;
  3. Nachdruck und Kühlzeit durch Musterung oder Simulation optimieren.


Bindenähte und schwache Verbindungsstellen



Bindenähte entstehen, wenn zwei Fließfronten im Werkzeug aufeinandertreffen und sich nicht vollständig verbinden. Das passiert oft hinter Durchbrüchen, Rippen, Bohrungen oder bei mehreren Anspritzpunkten. Sichtbar sind Bindenähte häufig als feine Linien auf der Oberfläche. Technisch problematisch ist jedoch, dass diese Bereiche mechanisch schwächer sein können.

Wenn die Schmelze an der Bindenaht bereits zu stark abgekühlt ist, verbinden sich die Polymerketten schlechter. Dadurch sinken Festigkeit und Schlagzähigkeit. Bei Bauteilen mit Sicherheitsfunktion, Clips, Schnapphaken oder belasteten Gehäusen kann das kritisch sein.

Bindenähte lassen sich nicht immer vollständig vermeiden, aber ihre Position und Festigkeit können verbessert werden. Besonders wichtig sind dabei:

  • höhere Schmelzetemperatur, damit die Fließfronten wärmer zusammentreffen;
  • höhere Werkzeugtemperatur, um ein zu schnelles Abkühlen der Schmelze zu vermeiden;
  • angepasste Einspritzgeschwindigkeit, damit die Kavität gleichmäßiger gefüllt wird;
  • funktionierende Entlüftung, damit eingeschlossene Luft aus dem Werkzeug entweichen kann.

Auch die Position des Anspritzpunktes ist wichtig. Bindenähte sollten möglichst nicht in mechanisch belasteten Bereichen liegen. Bei komplexen Bauteilen kann eine Fließsimulation helfen, die genaue Lage der Bindenähte bereits vor dem Werkzeugbau zu erkennen.

Gratbildung durch zu hohen Druck oder Werkzeugverschleiß



Gratbildung bedeutet, dass Kunststoff an der Trennfuge, an Schiebern, Auswerfern oder Einsätzen austritt. Dadurch entstehen dünne Kunststoffreste am Bauteil. Grat kann die Funktion beeinträchtigen, die Optik verschlechtern und zusätzliche Nacharbeit verursachen.

Typische Ursachen sind zu hoher Einspritzdruck, zu hoher Nachdruck, zu geringe Schließkraft oder verschlissene Werkzeugbereiche. Wenn die Schließkraft der Maschine nicht ausreicht, wird das Werkzeug während des Einspritzens minimal geöffnet. Schon kleine Spalte im Bereich von wenigen Hundertstel Millimetern können ausreichen, damit Kunststoff austritt.

Zur Vermeidung von Gratbildung sollte zuerst geprüft werden, ob die Maschine genügend Schließkraft bietet. Als grobe Orientierung wird die projizierte Fläche des Bauteils mit dem Kavitätsdruck multipliziert. Danach müssen Einspritzdruck, Nachdruck und Umschaltpunkt kontrolliert werden.

Wichtige Kontrollpunkte sind:

  1. ausreichende Schließkraft der Spritzgussmaschine;
  2. korrekter Umschaltpunkt von Einspritzdruck auf Nachdruck;
  3. angemessener Nachdruck ohne Überfüllung der Kavität;
  4. saubere und verschleißarme Trennflächen;
  5. regelmäßige Prüfung von Führungen, Schiebern und Einsätzen.

Ein zu spätes Umschalten von Einspritzdruck auf Nachdruck kann die Kavität überfüllen und Grat verursachen. Werkzeuge sollten außerdem regelmäßig geprüft werden. Verschleiß an Trennflächen, Führungen und Schiebern führt langfristig zu Undichtigkeiten. Eine saubere Werkzeugwartung und gezielte Werkzeugoptimierung sind deshalb wichtige Teile der Qualitätssicherung. Dadurch lassen sich Gratbildung, unnötige Nacharbeit und Qualitätsprobleme im laufenden Spritzgussprozess deutlich reduzieren.

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