Ein Schaden am Auto - wie wichtig ist es sofort in die Werkstatt zu fahren? Ein Ratgeber gibt Hilfestellung...
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Gleich in die Werkstatt? Nützliche Tips bei Schäden am Auto - ein Ratgeber

Man hört ein Klopfen oder Klackern aus dem Motorraum - was macht man? Wie schnell muss man mit seinem Auto in die Werkstatt um einen grösseren Schaden zu vermeiden? Es gibt so Einiges im Laufe des täglichen Betriebs beim Auto, was einem eventuelles Kopfzerbrechen bereitet: Muss man wirklich sofort in eine Werkstatt oder kann man die Reparatur noch hinauszögern? Wird das Auto bei keiner zeitnahen Reparatur fahrunfähig? Was erfordert tatsächlich Eile, bzw. muss ich das Auto zur Sicherheit lieber abschleppen lassen, bevor ich es zur Werkstatt fahre? Fragen über Fragen, die wir in dem Ratgeber bzgl. verschiedener Schäden am Auto hier beantworten. 

Welche Schäden am Auto benötigen eine zeitnahe Reparatur?


Viele Schäden können am Auto auftreten. Doch längst nicht jeder Schaden macht ein Auto sofort so fahrunfähig wie etwa ein gerissener Pleuel. Aber es gibt natürlich dennoch Schäden, bei denen wirklich Eile geboten ist: Das gilt bei den Schäden, die zwar an sich nicht schlimm sind, aber unter Umständen bei Weiterfahrt ohne Reparatur teure Folgeschäden verursachen können. Die folgende Auflistung soll helfen zu erkennen wann es wichtig ist zur Werkstatt zu fahren. Das heißt, je nach Schwere sollte der Fahrbetrieb entweder sofort unterbrochen und das Fahrzeug per Abschlepper zur Werkstatt transportiert oder diese zumindest ohne Umwege angesteuert werden.

1. Kühlmittelverlust - Dringlichkeit: 3/3 – nicht mehr weiterfahren

In sämtlichen modernen Motoren gibt es eine äußerst umfassende Flüssigkeitskühlung, bei der der Motor von entsprechenden Kanälen durchzogen wird, in denen eine von der Kühlmittelpumpe bewegte Flüssigkeit rotiert. Denn grob gilt, je höher die spezifische Motorleistung, desto höher die Wärmeabgabe – ungeachtet aller Effizienzsteigerungen.  Ein Kühlwasserverlust ist jedoch stets nur die Auswirkung anderer Schäden: Etwa eine durchgebrannte Zylinderkopfdichtung, gerissene Kühlmittelschläuche, vielleicht ein durch einen Steinschlag penetrierter Kühler. Bei zu wenig Kühlmittel besteht die Gefahr kapitaler Motorschäden, namentlich Kolbenklemmer oder gar Kolbenfresser, gerissene Motorblöcke oder sich unrettbar durch die Wärme verbiegende Zylinderköpfe.

2. Ölverlust - Dringlichkeit: 2/3 –
Öl nachfüllen und Werkstatt ansteuern; bei starkem Ölverlust jedoch nicht mehr weiterfahren

In dieselbe Kerbe schlägt ein Verlust von Schmierstoffen, konkret des Motors selbst oder des Getriebes. In beiden Fällen können dadurch die Reibkräfte auf ein Niveau ansteigen, das nicht nur die beteiligten Bauteile, sondern andere Teile völlig zerstören kann – man denke daran, wie viele Teile an das Schmiersystem eines herkömmlichen Motors angeschlossen sind.

3. Bremsflüssigkeitsverlust - Dringlichkeit: 3/3 – nicht mehr weiterfahren

Die meisten modernen Fahrzeuge arbeiten mit einem hydraulischen Bremssystem. Der Tritt auf das Bremspedal setzt also (über den Umweg des Bremskraftverstärkers) eine Flüssigkeit in den Bremsleitungen unter Druck, die ihrerseits die Kolben der jeweiligen Bremsen betätigt.
Damit ein Fahrzeug hierzulande straßenverkehrstauglich ist, muss es zwar ein zweigeteiltes Bremssystem haben – wobei ein Kreis beispielsweise auf das vordere rechte und das hintere linke Rad wirkt. Dennoch bedeutet eine Leckage in jedem Fall eine dramatische Reduktion der Fahrsicherheit.

4. Beschädigte Frontscheibe - Dringlichkeit: 2/3 – sofort und vorsichtig Werkstatt ansteuern

Die Frontscheibe ist aufgrund der auftretenden Belastungen die robusteste Scheibe am Auto. Insbesondere Steinschläge können jedoch trotzdem Schäden verursachen. Diese sind aus zwei Gründen gefährlich: Einerseits wird die Integrität der Frontscheibe verletzt. Sie könnte daher unvermittelt reißen. In solche einem speziellen Fall wird die Sicht schlagartig reduziert, was wiederum das Unfallrisiko extrem ansteigen lässt. Nicht zu verachten ist dabei auch der Schreck, den eine plötzlich dicht vor dem Gesicht reißende Scheibe verursacht.
Jedoch: Ob Reparatur oder Austausch nötig sind, entscheidet sich hauptsächlich durch die Größe des Steinschlags und seine Lage. Alles, was sich im direkten Fahrersichtfeld befindet muss sofort getauscht werden. Ungleich zu den meisten anderen Schäden dieses Artikels wird ein Steinschlag jedoch von Teil- und Vollkaskoversicherung beglichen. Bei einem Austausch fällt in der Regel nur die Selbstbeteiligung an.

Ein Schaden an der Auspuffanlage sollte direkt in der Werkstatt behoben werden
© Mercedes - Ein Schaden an der Auspuffanlage sollte direkt in der Werkstatt behoben werden

5. Kaputte Auspuffanlage - Dringlichkeit 3/3 – nicht mehr weiterfahren

Es gibt einen Schlag und was zuvor noch eine normales Fahrgeräusch war, wird plötzlich durch einen merklich erhöhten Lautstärkepegel abgelöst. In diesem Fall gibt es nur eine Möglichkeit: Irgendwo zwischen Krümmer und Endrohr hat die Auspuffanlage einen schweren Schaden erlitten.
Oftmals kündigt dieser sich nicht äußerlich sichtbar an, weil die Bestandteile der Auspuffanlage mitunter von innen nach außen durchrosten. Ähnlich wie bei der Frontscheibe ist das Material dann irgendwann so geschwächt, bis ein Bordstein oder ein Schlagloch es komplett reißen lässt.
Die Lautstärke mag erträglich sein. Was diesen Schaden jedoch dringlich macht, ist die Aufhängung der Auspuff-Bauteile. Das nunmehr nicht mehr mit den restlichen Rohren verbundene Teil kann mitunter aus seinen Gummi-Halterungen rutschen. Es kann sich dadurch unter dem Auto verkeilen oder beim nachfolgenden Verkehr schwerste Schäden, sogar tödliche Unfälle hervorrufen. 

6. Airbag-Schaden - Dringlichkeit: 1/3 – sehr zeitnah Werkstatttermin vereinbaren

Ein Schaden am Airbag, ungleich zu vielen anderen Schäden, ist nur durch eines bemerkbar: Die gelbe Airbag-Leuchte im Armaturenbrett leuchtet unvermittelt auf oder geht nach dem Starten nicht mehr aus.
Dies muss nicht unbedingt bedeuten dass alle Airbags schlagartig ausgefallen sind. Jedoch gibt es irgendwo einen Schaden, der einen Normalbetrieb verhindert – dazu kann es schon gehören, nur einige Sekundenbruchteile langsamer als gewollt auszulösen. In jedem Fall ist das nichts, womit man noch tagelang fahren sollte. Übrigens: Dasselbe gilt für die Gurtleuchte, sofern diese getrennt vorhanden ist.

7. Rote Batterieleuchte - Dringlichkeit 3/3 – nicht mehr weiterfahren

Wir bleiben bei Schäden, die sich (zunächst) nur durch ein Licht im Armaturenbrett bemerkbar machen. In diesem Fall eine rote stilisierte Autobatterie. Leuchtet sie auf, dann ist irgendwo auf der Aufladen-Seite der Fahrzeugelektrik etwas zu Schaden gekommen. Entweder die Batterie selbst, das Masseband, mit dem sie mit der Karosserie verbunden ist, die Lichtmaschine oder deren Antrieb und Verkabelung.
Ungeachtet der Antriebsform benötigen moderne Verbrennungsmotoren stets Strom zum Betrieb der verschiedenen Sensoren – und im Fall eines Ottomotors zudem für die Funktion der Zündanlage. 

8. Gerissener Keil(rippen)riemen -Dringlichkeit: 3/3 – nicht mehr weiterfahren

Die primäre Ventilsteuerung erfolgt über Zahnriemen, Kette oder (heute selten) Zahnräder. Sehr viele Zusatzaggregate werden jedoch durch einen zusätzlichen Keil- oder Keilrippenriemen angetrieben – etwa die Lichtmaschine, weshalb ein Keilriemenriss ebenfalls für die rote Batterieleuchte verantwortlich sein kann.
Oft (jedoch nicht immer) kündigt sich ein reißender Keilriemen schon vorher wimmernd an – er hat nachgelängt und rutscht deshalb über die Riemenscheibe. Mitunter kann er jedoch unversehens reißen. Spürbar ist das häufig nur durch einen Ausfall der (hydraulischen) Servolenkung, weil sie typischerweise davon angetrieben wird.
Schon das kann gefährlich sein. Noch schlimmer wird es jedoch bei Fahrzeugen, bei denen die Kühlmittelpumpe nicht über die primäre Ventilsteuerung, sondern ebenfalls über diesen Riemen angetrieben wird. Dann drohen Gefahren ähnlich wie beim Kühlmittelverlust.

9. Beschädigtes Fahrwerk - Dringlichkeit: 1/3 – sehr zeitnah Werkstatttermin vereinbaren

Beim Beschleunigen, Bremsen, bei Kurvenfahrt und/oder bestimmten Geschwindigkeiten macht das Fahrwerk irgendwelche Geräusche oder vibriert das Auto (insbesondere Lenkrad und Bremspedal) stark? In dem Fall ist irgendwo in dem komplexen System zwischen Auswuchtgewichten der Räder, der Fahrwerksaufhängung oder der Lenkung etwas beschädigt.
Alles davon ist irgendwie für die Sicherheit relevant, da es die Fahrstabilität oder Straßenlage negativ beeinflusst.

10. Ausgefallene Beleuchtung

An jedem PKW gibt es eine Mindestanzahl von Beleuchtungselementen. Sie können entweder selbst ausfallen oder aufgrund eines Schadens der vorgeschalteten Systeme; etwa die Hochspannungsversorgung von Xenon-Scheinwerfern, Relais oder auch bloß Sicherungen.
Wichtig sind sie alle, diese Beleuchtungselemente. Was jedoch die Dringlichkeit der Reparatur anbelangt, unterscheiden sie sich:
Dringlichkeit (Hauptscheinwerfer, Brems- und Rücklichter): 3/3 – nicht mehr weiterfahren
Dringlichkeit (restliche Beleuchtung): 1/3 – sehr zeitnah Werkstatttermin vereinbaren
Tipp: Ist das Glas der Scheinwerfer und sonstiger Leuchten beschädigt, übernehmen ebenfalls Teil- und Vollkasko die Reparatur, da es sich um Glasschäden handelt.

Überblick über kleinere Schäden, die etwas mehr Zeit für die Reparatur haben


Alles, was bislang gelistet wurde, verdient sofortige Aufmerksamkeit. Andererseits existieren jedoch Schäden, die zwar ebenfalls relevant sind (und sei es nur für den Fahrzeugwert), aber bei denen man sich dennoch etwas mehr Zeit für die Reparatur lassen kann.

Penetrierte Reifen (etwa durch Schrauben): Verlieren meist nur schleichend über mehrere Tage hinweg Luft. Solange sie täglich neu befüllt werden, ist die Gefahr gering. Fremdkörper jedoch keinesfalls entfernen.

Lackkratzer bis aufs Blech: Rost kann dann zwar in der Tat entstehen und grössere Schäden nach sich ziehen. So schnell korrodiert Blech jedoch nicht; wenigstens nicht substanziell. Und was mitunter in den kommenden Tagen und Wochen entsteht, wird der Lackierer sorgfältig wegschleifen.

Leicht abgescheuerte Sicherheitsgurte: Die Gurte sind mit enormen Sicherheitsreserven konstruiert. Solange es nur einzelne, losgeschabte Fäden sind, bleibt ebenfalls etwas Zeit.

Ausgefallene Komfort-Elemente: Sind nicht relevant für Funktion und Sicherheit und haben deshalb kaum Dringlichkeit.

Nicht mehr vollständig funktionierende Türschlösser oder Zentralverriegelung: Solange es noch möglich ist ins Auto zu gelangen und es zu starten, ist keine große Eile geboten – zumal Ersatzschlösser sowieso etwas Lieferzeit haben, da sie passend zum Schlüssel justiert oder gar angefertigt werden müssen.

Ausgefallene Fensterheber: Ist das Fenster geschlossen und bleibt es sicher geschlossen (es rutscht also nicht herab), so ist das ebenfalls hauptsächlich ein Komfortverlust.

Beschädigte Außenbauteile: Hierbei ist Augenmaß vonnöten. Eine gerissene Stoßstange beispielsweise kann die Vorderräder beschädigen oder blockieren. Eine abstehende Türverkleidung mitunter Radfahrer gefährden. Ist aber beispielsweise nur irgendwo ein Clip abgebrochen oder ein unwichtigeres Zierteil beschädigt, sieht die Sachlage nicht dringlich aus.

Aufleuchtende Bremsverschleißleuchte: Selbst dann wenn sie einige Tage lang leuchtet, besteht immer noch eine recht große Verschleißreserve in Sachen Bremsbelagsstärke.

Zum Schluss noch ein „Klassiker“: Die von Nagern (meist Mardern) angenagte Innenverkleidung der Motorhaube.
Dies sieht zwar meistens sehr „wild“ aus, ist aber typischerweise harmlos. Alle abstehenden Fäden mit einer scharfen Klinge abtrennen, dann besteht  keine Gefahr für Motor oder Nebenaggregate.

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bz / dw