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Das Bild des Tages in Spa: Wassermassen auf der Strecke
© AFP/SID/JOHN THYS | Zoom

Das Formel-1-Reife(n)zeugnis des SID: Spa

ARDENNENWETTER: Unbezwingbar an diesem Tag in Spa.

Spa-Francorchamps (SID) - ARDENNENWETTER: Unbezwingbar an diesem Tag in Spa. Berühmt-berüchtigt sind die Wetterkapriolen rund um den Großen Preis von Belgien seit jeher, da sollte man sich ein Kräftemessen gut überlegen. Die Rennleitung versuchte trotzdem alles, beugte sogar ihre eigenen Regeln, um am Abend noch fahren zu können. Und traf letztlich wohl eine Entscheidung, die zugleich richtig und falsch war: Ein Rennen war bei diesen Bedingungen zu gefährlich, der Abbruch dann eine weise Entscheidung. Aber drei Runden hinter dem Safety Car, bloß, um ein offizielles Ergebnis zu haben? Der WM-Lauf hätte wohl einfach abgesagt werden sollen.

MAX VERSTAPPEN/LEWIS HAMILTON: So nämlich blieben auch zwei enttäuschte Hauptdarsteller zurück. Max Verstappen wurde die Chance genommen, die WM-Führung zurückzuerobern, es gab ja nur die halbe Punktzahl: 12,5 für den Red-Bull-Star, 7,5 für Lewis Hamilton auf Rang drei. In einem normalen Rennen hätte Verstappen Spa bei dieser Konstellation als Spitzenreiter verlassen, so bleibt er vor seinem Heimrennen in Zandvoort der Jäger. Und Hamilton? Der sah sich um einen Angriff auf Verstappen gebracht: Schließlich hatte er keinerlei Möglichkeiten, sich vom dritten Platz zu verbessern. Und sah am Ende niedere Beweggründe für die Entscheidung der Rennleitung. "Das Geld hat gesprochen", sagte er. Die Formel 1 habe unbedingt ihr Rennen verbuchen wollen.

GEORGE RUSSELL: Dass George Russell auch am Ende eines echten Rennens auf dem Podest gestanden hätte, darf bezweifelt werden. Der Williams ist kein Auto für die Spitze, und über die Distanz wird das eher deutlich als auf einer schnellen Runde im Regen. Doch das englische Ausnahmetalent hätte dieses Rennen verdient gehabt nach dem sensationellen Qualifying und Startplatz zwei am Samstag. Er hätte es verdient gehabt, sich im Williams mit den Stars um Verstappen und Hamilton zu messen. So war sein erstes Podium in der Königsklasse am Ende keine sonderlich feierliche Angelegenheit. Doch Russell darf sich ja vermutlich trösten: Im kommenden Jahr, davon geht die ganze Formel 1 aus, steigt er zu Mercedes auf. Und fährt dann im gleichen Auto wie Hamilton.

SEBASTIAN VETTEL: Auch der Heppenheimer hätte an diesem Sonntag sportlich glänzen können. Platz fünf im Qualifying war im Aston Martin eines der wenigen Highlights dieser Saison, und in der bunt durchgemischten Startaufstellung wäre ihm im Regen wohl einiges zuzutrauen gewesen. Doch es sollte nicht sein, Vettel überzeugte in Spa dann auf anderem Terrain. Im Qualifying - und noch vor Lando Norris' heftigem Crash - forderte er vehement einen Abbruch wegen des starken Regens. Nach dem Unfall bremste er seinen Boliden dann neben dem Wrack des McLaren und fuhr erst weiter, als Norris ihm Entwarnung gegeben hatte. Und am Sonntagabend entschuldigte sich Vettel, wie die meisten anderen Piloten, glaubhaft bei den durchnässten Fans für diesen verlorenen Tag in den Ardennen.

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