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Speed-Magazin Umfrage - Wer ist die Nummer 1 der Formel 1?
© Lukas Gorys | Zoom

Formel 1: Speed-Magazin Umfrage - Wer ist die Nummer 1 der Formel 1?

Speed Magazin Umfrage: Ohne Formel1 Rennen kann es ganz schön langweilig werden. Zeit genug, um einmal etwas nachzudenken. Zum Beispiel darüber, wer für mich die zehn besten F1-Rennfahrer aller Zeiten waren? Für mich ganz persönlich und deshalb sind die meisten auch Piloten, die ich selbst habe fahren sehen. Die Wertung ist auch unabhängig von den reinen Resultaten, denn in diesem Fall wäre es einfach: Schumi vor Hamilton, Fangio, Prost und Senna.

1. Ayrton Senna

Der Brasilianer war so viel mehr als nur ein gottbegnadeter Rennfahrer. Er war ein Charismatiker, ein Genie am Lenkrad, ein Perfektionist, der niemals Ruhe gab und sein Auto in jedem Detail permanent verbessern wollte. Seine  Qualifying-Runden waren surreal. In den Rennen war er kompromiss- bis gnadenlos, ja brutal, er war voller Emotionen und konnte über seine Fahrkünste auf einem Level philosophieren, wie man es vorher und nachher nie erlebt hat. Wer ihn zum Feind hatte (Prost), der hatte nichts zu lachen. Er wusste, dass er der Beste ist und er verlangte, dass jeder dies anerkannte. Seine Duelle mit Alain Prost gingen über den normalen Wettkampf zweier Rennfahrer hinaus. Senna kannte auch hierbei kein Limit. Es waren epische Schlachten, die die ganze Formel1 in Atem hielten. Am Ende ist er gestorben, wie nur Ayrton Senna sterben konnte: am 1. Mai 1994 in Imola - in Führung liegend.

	Ayrton SENNA, Alain PROST, McLaren-Honda F1 team 1988
Ayrton Senna (links) und Alain Prost, 1988
© mspb
 

2. Gilles Villeneuve

Wenn es jemals einen Menschen gegeben hat, der zum Rennfahren geboren war, dann war das der Kanadier Gilles Villeneuve. Keiner war so schnell wie Gilles in seinem Ferrari. Niki Lauda nannte ihn „Giganten“. Ohne Kompromisse, ohne Gnade, immer am Limit und eigentlich immer ein oder zwei Prozent darüber. Unfälle waren für ihn normal, er tastete sich am liebsten „von oben“ an das Limit heran. Auf die Frage zu Beginn einer Saison antworten normale Rennfahrer auf die Frage nach ihrem Jahresziel: „ich will Weltmeister werden“, „ich möchte einen Grand Prix gewinnen“, oder was auch immer. Gilles antwortete lächelnd: „Vollgas fahren“. Genauso ist er am 8. Mai 1982 auch gestorben. Noch hoch in der Luft, sich nach einer Kollision mit Jochen Mass überschlagend, blieb er am Gas, bis sein Ferrari in Zolder zerschellte und er sich bei dem Unfall das Genick brach.

3. Niki Lauda

Vielleicht war er nicht im gesamten Verlauf seiner Karriere immer der Schnellste, denn er hatte legendäre Gegner wie Piquet, Keke Rosberg, Villeneuve oder Alain Prost. Aber er war von allen Fahrern wohl der Intelligenteste. Der Pilot, der das Maximum aus seinem Material herausholte, der unablässig und messerscharf analysierte, sein Team permanent nach vorne pushte, und der sich selbst gegenüber brutal und gnadenlos war, eigensüchtig und egoistisch wie kein Zweiter. Das musste er auch sein, zumindest nach seinem Feuerunfall. Sechs Wochen nach diesem Crash am Nürburgring 1976 wieder in dem Ferrari zu sitzen, war das größte Comeback der Formel1-Geschichte. Die Story seiner Saison 1976 und seines Duell mit James Hunt wurden in dem Film „Rush“ verfilmt. Das brachte den Österreicher einer ganz neuen Generation von F1-Fans nahe. Zur Legende wurde Lauda nach dem Ende seiner aktiven Karriere: Besitzer einer Fluglinie, später Mercedes-Co-Teamchef – Lauda gehörte bis zu seinem Tod 2019 zur Formel1. Auf seinem F1-Pass stand als Beruf einfach „World Champion“. Mit seinen RTL Kommentaren bei jedem Rennen war er der  intelligenteste Analytiker, auch da knallhart auf den Punkt, aber immer ehrlich und zutreffend. Als er im Mai 2019 starb, war das ein Schock. Die Überfigur Niki Lauda fehlt im Paddock noch heute.

Niki Lauda, Formel 1 GP Kanada 2013 © mspb
 

4. Lewis Hamilton

Der überlegene Mercedes hat es Lewis leicht gemacht, fünf Mal in sechs Jahren Weltmeister zu werden. Aber er hat diese Titel ohne jedes Foulspiel geholt, mit purem Können, oft magischen Qualifying-Runden genau wie sein Vorbild Ayrton Senna. Er macht den Mund auf, wenn sich keiner traut, wie jetzt in Melbourne und er ist der einzige Weltstar der aktuellen Formel1, ein Meister der Social Media, der einzige, der über seinen Sport hinaus bekannt ist und deshalb als Werbefigur für seine Sponsoren unbezahlbar ist. Er ist der Superstar der modernen Formel1 und kann mit ein wenig Glück alle Rekorde von Michael Schumacher brechen. 

Lewis Hamilton, Formel 1 GP Australien 2015
Großer Preis von Mexiko in Mexico City, 28. Oktober 2018. Hamilton gewinnt vorzeitig seinen fünften Weltmeister-Titel und ist einer von nur drei Rennfahrern, die mindestens fünfmal die Königsklasse des Motorsports für sich entscheiden konnten. Außer Hamilton schaffen das bisher nur Juan Manuel Fangio und Rekordweltmeister Michael Schumacher.
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5. Michael Schumacher

Ginge es alleine um die Anzahl der Siege und der WM Titel, ist der Deutsche ohne jeden Zweifel natürlich die uneingeschränkte Nummer 1. Für viele ist er es trotzdem nicht, weil er unter Druck sehr nervös und manchmal richtig unfair wurde. Er hat die Formel1 in Deutschland populär gemacht und dominierte speziell von 2000 bis 2004 auf Ferrari die Rennen auf eine geradezu unglaubliche Art und Weise. Aber sein Abschuss seines WM-Konkurrenten Damon Hill 1994 in Adelaide (nachdem er selber wegen eines Konzentrationsfehlers die Mauer touchiert hatte), sowie das unfaire Reinziehen 1997 in Jerez, als WM-Konkurrent Jacques Villeneuve ihn überholte, zeigten die unsportliche Seite des Michael Schumacher. Und das gibt in diesem Ranking Punktabzug... 

Michael Schumacher, Formel 1 GP von Deutschland, Nürburgring 2009
Michael Schumacher, Formel 1 GP von Deutschland, Nürburgring 2009
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6. Alain Prost

Der Franzose wird bei der Vergabe von Spitzenplätzen bei All-Time-Rankings gerne übersehen. Zu Unrecht! Er war viermal Weltmeister und wurde nicht umsonst von den Fachleuten und seinen Fans „Professor“ genannt. Ein Reifenflüsterer und ein Meister der unspektakulären, langweiligen Start-Ziel-Siege. Für Bernie Ecclestone ist Prost der Beste von Allen. Kein Wunder:  Prost war ein echter Meister der Formel1. Er ist der einzige, der von sich behaupten kann, Ayrton Senna geschlagen zu haben! In Erinnerung bleibt der Franzose durch seine Duelle mit Senna aber auch durch seine politischen Ränkespiele. Kein Fahrer war so durchtrieben, was die Sportpolitik anbelangt. Senna brachte er damit komplett zur Weißglut.

Ayrton Senna, Alain Prost, McLaren Honda, 1992,
Ayrton Senna (links) und Alain Prost 1992
© mspb
 

7. Nelson Piquet

Der Brasilianer war ein schlampiges Genie. Mit seinen drei WM-Titeln war er eigentlich schlecht bedient. Er hätte alles in allem fünf WM-Titel holen können und müssen: 1980, 1981,1983,1986 und1987. Aber Nelson Piquet war niemals mit dieser letzten Portion Ernsthaftigkeit bei der Sache. Er gefiel sich in der Rolle des Playboy, war immer zu Scherzen aufgelegt, seine Frauengeschichten sind legendär und ihm schienen seine Yacht und sein Privatjet oft wichtiger als die letzte Flügeleinstellung an seinem Brabham oder später Williams. Er war ein Meister der psychologischen Kriegsführung und schaffte es, seine Gegner psychisch zu destablisieren. Seinen schnellen Teamkollegen Nigel Mansell brachte er mit Aussagen zum Aussehen über dessen Frau an den Rand des Wahnsinns. 

8. Juan Manuel Fangio

Den Argentinier habe ich nie fahren sehen, aber er war der Dominator der wilden 1950er Jahre und gewann fünf WM-Titel mit vier verschiedenen Teams. Fangio verstand seine Rennwagen wie kein Zweiter und er konnte die Rennen lesen. Er achtete auf jedes Detail in der Umgebung und vermied dadurch Unfälle, die zu  seiner Zeit oft tödlich endeten. Ein Beispiel: in Monaco 1950 lag er in Führung und wunderte sich, warum die Zuschauer am Streckenrand nicht auf ihn schauten, sondern in die andere Richtung. Also ging er vom Gas. Hinter der blinden Kurve am Hafen war die Piste nach einem Massencrash blockiert und keiner hatte ihn gewarnt. Das war Fangio...

Großer Preis von Holland in Zandvoort am 19. Juni 1955. Sieger Juan Manuel Fangio (auf Mercedes-Benz W 196 R mit der Startnummer 8) mit Lorbeerkranz und die Mechaniker Erwin Grupp und Hermann Eger (links).
Großer Preis von Holland in Zandvoort am 19. Juni 1955. Sieger Juan Manuel Fangio (auf Mercedes-Benz W 196 R mit der Startnummer 8) mit Lorbeerkranz und die Mechaniker Erwin Grupp und Hermann Eger (links).
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9. Jim Clark

Auch von ihm habe ich nur aus Erzählungen gehört. Der präziseste Fahrer von allen besaß eine besondere Gabe: er konnte sich mit ein paar schnellen Runden gleich nach dem Start von den Gegner absetzen und dann seine Rennen in Ruhe abspulen. Mit den Lotus-Entwicklungen von Colin Chapman bildete er eine symbiotische Einheit. Fehler- und makellos.
 

10. Für Platz zehn...

Zum einen Stirling Moss, einer der besten Fahrer der 1950er Jahre ohne WM-Titel. Dann Jochen Rindt, der James Dean der Formel1, offenbar ein Super-Typ und ultraschnell. Jackie Stewart, der zusammen mit Emerson Fittipaldi die gefährlichste Zeit der F1 dominierte und nicht zu vergessen aus der aktuellen Zeit Max Verstappen. Ein unglaublicher Instinkt-Racer. Auf der Piste eine Mischung aus Villeneuve und Senna. Wie sich der Holländer wohl in einem Duell mit Gilles Villeneuve oder Ayrton Senna geschlagen hätte? 

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Lukas Gorys