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"Unser Verhältnis war sehr, sehr vertrauensvoll, offen und ehrlich. "
© mspb | Zoom

RTL-Moderator Florian König zum Tod von Niki Lauda: Bin dankbar, einen so außergewöhnlichen Charakter kennengelernt zu haben

(Speed-Magazin.de) Über zwei Jahrzehnte prägten sie die RTL-Übertragungen von den Formel 1-Rennstrecken rund um den Globus: Niki Lauda (†, 70) und Florian König (51). Der dreimalige Weltmeister Lauda hatte beim Großen Preis von Brasilien am 25. März 1995 als RTL-Experte debütiert. Sechs Monate später, am 30. September 1995, moderierte erstmals Florian König mit dem berühmten Österreicher an seiner Seite. Bis zu Laudas überraschendem Rücktritt als TV-Experte am 26. November 2017 nach dem Saisonfinale in Abu Dhabi bildeten die beiden ein kongeniales und von den Zuschauern hoch geschätztes Duo. Lauda und König konnten miteinander – vor der Kamera und auch abseits ihres gemeinsamen professionellen Umfelds. Nach dem Tod von Niki Lauda erinnert sich Florian König in einem RTL-Interview an seinen langjährigen Wegbegleiter und sagt: "Unser Verhältnis war sehr, sehr vertrauensvoll, offen und ehrlich. Ich bin dankbar, einen so außergewöhnlichen Charakter kennengelernt zu haben." Am heutigen Dienstagabend wird Florian König auch die knapp vierstündige Sondersendung „Servus, Niki! Abschied von einer Legende“, in der RTL ab 20:15 Uhr Abschied von seinem langjährigen Kollegen nimmt.

Florian König, wann und wie haben Sie vom Tod Niki Laudas erfahren?
„Wie die meisten Menschen wahrscheinlich heute Morgen durch die Nachrichten. Ich bin aufgestanden, habe das Handy angemacht und es quoll über von WhatsApp-Nachrichten, Telefonanrufen und Social-Media-Posts. Es war ein Schock, aber nach der ganzen Krankheitsgeschichte hatte ich im Hinterkopf natürlich schon mal durchgespielt, dass er diesen Kampf nicht gewinnt. Leider Gottes war es jetzt so.“

Von 1995 bis 2017 sind Sie und Niki Lauda Kollegen gewesen. Wie war Ihr Verhältnis?
„Unser Verhältnis war sehr, sehr vertrauensvoll, offen und ehrlich. Niki ist ja so ein Typ, der ohne Umwege, ohne Zwischentöne, klar heraus, immer geradeaus aufs Tor zumarschierend auch Beziehungen pflegt. Ich war am Anfang natürlich ziemlich nervös, den großen Niki Lauda kennenzulernen, ich war noch völlig unbeleckt in der Formel 1. Und da kam die Legende um die Ecke und sagte, „Servus, ich bin der Niki und wer bist du?“. Ab dem Moment war es eigentlich sehr einfach. Wir haben so einen Modus Operandi gehabt: ich stelle die Fragen, er ist der Experte, er weiß alles und antwortet auf alles. Ich habe nie versucht, ihm irgendwie die Show zu stehlen oder selbst mein wachsendes Formel-1-Wissen vor mir herzutragen. Und insofern haben wir sehr, sehr angenehm miteinander gearbeitet.

Auf Außenstehende konnte Niki Lauda manchmal etwas schroff und unnahbar wirken. Wie haben Sie ihn auf der professionellen Ebene erlebt?
"Er war völlig unkompliziert im Umgang, ist immer ans Telefon gegangen. Da musste man keinen Umweg über irgendein Vorzimmer nehmen, sondern das ging alles immer direkt übers Handy. Selbst wenn er im Cockpit seiner Privatmaschine saß, war er empfangsbereit: „Du, ich starte gleich. Sag schnell, ich hab keine Zeit“. Alles war easy, er brauchte keine Fragen vorab, also ein absoluter Traum für einen Moderator. Einer, der undiplomatisch und klar direkt seine Meinung sagt, auch wenn sie unbequem ist. Solche Leute findet man leider viel zu selten.“

Lauda selbst hat ja mal von sich behauptet, er habe keine Freunde. Würden Sie sich dennoch als eine Art Freund bezeichnen?
„Weil er das so gesagt hat, bin ich natürlich auch kein Freund, aber wir haben schon über den Job hinaus eine sehr gute private Verbindung gehabt. Wenn ich in Wien war, habe ich ihn besucht, wir waren zusammen essen. Er hat mich sogar zum Essen eingeladen, was ja so ziemlich der größte Liebesbeweis von Niki Lauda ist, denn er hatte einen riesengroßen Igel in der Tasche und war nicht dafür bekannt, dass er gerne Geld ausgab. Bis zuletzt haben wir immer viel geschrieben und uns ausgetauscht. Wir haben auch nach seiner Lungentransplantation noch ein paar Mal telefoniert, aber natürlich habe ich gemerkt, dass ihn das Sprechen eine Zeit lang angestrengt hat."

Welches Gefühl bleibt im Rückblick haften?
"Ich bin einfach nur dankbar für die 22 gemeinsamen Jahre vor der Kamera bei RTL. Dankbar, einen so außergewöhnlichen Charakter kennengelernt zu haben. Da fühle ich mich schon sehr beglückt, denn solche Menschen findet man nicht so oft. Ich finde es halt furchtbar schade, dass wir uns jetzt nicht wiedersehen. Da wird schon eine große Lücke bleiben, auch in der Formel 1."

Wo konnte Niki Lauda Sie auf Ihrem Weg inspirieren?
„Natürlich hatte er auf mich beruflich einen Rieseneinfluss gehabt. Ich hatte schon immer das Gefühl, dass er mich auch getragen hat. Gerade am Anfang, als ich ein junger, unerfahrener Moderator war, wusste ich, dass mir mit dem an meiner Seite erstmal nix passiert. Aber viel beeindruckender finde ich, wie er mit seinem persönlichen Leben und all diesen Schicksalsschlägen umgegangen ist. Mit seinem Feuerunfall, mit der Nierentransplantation, mit dem Absturz seiner LaudaAir-Maschine, den vielen, vielen Toten und jetzt zuletzt auch mit der Lungentransplantation. Nie war er weinerlich und klagte „warum ausgerechnet ich?“. Stattdessen ging er in die klare Analyse: Das und das ist das Problem. Was machen wir? Wer ist der beste Arzt. Was ist dann der nächste Schritt usw. So hat er das in seinem Formel-1-Leben gehalten und so hat er das auch privat durchgezogen. Das klang manchmal, wenn man ihn nicht gut kannte, hart und brutal, aber ich fand es unheimlich pragmatisch und faszinierend. Die Nase in den Wind und geradeaus in Richtung Sturm marschieren – Niki ging mit einer wahnsinnigen Härte gegen sich selbst vor und war dabei immer optimistisch."

Ein Leben am Limit?
„Zum einen hatte Niki einen Akku, der in ihm nie leer ging. Die Tage waren durch getaktet, Leerlauf war für ihn das Schlimmste. Wenn er zur Sendung kam, war auch immer die erste Frage, „wann kann ich wieder weg?“. Natürlich haben ihn diese ganzen Schicksalsschläge, auch die optische Veränderung nach seinem Feuerunfall, zu einem außergewöhnlichen Charakter geformt. Er war am Anfang seiner Formel-1-Zeit überhaupt nicht beliebt, galt als Egomane und Unsympath und ja: als Arschloch. Das sagte er übrigen auch von sich selbst. Aber über die Jahre hat sich da heraus etwas modelliert, was dann wirklich außergewöhnlich war. Ich habe in den letzten Jahren auch den weichen Niki Lauda erlebt mit seiner Familie, mit seinen zwei jungen Kindern. Da zeigte er ein ganz großes Herz und war ein ganz weicher, angenehmer, zugewandter Mensch."

Gibt es einen speziellen Moment, an den Sie besonders zurückdenken?
„Keinen, den ich jetzt auf eine Begebenheit zurückführen könnte. Es waren mehr so die Begegnungen auf Augenhöhe, auf menschlicher Ebene: Espresso Macchiato trinken, zusammen das freie Training schauen und Blödsinn reden. Mit Niki konnte man ja auch unglaublich viel Quatsch machen. Er hatte einen wahnsinnigen Spaß, einen reinzulegen. „Den ham wa g’zupft“, sagt er dann und lachte wie ein kleiner Bub. Diese normalen Begebenheiten fand ich eigentlich viel eindrucksvoller für mich als die großen emotionalen Momente."

Wie werden Sie Niki Lauda in Erinnerung behalten?
„Ich behalte ihn in Erinnerung als einen vitalen, viralen Typen, der mir sicher ab und zu den Kopf in die richtige Richtung gedreht hat, der mir gezeigt hat, worauf es ankommt im Leben. Ich behalte ihn im Gedächtnis als feinen Kerl, der wahnsinnig viel geleistet hat, dem ich persönlich manchmal ein bisschen mehr Ruhe, ein bisschen mehr Entspannung gewünscht hätte. Aber er wollte bis zu seinem letzten Tag arbeiten, Dinge bewegen, Geschäfte machen, neue Dinge erleben. Niki war ein rastloser Mensch, der mir sehr nahe ist und den ich immer in bester Erinnerung behalten werde.“

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