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Formel-1-Pilot Romain Grosjean (34) hat erstmals nach seinem schweren Feuerunfall beim Rennen in Bahrain emotionale Einblicke gegeben.
© @Romain Grosjean | Zoom

TV Sender TF1: Interview mit Grosjean aus einem Video

Nach dem Feuerunfall von Romain Grosjean am vergangenen Sonntag kurz nach dem Start des GP Bahrain sprechen die meisten Beobachter noch immer von dem „Wunder von Bahrain“. Der verunfallte Haas-Pilot hat jetzt in einem Interview mit dem Französischen Fernsehsender TF1 geschildert, wie er den Unfall erlebt hat:

Formel 1 Bahrain GP 2020

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„Ich kann mich an alles erinnern und bin zu keinem Zeitpunkt ohnmächtig geworden. Ich konnte meine Sicherheitsgurte lösen, das Lenkrad war weg und ich sah nur noch Flammen um mich herum. Mir kam sofort der Feuerunfall von Niki Lauda in den Sinn“. Lauda hatte bei seinem Feuerunfall am Nürburgring am 1. August 1976 schwere Verbrennungen erlitten. „Ich wollte nicht wie er enden“, erzählt Grosjean in dem Interview. „Ich wollte da rauskommen, für meine Kinder. Ich dachte an meinen Vater und an meine Mutter. Ich hatte keine Angst um mich, ich sah den Tod kommen. Es gab keine Alternative als da irgendwie herauszukommen. Am Ende kann ich sagen: es war noch nicht die Zeit für mich gekommen. Aber der Unfall wird mich für mein weiteres Leben prägen.“  



Als er sich ein Video des Unfalls und der Rettung ansieht, erklärt Grosjean: „Das gibt’s noch nicht mal in Hollywood. Ich war 28 Sekunden in den Flammen. Es erschien mir viel länger, weil ich dreimal versucht habe, aus dem Cockpit heraus zu kommen. Nach diesem Crash bin ich nur froh, noch am Leben zu sein. Eines ist klar: Ohne Halo würde ich nicht mehr hier sein. Ich denke, Jules Bianchi wollte mich noch nicht da oben bei sich haben.“

Jules Bianchi hatte sich beim GP Japan 2014 massive Kopfverletzungen zugezogen und war 9 Monate später gestorben, ohne nochmal aus dem Koma erwacht zu sein. In der Folge dieses Unfalls drückte die FIA die Einführung des Cockpitschutzes Halo durch, auch gegen die Kritik vieler Fahrer. Der Halo hat in Bahrain maßgeblich verhindert, dass Grosjean bei dem Unfall durch die sich öffnende Leitplanke geköpft wurde.

"Habe den Tod kommen sehen": Grosjean meldet sich nach Unfall zu Wort
© Lukas Gorys


Apropos Leitplanke: noch am Sonntag wurde Kritik an der Leitplanke laut, die sich nach Meinung einiger Fachleute (darunter Sebastian Vettel) nicht hätte öffnen dürfen. Genau das hat aber zu dem glimpflichen Ausgang des Unfalls beigetragen. Wäre Grosjean mit unvermitteltem Tempo (man schätzt 220 km/h) etwa auf eine nicht nachgebende Mauer geprallt (wie das Bianchi in Suzuka passierte) wäre sein Gehirn massiv geschädigt worden. Die nachgebende Leitplanke hat die Bewegungsenergie deutlich „milder“ abgefedert als eine Betonmauer.

Den zweiten GP von Bahrain am kommenden Wochenende kann Grosjean nicht bestreiten: „Meine Hände sind verbrannt und ich habe eine starke Verstauchung am Fuss.” Aber Grosjean plant, beim Saisonfinale in Abu Dhabi an den Start zu gehen: „Das ist zwar für meine Verwandten schwer zu verstehen, aber ich möchte zurück ins F1-Auto um zu erkennen, wo ich stehe und ob ich weiterfahren kann. Ich möchte meine Geschichte in der Formel1 abschließen. Vor dem Unfall hätte ich das nie so gesagt, aber ich werde froh sein, wenn ich den GP Abu Dhabi als Zwanzigster beenden kann.“   

Lukas Gorys

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