Anzeige

Mercedes-Pilot Nico Rosberg gewann den GP Monaco
© mspb | Zoom

Formel 1: F1 Teams bemängeln Mercedes Pirelli Reifentest - FIA prüft auch Ferrari Reifentest

(Speed-Magazin.de / Lukas Gorys / F1 2013 - Teil 1 von 2) Der über 1000km lange Test mit den Pirelli Reifen, den Ferrari und das Mercedes AMG Formel-1 Team nach dem Formel1-GP von Barcelona durchführte, könnte unabsehbare Folgen für Mercedes und für den Reifenhersteller Pirelli haben. Es scheint so, als ob die Aussagen von Niki Lauda und Toto Wolff, die beim F1 GP Monaco ins Kreuzfeuer wegen dem Reifentest kamen, nicht ganz der Realität entsprechen. Dass auch die Scuderia Ferrari mit Pirelli Reifen in Barcelona getestet hat, scheint die Gemüter in der Königsklasse weniger aufzuregen. Warum das so ist, erklärt Speed-Magazin Autor und F1 Fotograf Lukas Gorys.

Manchmal traut man seinen Ohren nicht wenn man eine Nachricht hört. So ging es den meisten Beobachtern beim Formel-1-GP in Monaco: Mercedes hat nach dem GP Spanien drei Tage mit einem aktuellen F1-Boliden in Barcelona einen Geheimtest mit Pirelli Reifen absolviert. 1000 km mit Mercedes Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg am Steuer! Diese Nachricht liess im Fahrerlager am Sonntag Vormittag sofort Erinnerungen wach werden an jenen Formel 1 Skandal von 2007, der mit einer Email zwischen dem damaligen Ferrari-Chefmechaniker Nigel Stepney und McLaren-Konstrukteur Mike Coughlan begann: „Schau mal, was wir da mit den Bremsen ausprobiert haben. Das könnte für Euch auch interessant sein!“ Kleine Ursache mit sehr grosser Wirkung, denn am Ende zahlte McLaren 100 Millionen Dollar Strafe und wurde für die laufende Formel1-Saison 2007 aus der Konstrukteurs-WM ausgeschlossen.

Die Mercedes-Pirelli-Affäre, die den Formel-1-Sieg von Nico Rosberg im GP Monaco komplett überschattete, ist allerdings noch komplexer und verwirrender als die McLaren-Spionage Geschichte von 2007. Denn die Beteiligten haben sich in einem Spinnennetz von offensichtlich unklar und widersprüchlich formulierten Paragraphen und Vereinbarungen verfangen. Zumindest behaupten sie das. Gekrönt wird die Affäre von einer zumindest suboptimalen Öffentlichkeitsarbeit der beteiligten Konzerne Pirelli und Mercedes.

Mercedes hat in Barcelona einen Geheimtest mit Pirelli Reifen absolviert
Mercedes hat in Barcelona einen Geheimtest mit Pirelli Reifen absolviert
© mspb / Lukas Gorys
Seit Monaten lamentiert der Reifenhersteller Pirelli in aller Öffentlichkeit und auch auf den FIA-Pressekonferenzen, dass es ein Riesenproblem für die Reifen-Entwicklung ist, mit einem drei Jahre alten ehemaligen Renault-F1-Boliden testen zu müssen und keine aktuellen Fahrzeuge zur Verfügung zu haben. Die Möglichkeit der 1000km-Tests mit einzelnen Teams ist bei diesen Pressekonferenzen niemals angesprochen oder erläutert worden. Sie schwebt offenbar als Paragraph in den Verträgen zwischen Pirelli und der Formel1-Gesellschaft FOM bzw. in irgendwelchen Reglements-Texten der FIA.

FIA bestätigt, dass Reifen-Test möglich ist
Die FIA hat mittlerweile klargestellt, dass für so einen aus Sicherheitsgründen offenbar möglichen Reifen-Test alle Formel-1-Teams informiert bzw. eingeladen werden müssen. Dies ist bei dem Reifentest von Ferrari und Mercedes mit Pirelli offensichtlich nicht geschehen. Das für mich Erstaunliche dabei ist, dass Red Bull zuvor angeblich zu einem derartigen Test (nicht zu dem jetzt mit Mercedes und Ferrari durchgeführten vom 15 bis 17. Mai 2013) eingeladen wurde. Red Bull F1 lehnte das Angebot aber ab, weil man bei dem österreichischen Energydrink-Hersteller davon ausging, dass so ein Reifentest illegal ist.

Ferrari und Mercedes AMG F1 hatten diese Skrupel anscheinend nicht und akzeptierten das Pirelli-Angebot. Während aber Ferrari keinen aktuellen Formel-1-Boliden zum Reifentest stellte, hat Mercedes den F1-Boliden 2013 gebracht. Mittlerweile schützt sich Pirelli mit der Behauptung, dass man niemals den Einsatz eines aktuellen 2013er Formel-1-Boliden angefordert hat - der ist von Mercedes schlicht und einfach zu dem Reifentest zur Verfügung gestellt worden. Das ist der Moment, wo der Schwarze Peter hin- und hergeschoben wird …

Dass überhaupt erst der Eindruck entstehen konnte der 1000km Reifen-Test ist etwas Verbotenes bzw. Illegales, haben sich meines Erachtens nach Pirelli und Mercedes selbst zuzuschreiben. Normalerweise geben sowohl der Reifenhersteller Pirelli als auch das Mercedes F1 Team über jedes noch so unwichtige Ereignis Presseklärungen, Bildergalerien, Videofeeds und Twitter-Statements heraus. Nur dieses Mal herrschte auf allen Kanälen absolute Funkstille! Und darüberhinaus wurde ein zufällig in Montmelo anwesender Formel-1-Fan, der sogar von Ferrari und Mercedes während des Reifentests je ein Foto schiessen konnte, vom Sicherheitspersonal des Tracks weg-komplementiert.

Lesen Sie den Teil 2 des Insider-Berichts von Lukas Gorys zum Mercedes Pirelli Reifentest HIER im Speed-Magazin! 

-----------

Speed-Magazin berichtete über den Ferrari-Pirelli Reifentest HIER

Lukas Gorys

Monaco - Monte Carlo: News & Ergebnisse