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Lewis Hamilton gewann das Rennen in Brasilien
© AFP/POOL/SID/LARS BARON | Zoom

Das Formel-1-Reife(n)zeugnis des SID: Sao Paulo

Vor einer Woche resignierte Lewis Hamilton angesichts der Pace von Red Bull. Am Samstag war er am Boden, am Sonntag der strahlende Rennsieger.

Mexiko-Stadt (SID) - LEWIS HAMILTON: Vor einer Woche in Mexiko resignierte der Rekordweltmeister angesichts der Pace von Red Bull, am Samstag nach seiner Versetzung auf den letzten Startplatz für den Sprint von Sao Paulo war er emotional am Boden - und am Sonntag war Hamilton der strahlende Renngewinner. 101 Formel-1-Siege hat der Brite nun errungen, den von Interlagos wird man zu den herausragenden zählen müssen. Was eine Frage aufwirft, die sich auch das gesamte Red-Bull-Team stellt: Woher kommt Hamiltons enormer Geschwindigkeitsvorteil auf den Geraden? Und wird er in den letzten drei Rennen anhalten?

MAX VERSTAPPEN: Der Niederländer stellte diese Fragen nicht, zumindest nicht öffentlich. Verstappen nahm es sportlich, dass er die scheinbar gute Ausgangsposition nicht nutzen konnte, um eine WM-Vorentscheidung zu schaffen. 19 Plätze vor Hamilton ging er in den Sprint, acht Plätze vor dem Rivalen ins Rennen - und doch musste der WM-Spitzenreiter seinen Verfolger letztlich ziehen lassen. 14 Punkte liegt der 24-Jährige immer noch vorn, unruhig schlafen muss er also nicht. Und vielleicht tauschen er und Hamilton in einer Woche in Katar schon wieder die Rollen. Es würde zu dieser Formel-1-Saison passen.

MERCEDES UND RED BULL: Bis zum Rennstart am Sonntag wurden die Geschichten an diesem Wochenende im Büro des Automobil-Weltverbandes FIA gemacht. Vertreter von Mercedes und Red Bull gaben sich die Klinke in die Hand. Mal wurden sie vorgeladen, mal suchten sie den direkten Weg zu den Stewards, um Verdächtigungen vorzubringen - vornehmlich auf Red Bull trifft Letzteres zu. Es wird immer schmutziger zwischen den Spitzenvertretern der WM-Anwärter. Red Bull wittert Betrug bei Mercedes (im Frühsommer war es genau andersherum), Mercedes fühlt sich durch die FIA benachteiligt. Bislang tragen diese Scharmützel zur Spannung und Unterhaltung bei, überstrapazieren sollten die Teams die Politik und das Gejammer aber nicht.

MICK SCHUMACHER UND SEBASTIAN VETTEL: Ja, die beiden Deutschen waren auch dabei in Sao Paulo - und erlebten jeweils ein Wochenende, das vielen in dieser Saison glich: Schumacher mühte sich redlich, hatte früh im Rennen einen leichten Kontakt, der ihn Zeit und letztlich auch den (angestammten) vorletzten Platz kostete. Vettel schnupperte an WM-Punkten, verfehlte diese aber um eine Position. Die gute Nachricht: Die Saison ist bald vorbei. 2022 werden die Karten mit neuem Reglement neu gemischt, so ist zumindest der Plan der Formel-1-Spitze. Bleibt aus Sicht von Vettel und Schumacher nur zu hoffen, dass sich ihr Blatt dann verbessert.

SPRÜCHE DES WOCHENENDES: "Ich hoffe, sie haben ein schönes Dinner und trinken viel Wein. Guten, teuren Wein. Das wäre schön." (Max Verstappen an die Adresse der Rennkommissare nach seiner Geldstrafe von 50.000 Euro. Der Niederländer hatte nach dem Qualifying seinen Heckflügel und den von Hamiltons Mercedes angefasst.)

"Mal sehen, ob noch mehr lustige Dinge passieren in den nächsten 30 Minuten. Ein Protest etwa." (Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff wenige Minuten nach Hamiltons Triumph)

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