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Jim Clark (unten) kollidierte mit von Trips in Monza
© SID | Zoom

Das SID-Kalenderblatt am 10. September: Wolfgang von Trips stirbt in Monza

Er war ein Frauenschwarm par excellence, Sohn aus gutem Haus mit perfekten Manieren, Adelsspross, Landwirt, Lebemann und einer der besten Formel-1-Fahrer seiner Zeit: Am 10. September 1961 in Monza flog Wolfgang Graf Berghe von Trips auf dem Weg zum WM-Titel kurz vor der berüchtigten Parabolica in den Tod.

Sein tobender Ferrari reißt an jenem schicksalhaften Tag in Monza 15 Menschen mit ins Verderben. Trips ist im Anflug zur Parabolica vom Gas gegangen, der seitlich hinter ihm fahrende Jim Clark kann nicht mehr reagieren, sein Lotus touchiert den linken Hinterreifen von Trips' Auto.
 
Wie ein Jet hebt der Ferrari mit der Startnummer 4 nach links ab, schleudert die Böschung hinauf, erfasst die Menschen hinter dem Zaun, überschlägt sich mehrfach und kracht zurück auf den Asphalt. Zerstörerische Kräfte reißen den Fahrer aus dem Cockpit, eine leblose Puppe, die mit zerschmettertem Genick in dem Inferno liegenbleibt. Wolfgang Alexander Reichsgraf Berghe von Trips ist längst tot, als die Rettungskräfte eintreffen. Er stirbt auf den Tag genau fünf Jahre, nachdem ihn der legendäre Enzo Ferrari nach Maranello geholt hat.
 
Trips war in der Szene ausgesprochen beliebt, er war offen, freundlich, stets fair. Aber er war auch ein Haudrauf, ein Rennfahrer durch und durch, der zwar schon mal den Gegner, aber nicht sein eigenes Auto und sich selbst schonte, "Count Crash" nannten sie ihn deshalb. Enzo Ferrari zog ihn sogar ein paar Monate aus dem Verkehr, und Gräfin Tessa von Trips bat ihren einzigen Sohn in einem offenen Brief in der Welt am Sonntag, doch endlich mit diesem unsinnigen Rennsport aufzuhören. Vergeblich.
 
Als Wolfgang von Trips am 14. September 1961 in der Familiengruft auf Burg Hemmersbach beigesetzt wird, platzt Kerpen aus allen Nähten. Trauergäste aus der ganzen Welt sind in die kleine Gemeinde gekommen, um Abschied zu nehmen. "Not goodbye, just goodnight - Francesca" heißt es in einer der vielen Todesanzeigen, die in Zeitungen weltweit erscheinen.
 
Im Dezember 1961 nehmen die tief gebeugten Eltern Eduard und Tessa von Trips für ihren Sohn posthum die Auszeichnung als Sportler des Jahres entgegen. "In Morte Vita" steht unter dem Wappen derer von Trips. Im Tod ist das Leben.

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