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Der erste GP in Budapest wurde zu einem gigantischen Erfolg
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Formel 1 GP Ungarn 2012: Red Bull Pilot Vettel im F1 Rennen am Hungaroring unter Druck

(Speed-Magazin / Lukas Gorys)  Der seit 1986 ausgetragene Formel 1 GP Ungarn ist mittlerweile einer der traditionsreichsten Grand Prix der Formel-1-Weltmeisterschaft. Das hätte sich vor der ersten Austragung 1986 zu strammen kommunistischen Zeiten wohl niemand träumen lassen. Nur F1-Boss Bernie Ecclestone war von Budapest immer schon als Austragungsort für die Königsklasse des Motorsports überzeugt. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus am Ende der 80er Jahre sagten viele F1 Beobachter: der erste GP hinter dem eisernen Vorhang war der Anfang vom Ende für den Kommunismus...

1986, in der Endphase des Stacheldraht-Kommunismus, war die Austragung eines Formel 1 Rennens in einem Land im Einflussgebiet der UDSSR eine heikle Angelegenheit. Aber die Verantwortlichen in Budapest, die den Kommunismus niemals so streng auslegten wie etwa ihre ostdeutschen Brüder, fanden Gefallen an der Idee. Die Idee hatte der BBB (Big Boss Bernie), als sich sein Plan von einem Formel-1-Rennen rund um den Kreml in Moskau nicht realisieren liess. Der erste GP im Ostblock auf der neu gebauten

Der GP Ungarn ist mittlerweile einer der traditionsreichsten
Der GP Ungarn ist mittlerweile einer der traditionsreichsten
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Strecke vor den Toren Budapests wurde zu einem gigantischen Erfolg. 200.000 Zuschauer pilgerten nach Mogyorod. Unter ihnen zahlreiche Ostdeutsche, die von den DDR-Behörden allerdings nur die Ausreise erhielten, wenn sie als Grund der Reise nicht das Formel 1 Rennen erwähnten. Dieses dekadente Schauspiel des Kapitalismus sollte nach dem Regime kein DDR-Bürger mit eigenen Augen zu sehen bekommen. Trotzdem liessen es sich die Motorsportfans aus Leipzig und Dresden nicht nehmen mit den letzten Litern ihres Zweitaktgebräus nach Budapest zu kommen, wo sie ihren Augen nicht trauten. „East meets West“, lautete das Motto des damaligen Zigarettensponsors West. Und der Formel 1 GP Ungarn wurde zum Symbol der Verständigung zwischen den politischen Systemen.

Das alles ist bereits lange unter den Teppich gekehrt und Vergangenheit, und der F1 GP Ungarn ist längst zum normalen Bestandteil des Rennsport-Kalenders geworden. Das Schöne daran: die Stadt an der Donau ist einer der schönsten Austragungsorte des Jahres geblieben und wahrscheinlich deshalb gehört der GP Ungarn für den F1-Zirkus zu einem der Lieblingsrennen der Saison.

Das liegt aber weniger an der Strecke, die eng und winkelig fast keine realen Überholmöglichkeiten bietet. Normalerweise ist es in Mogyorod heiss und staubtrocken. Die Piste ist entsprechend rutschig, viele vergleichen Mogyorod mit Monaco, nur eben ohne Leitplanken. Sollte es auch in diesem Jahr zu einer der ungarischen Hitzeschlachten kommen, werden die Pirelli Reifen erneut zum entscheidenden Faktor werden. Hatten die F1 Teams die Pirelli-Reifen in den letzten Rennen mehr oder weniger im Griff, so wird es

Button gilt als Budapest-Spezialist
Button gilt als Budapest-Spezialist
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in Ungarn unter Umständen wieder zum schwarzen Gummi-Roulette kommen, das in dieser Saison schon einige Male für überraschende Resultate gesorgt hat. Zumal nur gewagte Reifenstrategien es den Fahrern in Mogyorod ermöglichen, ihre Konkurrenten zu überholen.

In den letzten Jahren war der Hungaroring eine McLaren-Strecke. Deshalb kam das erfolgreiche update des McLaren in Hockenheim zur rechten Zeit. Jenson Button schien sich zum ersten Mal seit vielen Wochen wieder in seinem Wagen wohl zu fühlen und beendete den GP Deutschland als Zweiter. Button gilt als Budapest-Spezialist, der hier 2006 seinen ersten Sieg feierte und auch im Formel 1 Rennen 2011 gewinnen konnte. Aber auch sein McLaren Teamkollege Lewis Hamilton ist ein Budapest-Fan und hat hier schon gewonnen.

Ob die McLaren Piloten in Budapes die Ferrari Piloten schlagen können, bleibt jedoch abzuwarten. „Unser Wagen lässt sich mittlerweile auf alle Streckentypen hervorragend fahren“ schwärmte Alonso nach seinem brillanten Formel 1 Sieg in Hockenheim, und sieht sich für Budapest gut aufgestellt.

Am meisten unter Druck steht im F1 Rennen in Budapest Sebastian Vettel. Der Weltmeister hat aktuell nun 44 Punkte Rückstand auf den WM-Führer Alonso. In Hockenheim gelang es ihm nicht den Ferrari von Alonso ernsthaft anzugreifen und auch den wiedererstarkten Jenson Button im McLaren konnte er am Ende nur überholen, indem er in der Spitzkehre von Hockenheim mit allen
Sebastian Vettel steht am meisten unter Druck in Budapest
Sebastian Vettel steht am meisten unter Druck in Budapest
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vier Rädern ausserhalb der Streckenbegrenzung fuhr. Die folgende 20 Sekunden Zeitstrafe kostete ihn am Ende dann den Podiumsplatz und setzte anstatt Red Bull den Lotus von Kimi Räikkönen auf P3.

Man erwartet deshalb, dass in Budapest schon eine Vorentscheidung fallen wird, wie sich die Chancen Vettels entwickeln, seinen WM-Titel in diesem Jahr zu verteidigen. Eines ist allerdings schon vor der Sommerpause klar: so unvorhersehbar und ausgeglichen die F1 Rennen zu Beginn der Saison auch waren, zur Halbzeit der Weltmeisterschaft ist nur einer als Favorit übrig geblieben: Fernando Alonso!

Lukas Gorys

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