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Ehemaliger Rennleiter von Mercedes: Rudolf Caracciola
© SID | Zoom

Das SID-Kalenderblatt am 28. September: Rudolf Caracciola stirbt im Alter von 58 Jahren

In seiner Geburtsstadt Remagen schaut Rudolf Caracciola bis heute auf den Rhein. In Stein gehauen steht sein Denkmal auf einer grünen Wiese, und für jeden, der mit diesem Namen nichts mehr anzufangen weiß, gibt es eine Inschrift. Alfred Neubauer, legendärer Rennleiter von Mercedes, wird da zitiert: "Von allen Rennfahrern der ganzen Welt ist Rudolf Caracciola der Größte gewesen."

Und Neubauer hatte mit Legenden gearbeitet, mit Juan-Manuel Fangio und Stirling Moss etwa. Doch "Karratsch" ragte heraus. Mit seinen Erfolgen begründete er die Ära der Silberpfeile, holte in den 1930er-Jahren dreimal den EM-Titel - in einer Zeit lange vor der Formel 1 so etwas wie die Königsklasse. Caracciola konnte es nicht nur auf der Rundstrecke, als erster Nicht-Italiener gewann er die legendäre Mille Miglia und zudem dreimal die europäische Bergmeisterschaft.
 
Um den Rennfahrer Caracciola und sein Vermächtnis zu beschreiben, genügt aber eigentlich dieses eine Rennen. 11. Juli 1926, der erste Große Preis von Deutschland auf der rasend schnellen Avus in Berlin. Der damals weitgehend unbekannte Caracciola, er hatte zuvor als Verkäufer für Daimler-Benz gearbeitet, bewies zunächst Verhandlungsgeschick: Obwohl Mercedes als Werk nicht am Start war, bekam der 25-Jährige einen Sportwagen aus Stuttgart.
 
Das bis dahin wichtigste Rennen seiner Laufbahn begann - und dann starb gleich am Start der Motor ab. Sein Mechaniker musste anschieben, irgendwann sprang der Wagen an, und Caracciola fuhr dem 44-köpfigen Feld hinterher.
 
Es folgte ein intensives Regenrennen, ein tödliches Spektakel mit zahlreichen Unfällen, zwei Offizielle kamen ums Leben. Irgendwann in dieser dreistündigen Hatz musste Caracciola erneut stoppen, eigenhändig eine Zündkerze tauschen. Er sprang wieder ins Cockpit, haderte mit den Zwischenfällen, raste weiter. Und wusste zunächst gar nicht, dass er dieses wilde Rennen gewonnen hatte, als er die Zielflagge sah.
 
Seine Karriere nahm in der Folge Fahrt auf, Caracciola wurde zum erfolgreichsten Rennfahrer vor dem Zweiten Weltkrieg und trug sich ein in die Geschichtsbücher des Motorsports. Im Alter von nur 58 Jahren starb Caracciola am 28. September 1959 an den Folgen einer Leberzirrhose. Viel später, zu seinem 100. Geburtstag im Jahr 2001, wurde in Remagen am Rhein sein Denkmal enthüllt.
 

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