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Bottas und Hamilton ließen Mercedes jubeln
© AFP/SID/TOSHIFUMI KITAMURA | Zoom

Das Formel-1-Reife(n)zeugnis des SID: Suzuka

Mercedes gedachte in der Stunde des Triumphs Niki Laudas, Ferrari hat weiter viel Arbeit vor sich.

Großer Preis von Japan 2019

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Suzuka (SID) - MERCEDES: Ehre, wem Ehre gebührt - im Falle von Mercedes galt die in Japan zuallererst Niki Lauda. Der im Mai verstorbenen Formel-1-Ikone war es nicht mehr vergönnt, den sechsten silbernen Konstrukteurstitel nacheinander mitzuerleben. Laudas Anteil am Erfolg konnten Toto Wolff, Lewis Hamilton und Co. aber gar nicht hoch genug einschätzen. "Das Kapperl fehlt uns sehr", sagte Motorsportchef Wolff. Seit 2014 und dem Beginn der Hybrid-Ära ist Mercedes das Maß der Dinge in der Formel 1 - auch dank Lauda, der als Team-Aufsichtsrat die Erfolge mitgestaltet hat. Der Titel 2019 ist das Ergebnis von Konstanz und Perfektion in vielen Bereichen. Über weite Phasen der Saison hatte Mercedes das beste Auto und sammelte in dieser Phase fleißig Punkte. In Weltmeister Lewis Hamilton und dem in Suzuka siegreichen Finnen Valtteri Bottas hat Mercedes zudem eine Paarung, die bei aller natürlichen Rivalität funktioniert und mit Fairness voneinander profitiert. Aussetzer, wie sie etwa Ferrari in (un)schöner Regelmäßigkeit passieren, sind eine Seltenheit. Der Vorsprung ist zuletzt jedoch geschmolzen, mittlerweile hat Ferrari nicht nur auf den Geraden das bessere Paket, auch das wurde in Japan wieder deutlich. Das Jahr wird dennoch mit zwei Titeln für Mercedes enden, aller Voraussicht nach geht die Fahrer-WM wieder an Hamilton, da legte sich auch Sebastian Vettel fest. Spannend wird sein, wie es 2020 aussieht, wenn die Meisterschaft wieder bei Null beginnt.

SEBASTIAN VETTEL: "Lewis wird Weltmeister", sagte Vettel nach dem Rennen am Sonntag, was auch bedeutete, dass er es mit Ferrari wieder nicht wird. Das war auch vor Suzuka längst klar und keine Überraschung mehr, ebenso wenig wie Patzer des viermaligen Champions noch verwundern. Auf seiner Lieblingsstrecke vermasselte er den Start kolossal und verlor nach wenigen Metern die Pole Position, die er sich erst wenige Stunden zuvor erkämpft hatte. Zugute halten muss man Vettel jedoch folgendes: Den Fehler suchte er nur bei sich. Und: Im weiteren Verlauf fuhr der Heppenheimer ein gutes Rennen. In der Schlussphase wehrte er alle Überholversuche Hamiltons ab, zudem gelang ihm im Qualifying und im Rennen ein Punktsieg gegen Charles Leclerc.

CHARLES LECLERC: Vettels Teamkollege bei Ferrari war dem Routinier dieses Mal klar unterlegen. Übermotiviert und ungeschickt räumte der Monegasse Max Verstappen noch in der ersten Runde ab. Das Rennen war für beide gelaufen. Leclerc bleibt dennoch eines der größten Talente im Fahrerlager und wird aus dieser Erfahrung seine Lehren ziehen. Japan war ein Rückschlag, mehr nicht.

MAX VERSTAPPEN: Der Favorit der japanischen Fans war der junge Niederländer, genutzt hat es ihm beim Heimspiel des Red-Bull-Motorenlieferanten Honda nichts. Im Qualifying fehlte ihm die Power, dann folgte der Kontakt mit Leclerc. Verstappen vermeidet ein klares Bekenntnis zu Red Bull über die Saison 2020 hinaus. Seine Zufriedenheit wird in Suzuka nicht gestiegen sein.

HAGIBIS: Strahlender Sonnenschein und blauer Himmel: Wer am Sonntag die Bilder vom Suzuka Circuit sah, hatte sich fragen können, warum die Formel 1 so einen Aufriss um Supertaifun Hagibis gemacht hat. Das dritte Training war schließlich abgesagt, das Qualifying erstmals seit vier Jahren um einen Tag verlegt worden. Wer am Sonntag aber auch Bilder aus anderen Regionen Japans sah, der musste zu der Überzeugung kommen, dass die Entscheidung, am Samstag alle Motorsport-Aktivitäten abzusagen, nur eines war: alternativlos. Die Sicherheit steht über allem. Dass Suzuka und damit auch die Formel 1 von einem Monstersturm, der Menschenleben kostete, weitgehend verschont blieb, war nichts anderes als Glück.

SPRUCH DES WOCHENENDES: "Wir möchten Niki diesen Titel widmen, weil er von Anfang an ein so wichtiger Teil der Reise war" (Mercedes-Motorsportchef Wolff im Gedenken an den im Mai verstorbenen Team-Aufsichtsrat Lauda.)

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