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Jackie Stewart (l.) zusammen mit Witwe Nina Rindt (r.)
© SID | Zoom

Das SID-Kalenderblatt am 5. September: Jochen Rindt stirbt in Monza

Mit wachsbleichem Gesicht hockte Nina Rindt an diesem Spätsommertag auf der Boxenmauer in Monza. Sie saß da, und sie wartete. Auf die Bestätigung einer schrecklichen Ahnung, die sich wenig später zur grausamen Gewissheit manifestierte. Jackie Stewart eilte herbei, der Weltmeister, er beugte sich ganz dicht zu Nina Rindt und sprach aus, wovor die junge Frau sich immer gefürchtet hatte: "Jochen hatte einen schweren Unfall."

Es war der 5. September 1970, um genau 15.25 Uhr stand die Formel-1-Welt still. Als sie sich langsam weiterdrehte, fehlte einer. Jochen Rindt, der deutsche Österreicher, der Draufgänger mit dem Raubvogelgesicht, der Waghalsige, der Begnadete, der Lässige, der Charmeur, der Publikumsliebling, der Ehemann, der Vater, der erste Popstar der Formel 1. Und zwei Monate nach seinem Tod ihr Weltmeister, der bisher einzige, der posthum geehrt wurde.
 
Wie ein Tornado war dieser Mann, den viele mit James Dean verglichen, in jenem Sommer 1970 über die Formel-1-Landkarte gefegt. Er gewann in Monte Carlo, Zandvoort, Clermont-Ferrand, Brands Hatch und Hockenheim.
 
Als Spitzenreiter der WM-Wertung kam Jochen Rindt schließlich nach Monza. 28 Jahre alt, auf der Höhe seines Könnens, er schien unschlagbar, hatte unerschütterliches Vertrauen in die eigene Stärke, kannte aber auch die Schwachstelle in seinem WM-Plan: "Ich weiß, dass ich so gut bin, dass ich keine Fehler mache. Aber ich weiß nicht, was ich tun kann, wenn etwas am Auto bricht."
 
Es war Samstagnachmittag in Monza. Im Qualifying, das damals noch Abschlusstraining hieß, blieb eine knappe halbe Stunde Zeit für Zeiten. Rindt machte sich fertig, gab Nina einen Kuss: "Ich fahre zwei, drei Runden, dann bin ich wieder da." Er kam nie zurück, es war ein Abschied für immer.
 
Im Anflug auf die berüchtigte Parabolica brach in Rindts Lotus eine Bremswelle. Das Auto zerschellte an den Leitplanken, Rindt wurde aus den Brustgurten gerissen und erlitt beim Aufprall auf die Armaturen und das Lenkrad tödliche Verletzungen.
 
Seine letzte Ruhe fand Jochen Rindt auf dem Zentralfriedhof in Graz. Als Ferrari-Pilot Jacky Ickx im vorletzten Saisonrennen in den USA nur Vierter wurde, stand Rindt als Weltmeister fest. Uneinholbar war der Vorsprung, den er in jenem legendären Sommer 1970 herausgefahren hat.

Jackie Stewart (l.) zusammen mit Witwe Nina Rindt (r.)