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F1 GP Australien Absage durch Chase Carey Vorstandsvorsitzender der Formel1
© mspb / Lukas Gorys | Zoom

Formel 1 Insider Lukas Gorys zur Corona Krise: "Keiner weiss genau wie es in der F1 weiter geht"

Das war ein später Alarmruf wegen dem Coronavirus in Melbourne. Als die Formel 1 Leute am vergangenen Wochenende aus Melbourne flüchteten (dieser Ausdruck trifft es besser als „abreisen“), verabschiedeten sich viele mit den Worten „see you soon“ , „bis bald“ voneinander. Keiner weiß allerdings so genau, wann dieses „bald“ sein wird.

Formel 1 Großer Preis von Australien 2020

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Gestern wurden auch die Grands Prix von Holland, Spanien und Monaco auf unbestimmte Zeit verschoben, wobei Monaco dann schnell für Klarheit sorgte und den prestigeträchtigsten Grand Prix des Jahres für 2020 komplett absagte. Auch das Fürstentum hat derzeit andere Sorgen, als den F1-Zirkus irgendwann im späteren Verlauf des Jahres durch die Stadt am Mittelmeer rasen zu lassen. Der Monaco Grand Prix hat seinen traditionellen Platz am Wochenende nach Christi Himmelfahrt und fällt damit traditionell mit dem Festival von Cannes zusammen. Auch Cannes ist mittlerweile abgesagt und später im Jahr passt es den Monegassen nicht mehr, ihre Stadt 6 bis 8 Wochen in einen Ausnahmezustand voller Leitplanken und Verkehrsbeschränkungen zu versetzen...
 
Seit wir am Freitag dem 13. in Melbourne vor den Scherben des F1-Saisonauftaktes standen, fragen sich die F1-Fans, wann es denn nun mit der F1-Saison 2020 endlich los geht. Die ehrliche Antwort darauf ist: kein Mensch kann das Stand heute sagen! Natürlich plant man einen Start am 7. Juni in Baku, gefolgt von dem GP Kanada nur eine Woche später. Dazu muss aber die reale Welt mitspielen. Heißt: dazu müssen die Länder Azerbaijdschan und Kanada die Leute ins Land lassen, dazu müssen wieder Sportereignisse erlaubt werden und –elementar wichtig- dazu müssen wieder Grenzen offen sein und Flugzeuge fliegen! 

Seit wir am Freitag dem 13. in Melbourne vor den Scherben des F1-Saisonauftaktes standen, fragen sich die F1-Fans, wann es denn nun mit der F1-Saison 2020 wirklich los geht.
© Lukas Gorys

Genau das alles kann heute niemand wissen. 

Die Formel1 befindet sich deshalb seit der Abreise aus Melbourne genau wie der Rest der Welt im Krisenmodus und hat einige Massnahmen getroffen, die die 10 Teams durch diese  Krise führen sollen. Zuerst entschied man sich, die für August geplante Sommerpause (in der die Teams 14 Tage alle Aktivitäten in den Werken einstellen) auf März/April vorzuverlegen und auf drei Wochen auszudehnen. Damit soll im August Platz für Rennen geschaffen werden, die man dann nachholen möchte (z.B. Holland). Fakt ist, wenn es wieder losgeht, wird man versuchen, so viele Rennen wie möglich auszutragen, um die Saison sowohl sportlich als auch finanziell zu retten. 
 
Denn eines ist auch klar: die Absage der Rennen hat erhebliche finanzielle Konsequenzen für die Formel1 Gesellschafter und speziell im kommenden Jahr auch für die Teams. In diesem Jahr werden in mehreren Chargen die Gelder ausgeschüttet, die den einzelnen Teams nach den Vorjahresergebnissen und nach den Vorjahreseinahmen zustehen. Diese Gelder werden 2021 umso geringer ausfallen, je weniger Rennen in der Saison 2020 ausgetragen werden. Anteilig werden auch die TV-Anstalten und die F1-Sponsoren weniger Geld ausschütten, sodass spätestens Anfang 2021 die Teams deutlich weniger Geld zur Verfügung haben werden. Also entschied man sich am Donnerstag einstimmig, das neue Reglement, für das alle Teams  komplett neue Autos entwickeln müssen, um ein Jahr zu verschieben und die nächste Saison mit den 2020er Autos zu bestreiten. 

Für die Fans ist all das kein Trost. Auf absehbare Zeit werden wir keine F1-Rennen sehen. Drücken wir die Daumen, dass es Anfang Juni wirklich weitergeht.
© mspb 
 
 
Das spart natürlich immense Kosten und soll dazu führen, dass die Teams der Formel1 erhalten bleiben. Denn gerade auch die Automobilhersteller werden ihr Engagement in der massiven, kommenden Wirtschaftskrise überdenken. Zu Beginn der Finanzkrise 2009 verabschiedeten sich innerhalb von wenigen Monate BWM, Toyota, Renault und Honda aus der F1. Ähnliches könnte der Königsklasse natürlich auch jetzt blühen. Also versuchen die Besitzer der F1 gerade den Herstellern das Weitermachen so günstig wie möglich zu machen. Wenn 2021 mit den 2020er Chassis gefahren wird,  entlastet das die Budgets der Teams enorm. Gleichzeitig soll ja ab 2021 die Budgetlimitierung von 175 Mio Dollar greifen. Es gibt derzeit Bestrebungen, diese Summe noch zu reduzieren, um möglichst alle Hersteller an Bord zu behalten...
 
Für die Fans ist all das kein Trost. Auf absehbare Zeit werden wir keine F1-Rennen sehen. Drücken wir die Daumen, dass es Anfang Juni wirklich weitergeht. Wie die Lage derzeit aussieht, bekommen wir alle in den Medien den ganzen Tag vor Augen geführt. Solange die Ausbreitung des Virus nicht gestoppt ist, werden die Staaten die eingeführten Restriktionen nicht lockern. Und wer an die chaotische Rückreise vieler F1-Leute aus Melbourne denkt, ahnt, dass niemand derzeit Lust dazu, sich wieder in weit entfernte Länder zu begeben, in denen man riskiert, in Quarantäne genommen zu werden oder nicht mehr befördert zu werden. Mein Vermutung deshalb: die F1 wird mit einem europäischen, mit LKWs leicht zu erreichenden Rennen beginnen. Wenn immer die Staaten und dieses verflixte Virus das erlauben... 

Rückblick F1 Melbourne vom F1 Insider Lukas Gorys zur Corona Krise:

Lukas Gorys

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