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Immer wieder treffen die auf der Insel lebenden Nager auf die F1-Wagen
© Lukas Gorys | Zoom

Formel 1 GP Kanada 2012 Gorys: Shopping, Biber, Champions-Mauern zum F1 Rennen in Montreal

(Speed-Magazin.de / Lukas Gorys) Manche Formel 1 Rennstrecken liegen am Rand grosser Städte (wie z.B. Melbourne), andere in einem Sumpfgebiet (wie Shanghai) oder mitten in der Wüste (Bahrain). Aber nur eine Formel 1 Rennstrecke liegt auf einer Insel vor einer der schönsten Städte der Welt: Der Circuit Gilles Villeneuve in Montreal/Kanada. 

Circuit Gilles Villeneuve ist einer der spektakulärsten des F1-Kalende
Circuit Gilles Villeneuve ist einer der spektakulärsten des F1-Kalende
© Lukas Gorys
Die Formel 1 Leute lieben Montreal. Die franko-kanadische Weltstadt ist ein Shoppingparadies. In den Tagen vor dem F1 Rennen trifft man in den zahllosen Boutiquen und Shopping-Malls der Rue Ste Catherine Teammitglieder, Journalisten und selbst Rennfahrer, die ihre Kreditkarten glühen lassen und aufgrund günstiger Preise die Läden leer kaufen. Ab Donnerstag vor dem Formel1 wird die Innenstadt dann zu einer grossen Partyzone. Die Einwohner von Montreal und ihre Besucher feiern am Wochenende des Grand Prix in Bars und Diskotheken traditionell ihre besten und längsten Partys des Jahres.

Auch an der Formula One Rennstrecke ist ab Freitag der Teufel los. Volle Tribünen schon zum ersten Training, Jubel um jeden Fahrer (vor allem Ferrari!) - die kanadischen Fans gehören weltweit zum fachkundigsten und emotionalsten Publikum der Formel1.

Noch heute ziert ein Schriftzug Salut Gilles die Piste für Villeneuve
Noch heute ziert ein Schriftzug Salut Gilles die Piste für Villeneuve
© Lukas Gorys
Ausgelöst hat diese Begeisterung vor 35 Jahren der kanadische F1-Pilot Gilles Villeneuve, nach dem der Kurs benannt ist. Villeneuve wird in Montreal, wo er 1978 sein erstes Rennen gewann, verehrt und noch heute ziert ein Schriftzug „Salut Gilles“ die Piste im Bereich von Start/Ziel.

Der Circuit Gilles Villeneuve ist einer der spektakulärsten des kompletten Formel-1-Kalenders. Eigentlich sieht die durch eine grüne Parklandschaft mitten im St. Lorenz-Strom führende Strecke einfach aus: ein paar Gerade, eine Haarnadelkurve und eine Handvoll enger Kurven. Aber der durch Leitplanken und Mauern ähnlich einem Eiskanal eingefasste Kurs hat es in sich! Hohe Geschwindigkeiten auf den Geraden bringen die Motoren an die Grenzen ihrer Belastbarkeit und die Bremszonen fordern die Bremsen stärker als jede andere Strecke. Die Inselpiste mit Blick auf die Skyline von Montreal stresst das Material enorm und verleitet die F1-Piloten zu Fahrfehlern. Jedes Jahr führen Unfälle und kuriose Zwischenfälle (wie zum Beispiel auf die Piste geschaufelte Grasnabenstücke) zu zahlreichen Einsätzen des Safetycars. Im Vorjahr war sintflutartiger Regen dafür verantwortlich, dass das Rennen für zwei Stunden unterbrochen wurde. Insgesamt kam es 2011 zu fünf Safetycar-Phasen und Sieger Jenson Button wurde erst nach insgesamt 4:04 Stunden im McLaren-Mercedes abgewunken!

In Montreal hat die Formel 1 schon alles erlebt. Am kuriosesten sind die Begegnungen mit Bibern! Immer wieder treffen die auf der Insel lebenden Nager auf die F1-Wagen. Mika Häkkinen überfuhr Mitte der 90er Jahre mal einen und ruinierte sich dabei den Frontspoiler. Niki Lauda versaute sich in 1982 seine beste Qualifyingrunde wegen eines Bibers, aber sein Teamchef Ron Dennis glaubte ihm nicht, bis er am nächsten Tag das Foto von Lauda und dem kleinen Zahnmonster in der Zeitung sah! Und auch Sebastian Vettel hat schon einem der pelzigen Insel-Bewohner Auge in Auge gegenübergestanden.

Im Vorjahr machte auch Vettel Bekanntschaft mit der Wall of Champions
Im Vorjahr machte auch Vettel Bekanntschaft mit der Wall of Champions
© Lukas Gorys
Berüchtigt ist auf der Ile Notre Dame die letzte Kurve vor Start und Ziel. Bei ihr muss von 335 km/h heruntergebremst werden. An ihrem Ausgang wartet eine Mauer und hier sind in den vergangenen Jahren schon viele F1-Fahrer gecrasht, weshalb die Mauer „Wall of Champions“ genannt wird. Im Vorjahr erwischte es Sebastian Vettel, früher krachten hier Michael Schumacher, Damon Hill und Jacques Villeneuve in den Beton. Aber auch Nick Heidfeld und viele andere der Formel-1-Piloten machten mit der Begrenzungsmauer Bekanntschaft, auf der sinnigerweise „Willkommen in Quebec“ geschrieben steht.

In schlechter und guter Erinnerung hat das Sauber F1-Team die Piste von Montreal: Der Pole Robert Kubica (mittlerweile seit seinem Rallyeunfall Anfang 2011 fahruntüchtig) sorgte 2007 mit seinem BMW-Sauber für den brutalsten Crash und landete im Krankenhaus. Des einen Freud, des anderen Leid: Wegen Kubicas Unfall durfte beim folgenden Rennen in Indianapolis BMW-Sauber-Testfahrer Sebastian Vettel einspringen und die grosse Karriere des jungen Deutschen begann. Ein Jahr später holte sich derselbe Robert Kubica in seinem BMW-F1 Sauber Boliden in Montreal den einzigen Sieg seiner Formel-1-Karriere.

2011 hat Vettel im Red Bull wegen eines Fehlers in der letzten Runde hier den sicheren Sieg weggeschmissen. McLaren-Pilot Jenson Button bedankte sich artig und gewann. McLaren ist traditionell schnell in Montreal. Auch Lewis Hamilton hat 2007 und 2010 schon zweimal hier gewonnen (und wäre ein guter Tip für den siebten Sieger im siebten Rennen der Saison 2012!). Ebenfalls in der Regel gut unterwegs sind auf der Piste ihres ehemaligen Starpiloten Gilles Villeneuve die Ferraris. Michael Schumacher erklärte in Monaco, dass dem Mercedes neben Monaco auch der Kurs von Montreal gut liegen müsste. In Monaco hatte Schumi mit seiner Prognose recht und stellte seinen Wagen erstmals seit seinem Comeback 2010 auf die Pole Position. Vielleicht gelingt ihm in Montreal, wo er im Vorjahr während des Rennens zwischenzeitlich auf Platz zwei liegend, ein ähnlich guter Coup. Die Chance ist auf jeden Fall gegeben. Solange ihn weder die Wall of Champions, noch die Biber oder gar das Wetter daran hindern...

Lukas Gorys

Kanada - Montreal: News & Ergebnisse