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Feierte seinen 91. Grand-Prix-Sieg: Lewis Hamilton
© AFP/SID/INA FASSBENDER | Zoom

Das Formel-1-Reife(n)zeugnis des SID: Nürburgring

Es war nur noch eine Frage der Zeit, nun hat Lewis Hamilton durch seinen 91. Grand-Prix-Sieg den Rekord von Michael Schumacher eingestellt.

Nürburgring (SID) - LEWIS HAMILTON: Es war nur noch eine Frage der Zeit, nun hat Lewis Hamilton tatsächlich durch seinen 91. Grand-Prix-Sieg den Rekord von Michael Schumacher eingestellt. Dass es am Nürburgring passierte, kaum mehr als 100 Kilometer von Schumachers Heimat Kerpen entfernt, ist eine Geschichte der Kategorie "ausgerechnet". Hamilton, der die Bedeutung von Rekorden für sich persönlich gern herunterspielt, war baff und gerührt - auch von der Übergabe eines originalen Schumacher-Helms durch dessen Sohn Mick. Dass bald er allein der Pilot mit den meisten Siegen sein dürfte, muss auch Hamilton erst mal verarbeiten. Seine Rekordjagd kann noch ein paar Jahre anhalten, wenn er denn will. WM-Titel Nummer sieben ist dem Mercedes-Star seit Sonntag kaum noch zu nehmen. Auch in dieser Kategorie zieht er bald mit Spitzenreiter Schumacher gleich.

VALTTERI BOTTAS: Nichts geht mehr für den Finnen. Mit einem Sieg hätte Bottas den WM-Kampf noch einmal etwas spannender gestalten können, nun sind seine Chancen im Titelduell mit seinem Mercedes-Teamkollegen Hamilton angesichts von 69 Punkten Rückstand nur noch theoretisch. Zwar wurde Bottas Opfer seines defekten Antriebs, doch schon davor zeigte sich, was ihm für ganz oben fehlt: In Führung liegend leistete sich der 31-Jährige einen groben Fahrfehler, Hamilton schlüpfte vorbei. In umgekehrter Konstellation passiert so etwas fast nie.

SEBASTIAN VETTEL: Es war ein weiteres tristes Wochenende für den viermaligen Weltmeister. Platz elf im Heimrennen ist für den Ferrari-Piloten ernüchternd, vor ihm landeten unter anderem der schwer angezählte Haas-Pilot Romain Grosjean und Antonio Giovinazzi, der bei Alfa Romeo vor der Ablösung durch Mick Schumacher (siehe unten) steht. Auch Vettels Tage bei Ferrari sind bald gezählt, doch die Art und Weise seiner Abschiedstournee muss jedem Fan in der Seele weh tun. Der SF70 ist ein Desaster, ganz klar. Doch der Heppenheimer hat mit dem Projekt schon innerlich abgeschlossen und fährt auch entsprechend. Sechs Rennen müssen er und seine Sympathisanten noch durchhalten, dann beginnt für Vettel bei Aston Martin ein neues Kapitel - gewiss mit frischer Motivation. Nur muss man auch fragen dürfen, warum ein 53-maliger Grand-Prix-Sieger und einer der bestbezahlten Piloten im Feld eine Saison so emotionslos auslaufen lässt.

NICO HÜLKENBERG: Was die Motivation angeht, ist Nico Hülkenberg im Herbst 2020 das ziemliche Gegenteil von Sebastian Vettel. Der Emmericher zögerte nicht, als er am Samstagvormittag von Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer um überaus spontane Hilfe gebeten wurde. Hülkenberg sprang "aus der kalten Hose", wie er es treffend selbst beschrieb, ins Auto des erkrankten Lance Stroll. Eine undankbare Aufgabe, so ganz ohne Trainingssekunde. Doch Hülkenberg pfiff auf etwaige Imageschäden. Er wurde zwar Letzter im Qualifying, aber zeigte bereits da eine ansprechende Leistung. Im Rennen schließlich fand er sich von Runde zu Runde immer besser im Auto zurecht. Platz acht ist ein beeindruckendes Resultat. Dass der 33-Jährige dennoch weiter um ein Stammcockpit für 2021 zittern muss, ist ein Unding.

MICK SCHUMACHER: Sehr viel wahrscheinlicher ist es, dass Mick Schumacher im kommenden Jahr einen Platz in der Königsklasse hat - bei Alfa Romeo. Zu wenig Spielraum lassen die Andeutungen, die von den Entscheidungsträgern auch am Nürburgring gemacht wurden. Dass Schumacher sein Können im Freitagstraining wegen Nebels nicht zeigen durfte, dürfte ihm nicht geschadet haben. Seine Leistungen in den Nachwuchsklassen rechtfertigen mittlerweile eine Beförderung, auch ganz ohne seinen Nachnamen. Dieser würde ihn aber in der Formel 1 mehr denn je begleiten. Dem standzuhalten, wird eine ganz eigene Aufgabe. Dabei ist das rein Sportliche schon anspruchsvoll genug.

DANIEL RICCIARDO: Sein Wechsel zu Renault vor zwei gut Jahren war ein Rückschritt, das kann der Australier trotz eines Top-Gehalts nicht bestreiten. Bevor er 2021 bei McLaren auf mehr Erfolg hofft, kitzelt Ricciardo aber noch einmal alles raus. Sein dritter Rang am Nürburgring, der erste Podestplatz für das Renault-Werksteam seit dem Formel-1-Comeback 2016, ist der verdiente Lohn für seine Unnachgiebigkeit. Ricciardo ist einer der besten Fahrer im Feld, bei Red Bull weint man ihm längst mehr als eine Träne nach.

SPRUCH DES WOCHENENDES: "Nicht schlecht für einen Halbtagsarbeiter." (Nico Hülkenberg)

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