Simracing ist aus dem Motorsport nicht mehr wegzudenken
Inzwischen ist es in rund einem Drittel der Motorsport-Teams Alltag, dass ein Trainingstag mit Simulatoren beginnt. Ohne das Aufheulen eines V6 oder den Funkkontakt aus der Boxengasse. Stattdessen steht oft ein ganz und gar unscheinbarer Simulator in einem Raum. Ein Gestell aus Metall, etlichen Bildschirmen, ein Lenkrad mit Direktantrieb. Der Fahrer steigt ein, setzt ein Headset auf und fährt. Die virtuellen Training Sessions sind im Motorsport nicht mehr wegzudenken.Simracing: Die neue Technikplattform im Motorsport
Überall bedienen sich Teams aus dem Profi- wie auch aus dem Amateur-Rennsport der Simulatoren: um Strecken zu lernen, um Fahrzeug-Setups zu testen oder um neue Fahrer einfach mal ins Auto zu bekommen. Ganz besonders im Nachwuchsbereich hat sich dieser Arbeitsstil in den letzten Jahren durchgesetzt. Digitale Trainingsumgebungen ersetzen reale Testtage zwar nicht, aber sie verändern enorm wie junge Fahrer heutzutage in den Motorsport einsteigen.
Digitale Rennserien wachsen in die reale Welt hinein
Diese Entwicklung ist nirgends so deutlich zu erkennen wie rund um die Nürburgring-Nordschleife. Der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) hat für die Saison 2025/2026 ein Regelwerk für die Digitale Nürburgring Langstrecken-Serie veröffentlicht. Darin ist festgelegt unter welchen Bedingungen eine komplette Saison dieser virtuellen Meisterschaft im Lizenzsystem für Nordschleifen-Rennen anerkannt werden kann.
Über Jahre galt Simracing im Motorsport vor allem als Marketinginstrument. Virtuelle Wettbewerbe wurden gefahren um Fans anzusprechen oder jüngere Zielgruppen zu gewinnen. Der Beschluss des DMSB zeugt von einer veränderten Sichtweise. Digitale Rennen werden zumindest teilweise als Trainingsumgebung akzeptiert.
Ein Simulator vermittelt keine Fliehkräfte. Er macht auch nicht den Stress eines dichten Fahrerfeldes im Sekundentakt. Doch die heute vorhandenen Simulationssysteme sind sehr exakt. Sie liefern Daten zu Linienwahl, Bremszonen und Fahrzeugverhalten. Und für Teams ist das spannend, weil sie so jederzeit trainieren können. Vor allem aber kostet es weniger als Testtage auf der Rennstrecke.
Neuer strategischer Raum für Teams und Hersteller
Zeitgleich hat sich um große Rennserien herum eine eigene digitale Wettbewerbs-Kultur etabliert. Die Formel 1 organisiert seit mehreren Jahren eine offizielle Sim Racing World Championship, an der Teams teilnehmen, die eng mit realen Rennställen verbunden sind.
2025 gingen alle zehn Formel-1 Teams bei dieser digitalen Meisterschaft an den Start. Das Rennen dient nicht nur der Unterhaltung der Zuschauer. Vielmehr ist es ein Experimentierfeld für technische Simulationen, Datenanalysen und Nachwuchsförderung.
Einige Teams verfügen heute sogar über eigene Esports-Programme. McLaren bündelt seine Aktivitäten unter der Marke McLaren Shadow. Auch andere Autobauer verfolgen ähnliche Konzepte. BMW engagiert sich bei Partnerschaften mit Simulationsplattformen, während Aston Martin Simulator-Projekte im High-End-Bereich fördert.
Für Marketing-Teams bedeuten virtuelle Rennen eine weitere Möglichkeit Marken in digitalen Communities zu platzieren. Für Ingenieure sind sie ein zusätzliches technisches Tool. Über Simulatoren können neue Streckenlayouts ausprobiert oder Fahrzeug-Setups getestet werden, ohne reale Autos einzusetzen.
Orientierung in digitalen Motorsport-Ökosystemen
Mit der wachsenden Zahl digitaler Plattformen entsteht ein Nebeneffekt. Die Orientierung wird schwieriger. Simracing umfasst inzwischen eine Vielzahl von Wettbewerben, Hardwareherstellern und Plattformmodellen. Manche sind hochprofessionell organisiert. Andere eher communitygetrieben.
Viele Nutzer greifen deshalb auf kuratierte Übersichten zurück, um sich im Angebot zu orientieren. Der gleiche Mechanismus gehört im iGaming schon lange zum Standard: Auf Vergleichsportalen werden etwa von casino.org empfohlene Online Casinos in Österreich gelistet, damit Spieler die wichtigsten Anbieter, Sicherheitsstandards und Lizenzmodelle auf einen Blick vergleichen können. Auch im Simracing entsteht Schritt für Schritt eine ähnliche Infrastruktur aus Rankings, Hardwaretests und Plattformübersichten, die Orientierung in einem schnell wachsenden Markt schaffen sollen.
Hardware verändert das Erlebnis
Technik ist ein weiterer Katalysator in der Entwicklung. Wer heute einen modernen Rennsimulator sieht, erkennt sofort den Unterschied zu früheren Systemen. Aluminium-Cockpits, hydraulische Pedale, Direktantriebsmotoren mit hohem Drehmoment. Diese Geräte simulieren Fahrkräfte deutlich realistischer als frühere Lenkradsysteme.
Die Nachfrage nach solcher Hardware wächst. Ein wichtiger Treffpunkt für Hersteller ist die Gamescom in Köln. Insgesamt 357.000 Menschen aus 128 Ländern besuchten 2025 die Messe. Neben klassischen Videospielen präsentierten dort mehrere Unternehmen neue Simracing-Systeme.
Einige davon richten sich an professionelle Trainingsumgebungen. Andere an ambitionierte Hobbyfahrer. Der Markt bleibt jedoch unübersichtlich. Manche Hersteller entwickeln hochkomplexe Motion-Systeme, die Fahrzeugbewegungen simulieren sollen. Andere konzentrieren sich auf modulare Cockpitlösungen oder Softwareintegration.
Aber: Nicht jede Innovation setzt sich durch. Einige Motionplattformen erwiesen sich als zu wartungsintensiv. Andere Systeme kämpfen mit Softwarekompatibilität.
Nachwuchsprogramme experimentieren mit neuen Trainingsformen
Auch im Nachwuchsbereich verändert sich etwas. Die FIA integrierte im Jahr 2025 ein Esports-Element in Veranstaltungen rund um die Karting World Championship. Das Projekt verfolgt ein einfaches Ziel. Junge Fahrer sollen über digitale Formate leichter den Zugang zum Motorsport finden.
Virtuelle Rennen ersetzen Karting dabei nicht. Sie dienen eher als Einstieg. Fahrer lernen Streckenlayouts, Rennrhythmen und grundlegende Rennstrategie. Anschließend wechseln sie in reale Trainingsprogramme.
Manche Teams nutzen Simulatoren auch für Nachwuchslehrgänge. Ein Fahrer kann hunderte virtuelle Runden absolvieren, bevor er eine Strecke zum ersten Mal real fährt. Das reduziert Kosten und ermöglicht intensivere Vorbereitung.
Rennfahrer berichten häufig dass Simulatortraining zwar hilfreich ist, aber nicht alle Aspekte des Rennsports abbilden kann. Reifentemperatur, Luftströmungen oder Zweikämpfe im Feld lassen sich nur teilweise simulieren.
Zwischen Training, Wettbewerb und Marketing
Simracing bewegt sich heute zwischen mehreren Rollen. Für manche Teams ist es primär ein Trainingsinstrument, während Hersteller sie als Marketingplattform nutzen. Diese Funktionen überschneiden sich, manchmal widersprechen sie sich auch.
Ein digitaler Wettbewerb kann hohe Zuschauerzahlen erreichen, jedoch ohne direkten Einfluss auf realen Motorsport zu haben. Gleichzeitig nutzen aber Rennteams Simulatoren intensiv für technische Vorbereitung, meist ohne öffentlich darüber zu sprechen.
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ju / ba