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Nein, nicht Mercedes, sondern Max Verstappen im Red Bull holte sich den Jubiläums GP Silverstone-Sieg
© SID | Zoom

Das Formel-1-Reife(n)zeugnis des SID: Silverstone GP Jubiläum der F1

Ob Inside Story zu irgendeiner geheimen Absprache, oder ein Vorwurf eines vorsintflutlichen Denkens, ob eine Verteidigung zu einer (berechtigten) Kritik oder schlichtweg nur inside-Beziehungen zwischen den Formel-1 Teams und F1 Piloten vermedialisiert werden.... die Königsklasse des Motorsports liefert mal gewollt, mal ungewollt, immer wieder Stoff für Spekulationen, für Intrigen, für zerplatzte Träume und Hoffnungen. Am letzten Wochenende in Silverstone gab es endlich mal wieder Bewegung am Podium - eine Verschiebung der Mercedes Piloten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas auf P2 und P3. Dass die beiden da nicht so ganz glücklich ausgesehen haben wie der Sieger Max Verstappen am obersten Treppchen, ist verständlich. Nachfolgend ein paar reife Gedanken über die Formel 1 und ihre Piloten, zusammengestellt von der SID.

Formel 1 GP Silverstone II

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SEBASTIAN VETTEL

Allmählich wird die Luft dünn für den einstigen Ferrari-Hoffnungsträger. Vettels Aus zum Jahresende ist ohnehin besiegelt, doch wenn der Ex-Weltmeister so weitermacht, dürfte die stolze Scuderia versucht sein, die zerstörte Beziehung vorzeitig zu beenden. Dass der SF1000 kein Rennwagen für Siege ist, ist das eine - Vettels Fehler auf der Strecke und seine bockige bis destruktive Kommunikation sind allerdings eine Mischung, die den hochbezahlten Ex-Weltmeister den Job kosten könnten. Zumal sein Teamkollege Charles Leclerc in drei von fünf Rennen deutlich mehr aus dem SF1000 herausgeholt hat. Auch die Geduld von Teamchef Mattia Binotto scheint allmählich aufgebraucht. Vielleicht wäre eine baldige Trennung für beide Seiten ja eine Erlösung.

MAX VERSTAPPEN
Auf der Sonnenseite der Formel 1 steht der junge Niederländer. Nach dem Silverstone-Sieg ist Verstappen WM-Zweiter, angesichts der unglaublichen Überlegenheit von Mercedes eine kleine Sensation. Zwar wurde der Sieg des Red-Bull-Piloten beim Jubiläums-Grand-Prix begünstigt vom enormen Reifenverschleiß der beiden Mercedes-Boliden bei hohen Temperaturen, doch Verstappen zeigt längst die Qualitäten eines Champions: Speed, Konstanz, Kaltschnäuzigkeit, Entschlossenheit. Säße er in einem Mercedes, müsste sich Weltmeister Lewis Hamilton vermutlich ziemlich strecken.

LEWIS HAMILTON

So aber darf sich der Brite darauf einstellen, am Saisonende die meisten Siege in der Formel-1-Historie errungen zu haben und gemeinsam mit Michael Schumacher Rekordweltmeister zu sein. Vier Siege fehlen dem 35-Jährigen noch zum legendären Kerpener, in der WM hat er nach fünf Rennen satte 30 Punkte Vorsprung auf Verstappen. Auch wird sich Mercedes wieder erholen von der Niederlage in Silverstone. Zwar sind für das Barcelona-Rennen am kommenden Wochenende ebenfalls hochsommerliche Temperaturen angesagt, doch es stehen auch noch genug Termine mit zu erwartender gemäßigter Witterung auf dem Programm. Stichwort: Nürburgring im Oktober, von Sebastian Vettel "deutsches Sibirien" getauft. Unabhängig davon könnte bereits ein Streckenprofil mit weniger schnellen Kurven als in Silverstone dem Mercedes wieder Vorteile bringen - und stallintern ist kaum zu erwarten, dass der sechsmalige Weltmeister Hamilton von seinem Teamkollegen Valtteri Bottas ernsthaft bedroht wird.

NICO HÜLKENBERG

Ein bisschen hoffen durfte man ja. Startplatz drei im bärenstarken, wenn auch hochgradig umstrittenen Racing Point verhießen für die Corona-Vertretung des Mexikaners Sergio Perez einiges. So aber wartet der Emmericher auch nach 178 Grand-Prix-Starts noch auf sein erstes Podium, Hülkenberg baut seine wenig schmeichelhafte "Rekordmarke" immer weiter aus. Die Chance, dass er auch am kommenden Wochenende noch einmal Perez ersetzen darf, ist vage. Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass "Hülki" mit seinen Auftritten in Silverstone das Interesse mehrerer Rennställe geweckt hat. Sollte der stets etwas unter Wert geschlagene Hülkenberg 2021 keinen Stammplatz haben, wäre das ein Armutszeugnis für die Formel 1.

RACING POINT

Nicht nur wegen des erneuten COVID-19-Befundes bei Perez waren Racing Point die Schlagzeilen sicher. Die hochkomplexe Frage inwiefern die pink gefärbte Kopie des Weltmeister-Mercedes aus dem Vorjahr juristisch und auch ethisch (Stichwort: Ingenieursehre) statthaft ist, wird die Formel 1 wohl noch eine Weile beschäftigen. Die Drohkulisse einer Berufung gegen die vergleichsweise lasche Strafe des Weltverbandes FIA - wenn man denn von einem Vergehen ausgeht - steht jedenfalls. Alle Parteien wären gut beraten zu reflektieren, ob sie tatsächlich einen Nutzen in einer langwierigen Schlammschlacht vor dem FIA-Berufungsgericht sehen. Die Lösung des Problems kann ohnehin nur aus der Formel 1 selbst kommen: durch glasklare Regeln.

SPRÜCHE DES WOCHENENDES

"Wenn du illegal bist, kannst du nicht halb illegal sein."
(Haas-Teamchef Günther Steiner zur Kopier-Affäre um Racing Point)

"Ich gucke mal, ob ich es einrichten kann."
(Nico Hülkenberg bei Sky auf die Frage, ob er am kommenden Wochenende in Barcelona nochmal zum Einsatz kommt)

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