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Max Verstappen triumphiert in Saudi-Arabien
© AFP/SID/ANDREJ ISAKOVIC | Zoom

Das Formel-1-Reife(n)zeugnis des SID: Dschidda

Der Weltmeister ist zurück, sein größter Gegner kommt aus Monaco - und bei Mercedes muss man sich an neue Gegner gewöhnen.

Köln (SID) - MAX VERSTAPPEN: Der Weltmeister ist zurück. Entschlossen und schnell wie eh und je, durfte sich Verstappen beim zweiten Saisonrennen auch über einen standfesten Red Bull freuen. So erst konnte das Duell mit Charles Leclerc, im Gegensatz zur Vorwoche in Bahrain, bis zur Ziellinie ausgeweitet werden. Der 24-jährige Verstappen kennt den gleichaltrigen Leclerc schon seit Teenager-Tagen. Ihre Windschatten-Duelle in Dschidda trugen eine Spur von jugendlicher Freude am Rennfahren in sich, und beide wollen mehr davon. Nachschlag dürfte es bald geben.

CHARLES LECLERC: Der Monegasse nämlich scheint - zumindest in diesem frühen Stadium der Saison - der größte Gegner für Verstappen zu sein. Leclerc bringt sein großes Talent in einem wiedererstarkten Ferrari zum Strahlen, auch ist er kaum minder entschlossen und ehrgeizig als Verstappen. Zwei Faktoren werden entscheiden, ob ihr Verhältnis so gut bleibt. Erstens: Bleiben Ferrari und Red Bull auf ähnlichem Level an der Spitze? Zweitens: Wie lange können Verstappen und Leclerc ihre Duelle ohne großen Crash führen? Beim WM-Zweikampf Verstappens mit Lewis Hamilton dauerte es im Vorjahr nicht lange bis zur Eskalation.

LEWIS HAMILTON/MERCEDES: In diesem Jahr müssen sich Hamilton, siebenmaliger Fahrerweltmeister, und sein Mercedes-Team, achtmaliger Konstrukteursweltmeister, wohl an ein neues Umfeld gewöhnen. Die Silberpfeile sind nur die dritte Kraft im Moment, und das noch nicht mal unumstritten. Hamilton schlug sich am Sonntag mit Kevin Magnussen im Haas herum, der W13 von Mercedes hat auf allen Ebenen Mängel. Der harte Cut beim Formel-1-Reglement scheint das Team die Dauerrolle als Branchenprimus gekostet zu haben. Nun heißt es arbeiten. Angesichts des aktuellen Rückstands auf Red Bull und Ferrari müssen die Fortschritte aber schnell und revolutionär sein, um auf weitere WM-Titel in diesem Jahr hoffen zu können.

MICK SCHUMACHER: Gerne wäre Mick Schumacher am Sonntag gefahren. Nach seinem schweren Unfall im Qualifying, der Beobachtern den Atem stocken ließ, fühlte sich der 23-Jährige topfit. Sein Haas-Team wollte aber kein Risiko eingehen und den zerstörten Boliden unter immensem Aufwand über Nacht wieder aufbauen. Schumacher darf sich aber umso mehr auf das dritte Rennen in Australien am 10. April freuen: Haas war auch im zweiten Rennen konkurrenzfähig, Teamkollege Kevin Magnussen fuhr erneut in die Punkte. Das muss Schumacher allerdings auch bald gelingen.

NICO HÜLKENBERG: Der Vertreter von Sebastian Vettel (Corona) konnte gut gelaunt mit Max Verstappen in den Sieger-Flieger nach Monaco steigen. Der Ersatzmann für alle Fälle hat abgeliefert, auf unbekannter Strecke mit einem zickigen Aston Martin den Stammfahrer Lance Stroll geschlagen. Platz zwölf bedeutete erneut keine Punkte, doch an dem langen Blonden aus Emmerich lag das kaum. Aston Martin, das in vier Jahren den WM-Titel erringen will, hat offenbar beim Konzept des neuen Rennwagens gegenüber 2021 nochmal einen Schritt nach hinten gemacht. Das wiederum dürfte nicht zuletzt Vettel betrüben, der in zwei Wochen aller Voraussicht nach wieder im Cockpit sitzen wird.

SAUDI-ARABIEN und die FORMEL 1: Dass Saudi-Arabien die Formel 1 für viel Geld zwecks Imagepolitur ins Land geholt hat, ist hinlänglich bekannt. Beim zweiten Gastspiel war die PR-Kampagne allerdings kein Erfolg. Der Rebellenangriff auf ein Öllager in Streckennähe hat das Fahrerlager aufgeschreckt - auch wenn derartige Vorfälle im seit 2015 anhaltenden Konflikt mit dem Jemen offenbar zum Alltag gehören. Ja, durch die Anwesenheit der Formel 1 wurde auf ein Problem aufmerksam gemacht. Doch der Spitze der Königsklasse wurde auch klar, mit welchem Land man sich eingelassen hat: In Saudi-Arabien werden Menschen hingerichtet, findet wie selbstverständlich Unterdrückung statt, besteht die Gefahr von Attentaten - und in Dschidda wurde eine Nervenkitzel-Strecke gebaut, die von den Piloten längst als grenzwertig gefährlich eingestuft wurde. Der Formel-1-Tross will nach den Tagen am Roten Meer über einiges reden. Hoffentlich ist das keine Worthülse.

SPRUCH DES WOCHENENDES: "Gibt es überhaupt einen Punkt für diese Position?" (Formel-1-Rekordweltmeister Lewis Hamilton im Funk zu seinem Renningenieur. Der hatte ihn zuvor informiert, dass er den zehnten Rang belegt hat.)

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