In Brasilien endet die erfolgreichste Ära der Formel 1
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Formel 1 GP Brasilien Vorschau: Die letzte Startaufstellung der alten Formel-1 in Sao Paulo

(Speed-Magazin / Lukas Gorys / Formel 1 GP Live aus Sao Paulo) In Brasilien geht am Grand-Prix-Wochenende nicht nur die Formel-1-Motoren-Ära zu Ende. Massa verlässt Ferrari, Vettels Red Bull Teamkollege Webber verlässt die F1, Maldonado verlässt Williams, Ricciardo wird als neuer Vettel Teamkollege von Toro Rosso zu Red Bull wechseln, di Resta ist bei Force India überflüssig und Vodafone steigt bei McLaren aus. Speed-Magazin F1 Experte Gorys erklärt hier nicht nur die neuen F1 Motoren wie sonst keiner - sondern auch die Faszination, die von der Königsklasse ausgeht...

Lukas Gorys: F1 GP Brasilien 2013: Abschied von einem treuen Freund

Den Formel-1 Grand Prix Brasilien werden in diesem Jahr viele F1 Fans mit Wehmut verfolgen. Zum letzten Mal hören wir bei einem Formel1-Rennen die V8 Saugmotoren singen, deren Klang die Königsklasse seit 1989 geprägt hat. Damit endet die erfolgreichste Ära der Formel 1.

Als im Winter 1988/89 die Umstellung von Turbo- zu Saugmotoren kam (zunächst 3,5 Liter - 12 Zylinder), warnte der damalige McLaren-Boss Ron Dennis alle "zum ersten Test dicke Ohrenstöpsel mitzubringen, denn der Sound ist unglaublich laut" - wie Dennis damals mit leuchtenden Augen sagte.

Einem 12 Zylinder-Motor mit 18000 U/min auf der Geraden zuzuhören war ein regelrechter Musikgenuss...

Renault hat Dank den 8 Siegen in Folge von Vettel die zweite Halbzeit der F1-Saison 2013 dominiert
Renault hat Dank den 8 Siegen in Folge von Vettel die zweite Halbzeit der F1-Saison 2013 dominiert
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...Es war sozusagen das mechanische Äquivalent zu einem von Herbert von Karajan dirigierten klassischen Konzert! Im Laufe der Formel-1-Jahre wurden die Saugmotoren kleiner. Zunächst setzten sich verbrauchsärmere 10 Zylinder durch, später kam es zur Abrüstung auf 3 Liter Hubraum und 8 Zylinder. Am Ende einigten sich die F1 Teams aus finanziellen Gründen auf 8 Zylinder mit 2,4 Liter Hubraum, und mit auf 18000 U/min begrenzten Drehzahlen. Was übrig blieb war der wunderbare Sound. Haben Sie jemals life erlebt, wenn 22 Formel1-Boliden zur Startaufstellung rollen und mit Vollgas-Stössen die Reifen anwärmen? Der Lärm ist urweltlich - vielleicht wie das Gebrüll von Dinosauriern oder anderen Monstern war, die ihre Wut in die Welt brüllen.

Die echten Formel 1 Fans wissen dass die Entwicklung der Motoren vor Jahren eingefroren wurde...

... und dass die F1-Triebwerke schon deshalb nicht mehr dem modernsten Stand der Automobiltechnik entsprechen. Aus energie-effizienten Gründen werden die PKW Motoren seit Jahren abgespeckt ("downsized"). Die Motoren werden mit Turboladern aufgeblasen und holen die Power aus erstaunlich geringen Hubräumen. Insofern war es nur logisch, dass die FIA die Motor-Regeln geändert hat.

Die Formel 1 ist die Königsklasse des Rennsports, der Trendsetter im Hinblick auf HighTech Entwicklungen

Technischer Wahnsinn und high-tech Entwicklungen jenseits des eigentlich Möglichen - das sind die charakteristischen Gene der Formel 1. Und insofern kann man sich sicherlich auf faszinierend neue Motoren freuen. Die Erwartungen der Formel-1-Experten genauso wie der Formel-1-Fahrer sind entsprechend hoch. Erwartet werden u.a. ca. 200 PS aus verschiedenen Energie-Rückgewinnungs-Systemen, die dem neuen Motor zur Verfügung stehen werden. Es sollen wahre Drehmoment-Monster werden, die den Technikern des königlichen Reifenlieferanten Pirelli schon jetzt die Schweissperlen auf die Stirn treiben. Das Turboloch wird durch die ERS-Systeme ausgeglichen, hinzu kommt eine Begrenzung des Benzin-Tanks auf 100 kg, was einer Reduktion von rund 40 % entspricht. Sollten die neuen Motoren ähnliche Leistungen erreichen wie die jetzt nur noch in Sao Paulo eingesetzten Saug-V8, wird es eine gigantische entwicklungstechnische Leistung der Formel-1-Ingenieure.

In Brasilien geht nicht nur die Formel-1-Motoren-Ära zu Ende: Mark Webber verlässt die F1
In Brasilien geht nicht nur die Formel-1-Motoren-Ära zu Ende: Mark Webber verlässt die F1
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Technische Neuerungen interessieren den Motorsport-Fan auf der Tribüne nur am Rande...

... Jedenfalls bekommt man im Laufe der Jahre so den Eindruck. Einige Texaner am Streckenrand des Circuit-of-the-Americas in Austin sprachen am vergangenen Formel-1-Wochenende bewundernd vor allem "vom unglaublichen Lärm der F1-Motoren". Ist die Faszination der F1 also doch viel simpler als gedacht? Urweltlicher Lärm, brüllend schnelle und unendlich teure Rennwagen, dazu die als die besten Rennwagen-Fahrer der Welt geltenden Piloten (klammern wir mal die aktuell über-repräsentierten Gelddruckmaschinen wie Maldonado, Gutierrez oder Perez etc. aus). Diese einfache Mischung ist auch für die F1-Neulinge faszinierend.

In Sao Paulo werden die V8 zum letzten Mal den brasilianischen Formel-1-Fans die Ohren durchblasen!

Und aller Voraussicht nach wird auch dieses letzte F1 Rennen der Saugmotoren wieder ein von Renault angetriebener Bolide gewinnen. Der französische Motoren-Hersteller Renault hat Dank den 8 Siegen in Folge von Sebastian Vettel die zweite Halbzeit der F1-Saison 2013 dominiert. Drei F1 Rennen 2013 hat Mercedes gewonnen, zwei Ferrari, aber alle anderen Siege gingen an Renault, oder sagen wir besser: Einer ging an Kimi Raikkönen, 12 an Sebastian Vettel...

In Brasilien geht aber nicht nur die Formel-1-Motorenära zu Ende. Auch der Brasilianer Felipe Massa nimmt nach 8 Jahren seinen Abschied bei der Scuderia Ferrari, Vettel Red Bull Teamkollege Mark Webber verlässt die F1 nach 12 Jahren, Pastor Maldonado verlässt Williams, Daniel Ricciardo wird als neuer Vettel Teamkollege von Toro Rosso zu Red Bull wechseln, Paul di Resta ist bei Force India überflüssig und eines der weltgrössten Telefonunternehmen (Vodafone) steigt als Hauptsponsor bei McLaren aus.

Ein anderer Abschied macht vor allem Red Bull Ingenieurs-Genie Adrian Newey Kummer...

... es sind die Auspuffgase, die in den vergangenen Jahren seitlich vor den Hinterreifen des Red Bull austraten und dort kunstvoll, genial oder je nach F1 Team auch stümperhaft zur Erzeugung von Anpressdruck eingesetzt wurden. Bei den Turbomotoren werden die Auspuffgase in der Mitte oberhalb des Triebwerks austreten und den Red Bull-Vorteil in diesem Bereich schlichtweg zunichte machen.

Im Fahrerlager verschärft sich der letzte Kampf um die noch wenigen freien Cockpits

Felipe Massa nimmt nach 8 Jahren seinen Abschied bei der Scuderia Ferrari
Felipe Massa nimmt nach 8 Jahren seinen Abschied bei der Scuderia Ferrari
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Bei der Cockpit-Frage ist eine der wichtigsten Faktoren wer tatsächlich Geld dabei hat. Pastor Maldonado wähnt sich zur Zeit beim Lotus F1 Team ziemlich sicher, weil sein Sponsor loyal die Millionen ausschüttet. Aber bei den anderen F1 Piloten mehren sich die Fragezeichen hinter ihren Millionen: Wieviel Geld hat Sergio Perez wirklich? Was war der echte Rauswurf-Grund von McLaren, wirklich nur die Performance? Oder floss zu wenig Geld aus Mexiko? Im letzten Formel-1-Rennen in Austin trat der mexikanische Milliardär Carlos Slim jedenfalls wie üblich als grosser Gönner auf und stand bei McLaren und Sauber im Mittelpunkt der Festivitäten.

Mittlerweile sind aber auch Formel-1-Teams vorsichtig geworden und lassen sich nicht mehr nur von Sponsor-Ankündigungen und Forbes-Listen von Milliardären blenden. Entscheidend ist cash, bzw. was jeden Monat ganz profan auf ihre Konten überwiesen wird... Die "guten alten Zeiten" in der Formel 1, als man Vereinbarungen per Handschlag besiegelte und verbale Versprechen einhielt, scheinen jedenfalls endgültig vorbei.

Insofern ist noch gar nicht mal so sicher, ob der Mexikaner Sergio Perez ein gutes Formel-1-Cockpit für 2014 finden wird.

Lukas Gorys

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