Formel 1 Biosphäre auf der Insel Yas
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Formel 1 Insider Lukas Gorys zum F1 Abu Dhabi-GP Finale 2020: Willkommen in der F1-Biosphäre!

Das Corona-Virus hat den Verlauf der F1-Saison 2020 komplett auf den Kopf gestellt. Aber die F1-Verantwortlichen haben alles dafür getan, einen Rennkalender mit 17 Rennen auf die Beine zu stellen und diese Rennen auch wirklich durchzuführen. In Europa ging das auch mehr oder weniger gut, obwohl im Herbst mit steigenden Fallzahlen in den verschiedenen Ländern, durch die der Rennzirkus auf dem Weg zum nächsten Rennen fahren musste, manche Lastminute-Änderung der Planungen erforderlich wurde. Shutdowns von Restaurants in Imola, Beschränkungen der Fahrten durch Risikogebiete und Schließungen von Grenzen (Spanien/Frankreich) machte den Logistikern das Leben schwer.

Die eigentliche Herausforderung wartete jedoch am Ende der Saison bei den einzigen Überseerennen der Corona-Saison 2020: Zweimal Bahrain und zum Finale Abu Dhabi machten Organisations-Hürden notwendig, die man sich so eigentlich nicht vorstellen konnte. Bahrain war eigentlich noch human: ein verpflichtender zusätzlicher Covid-PCR –Test direkt bei der Einreise und dann eine Nacht im Hotelzimmer. Am nächsten Morgen war das Ergebnis da und die F1-Leute konnten ihr „normales“ Leben führen- natürlich mit Maske und mit strenger Einhaltung der verschiedenen Isolations-Bubbles, in denen die Teams und Medien vor Ort leben und die sich nicht vermischen dürfen. 

Die Regierung des Emirats will vermeiden, dass sich die Bevölkerung bei Kontakt mit der Formel1 ansteckt
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Die Hürde von Anfang an war Abu Dhabi. Das Emirat Abu Dhabi setzt auf Null-Toleranz gegenüber Covid19 und verlangt von jedem Einreisenden 12 Tage strengste Quarantäne. Das ging natürlich für die F1 nicht. Also wurde ein ausgeklügelter Plan entwickelt, mit dem der Veranstalter die Quarantäne vermeiden konnte und mit dem die lokalen Behörden zufrieden waren:  Man definierte einfach die zwei F1-Wochen in Bahrain als Vorbereitung für Abu Dhabi um. Die Formel1 verbrachte also quasi ihre Abu Dhabi-Quarantäne in Bahrain! Das war auch deshalb machbar, weil jeder, der in Bahrain mit dabei war, spätestens alle fünf Tage erneut getestet wurde– vom gleichen Testzentrum, das alle Einreisenden gecheckt hatte. So wurde auch Lewis Hamiltons Infektion entdeckt. 
 
Die vorgezogene Quarantäne allein reichte den Behörden in Abu Dhabi allerdings nicht. Die Regierung des Emirats wollte vermeiden, dass sich die Bevölkerung bei Kontakt mit der Formel1 ansteckt. Also kam man – weil sich die Rennstrecke auf der Insel Yas befindet- auf die Idee, diese Insel hermetisch abzuriegeln und auf ihr quasi eine eigene Formel1 –Biosphäre einzurichten. Diese wurde am 4.12 eingerichtet und durfte nur am Montag 7.12. betreten werden. Also wurden alle F1-Leute (inklusive der Medien) in speziellen Charter-Flugzeugen von Bahrain nach Abu Dhabi geschickt und landeten dort auf einem speziellen Terminal, ohne mit anderen Passagieren in Berührung zu kommen. In Empfang genommen wurden die rund 2000 F1-Biosphäre-Benutzer am Flughafen von völlig vermummten Gestalten, die sich mit Ganzkörperanzügen vor Ansteckungen schützten. Als erstes nach dem Aussteigen wurde bei jedem Ankommenden in Covid-Test durchgeführt, dann ging es in speziellen Bussen–begleitet von Militärfahrzeugen mit Blaulicht- auf die hermetisch abgeriegelte Insel Yas. Hier befinden sich sechs Hotels, die speziell für den F1-Tross geblockt wurden. Auch hier beim Einchecken nur vermummte Gestalten in Sicherheitsanzügen und nach dem Check-in musste jeder in seinem Zimmer warten, bis sein Testergebnis vom Flughafen da war. 

Noch in der Nacht bei Ankuft wurden die COVID19 Tests ausgeführt
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Noch in der Nacht wurden die Tests ausgewertet und jeder Gast bekam das Ergebnis aufs Smartphone geschickt. Mit dem negativen Testergebnis bekam man bei der Rezeption ein grünes Armband ausgehändigt, mit dem man sich in und um die Hotels bewegen kann und an die Rennstrecke laufen darf. Ohne grünes Armband geht in der Biosphäre gar nichts, es gibt noch nicht mal Frühstück!

Die F1-Biosphäre (in der auch alle Einheimischen, die an der Rennstrecke und in den Hotels arbeiten, leben müssen) wird bis Mittwoch 16.12. aufrechterhalten, denn am 15.12. findet ja noch ein F1-Testtag auf dem Yas-Kurs statt
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Die F1-Verantwortlichen verfolgen das Experiment der F1-Biosphäre mit Argusaugen. Damit wollen sie für die Saison 2021 auch die strengen Einreisebestimmungen wie etwa in Australien für die Formel1 aufweichen. Eine Biosphäre kann man auch im Albert Park in Melbourne einrichten. Zumindest in der Theorie, denn Albert Park ist keine vom Rest Melbournes abgetrennte Insel, sondern ein dicht bewohntes Naherholungsgebiet direkt im Süden von Downtown Melbourne. Hier etwas ähnliches einzurichten wie in Abu Dhabi ist aufgrund der völlig anderen Hotelsituation noch mal eine ganze andere Herausforderung. Aber die Logistiker der Formel1 lieben Herausforderungen und ihre Fantasie scheint grenzenlos zu sein. Am Ende müssen alle Beteiligten guten Willen und große Flexibilität beweisen und dann geht fast alles. Warum also keine Biosphäre im Albert Park? 
 

Lukas Gorys / DW

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