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© Lukas Gorys | Zoom

Formel 1 Insider Lukas Gorys zu Lewis Hamilton: „Du bist dabei die Geschichtsbücher neu zu schreiben“

Am westlichsten Zipfel Europas ist die Formel1 zu einer alten Liebe zurückgekehrt: der GP Portugal war seit 1996 kein Bestandteil der F1-WM mehr. Erst in diesem verrückten Corona-Jahr 2020 hat sich der Grand Prix Zirkus wieder nach Portugal verirrt. Und Portimao wurde heute zur Location eines schier unglaublichen F1-Rekords: Lewis Hamilton hat sich seinen 92. F1 Sieg geholt und hat damit den Siegesrekord von Michael Schumacher endgültig übertroffen.

Formel 1 Zahlen & Fakten: Portugal Grand Prix

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Es war eines dieser typischen Lewis -Hamilton-Rennen: nach dem Start übernahm er zwar die  Führung, aber beim einsetzenden Regen hielt er sich zunächst zurück. Für Hamilton geht es in dieser letzten Phase der WM nicht mehr um Siege ,sondern darum, ins Ziel zu kommen und damit wichtige Punkte für den siebten WM-Titel zu holen. Den Kampf um die Spitze überließ er zunächst seinem Teamkollegen Valtteri Bottas und dem sensationell gestarteten Carlos Sainz, der noch in der ersten Runde die Führung übernahm. 

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© Lukas Gorys
 
 
Sobald die Medium-Reifen endlich die optimale Betriebstemperatur erreicht, kam der Mercedes-Express von Bottas und Hamilton in Fahrt und Carlos Sainz war in Runde 6  seine Führung wieder los.  Valtteri Bottas schien einige Runden lang eine komfortable Führung zu genießen. Aber er hatte seine Reifen im Kampf mit Sainz zu hart rangenommen, wodurch Hamilton wieder zu ihm aufschließen konnte. In Runde 20 war es soweit: Hamilton übernahm die Führung und machte sich auf zu seinem 92. GP Sieg. Gegenwehr von Bottas? Fehlanzeige! Der Finne ließ Hamilton ziehen und demonstrierte damit den Unterschied zwischen sich und dem fast siebenfachen Weltmeister. Hamilton hatte es schon nach dem Qualifying gesagt hatte: „Du musst wissen, wie man aus diesem Wagen das Maximum herausholt.“ Und wie man dabei die Reifen schont.
 
Man muss sich das vorstellen: da beklagt sich Lewis Hamilton in Runde 58 über einen Krampf im rechten Bein und geht auf der Geraden vom Gas, um den Krampf zu lösen. Aber selbst dies bringt Bottas nicht in Schlagdistanz zum Teamkollegen.
 
Kritiker mögen sagen, dass es Hamilton zu leicht gemacht wird, dass er zu wenig Konkurrenz hat, dass sein Mercedes zu überlegen ist. Aber das wird diesem Ausnahmekönner Hamilton nicht gerecht. Auch bei Michael Schumacher sahen die meisten Siege leicht aus, auch damals wurde kritisiert, der Ferrari sei zu überlegen. Diese Leichtigkeit des Siegens gehört zu den wahren Champions dazu. 

Hamilton übernahm nach dem Start die Führung
© Lukas Gorys
 
 
Wenn es so einfach wäre, dann müsste Bottas häufiger gegen Hamilton gewinnen, dann hätte Mark Webber Sebastian Vettel in seinen besten Red Bull Jahren 2010 bis 2013 häufiger schlagen müssen. Und Irvine oder Barrichello hätten Michael Schumacher mehr Siege streitig machen müssen.
 
Nein, jetzt ist „Hammertime“, wie die Hamilton-Fans sagen. Es ist Lewis Hamiltons Zeit und die große Frage ist, wie lange seine Ära noch andauert. Dass Hamilton noch immer nicht bei Mercedes seinen Vertrag verlängert hat, spricht dafür, dass der mittlerweile 35 jährige Engländer genau darüber nachdenkt. Einen Angriff auf einen achten Titel wird er wohl noch wagen. Aber wie viele Jahre will er insgesamt noch fahren? Mercedes will Planungssicherheit und wohl am liebsten um drei Jahre verlängern. Und Lewis? Was will er?
 
 „Du bist dabei die Geschichtsbücher neu zu schreiben“ sagte Hamiltons Renningenieur Peter Bonington ihm nach der Zieldurchfahrt. Genau das ist ihm mit dem heutigen Sieg gelungen. Sobald er den siebten WM-Titel und damit den Schumacher-Rekord eingestellt hat, wird es für ihn 2021 in die nächste Runde gehen. Die Jagd nach Titel Nummer 8 ist quasi schon eröffnet. Aber auch wenn es so leicht aussieht, ein Selbstläufer wird das nicht.  
 

Lukas Gorys / DW

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