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Auf dem ersten Blick hat die Formel E alles zu bieten was einen starken Trend ausmacht...
© Porsche | Zoom

Formel E: Zukunft oder vorübergehender Trend?

Seit September 2014 starten die E-Boliden weltweit auf verschiedenen Stadtstrecken. Zugelassen sind ausschliesslich elektrisch angetriebene Fahrzeuge, die dazu noch weitere Bedingungen erfüllen müssen. Das Rennen wurde von Jean Todt ins Leben gerufen, als wichtiger Promoter gilt Alejandro Agag, Inhaber des Unternehmens Formula E Holdings. Die FIA sitzt selbstverständlich federführend mit an Bord, damit erhält das Rennen seinen international respektablen Anstrich.

Auf dem ersten Blick hat die Formula E also alles zu bieten was einen starken Trend ausmacht: Sie wird von einer bekannten Institution getragen, hat prominente Fürsprecher und es sammeln sich immer mehr Profi-Rennsportler im Fahrerpool. Ausserdem setzt das Event auf eine Technik, die in Zukunft immer mehr Verbreitung finden soll: den Elektromotor. Allerdings reicht das alles zusammen nicht unbedingt aus, um in den nächsten Jahrzehnten eine feste Institution zu bilden.

2 wichtige Komponenten sind Marketing und Adaption

Den Fans derFormel E wird ziemliche Action geboten
Den Fans derFormel E wird ziemliche Action geboten ©BMW
Denn im Grossen und Ganzen ist es auch eine Frage der Adaption durch das Rennsport-Ökosystem, ob aus einem kurzfristigen Trend ein langfristiger Selbstläufer wird. Die Ausstrahlung im TV, ein funktionierendes Marketing, aber auch die Repräsentation bei den grossen Buchmachern dienen der dauerhaften Etablierung. Sollte es eines Tages so sein, dass die Formel E auf Plattformen wie Betano für Ergebniswetten und sogar für Live Wetten zur Verfügung steht, dann steht einer Mainstream-Relevanz nur noch wenig im Wege. Aktuell handelt es sich bei der Formel E aber zweifelsfrei noch um einen Paradiesvogel im Motorsport.

Die schillernde Aussenseiterrolle zeigt sich auch in den Auto-Designs, die der regulären Formel 1 regelrecht davongaloppieren. Ende 2020 gab es noch einmal ein "Face Lift", seitdem ist das markante Gen2-Chassis mit offenen Rädern und einer neuen Heck-Struktur versehen. Über der Motorabdeckung schraubt sich nun eine Art Haifisch-Flosse nach oben, während hinten ein wuchtiger Diffusor den notwendigen Anpressdruck liefert. An den Innenseiten der Hinterräder wurden zwei bügelartige Gebilde angebracht, die wie die Flosse einer ästhetischen Funktion dienen. 
Da der Mensch nun einmal ein "Augentier" ist, könnte das spektakuläre Outfit der Formel E einigen Auftrieb geben. Es gibt aber auch hier so etwas wie ein "too much", dann verliert das Rennsport-Event eher an Seriosität.

Wichtigste Erfolgsformel im Rennsport: Speed!

Weiterhin möchten die Fans natürlich nicht nur schöne, sondern auch schnelle Wagen sehen.
Aus der Formel 1 sind sie bereits maximal verwöhnt, dort lautete das Motto viele Jahre lang: je mehr Speed, desto besser. Im Jahr 2004 schaffte es Antonio Pizzonia zum Italien-GP mit seinem BMW auf satte 369,9 km/h. Der Rekord wurde im Jahr darauf im Mercedes gebrochen wurde, als es gelang im Training die 372-km/h-Marke zu knacken. Heute sind die Wagen auf knapp 360 km/h gedrosselt, was allerdings immer noch weit über der Geschwindigkeit der E-Boliden liegt. Diese dürfen höchstens 280 km/h schnell fahren, gegenüber der Gen1 bedeutet dies immerhin schon einen Zuschlag um 55 km/h.

Die Beschleunigung von 0 auf 100 liegt bei 2,8 Sekunden und die im Rennmodus verfügbare Leistung bei 200 kW bzw. 270 PS. Solche Daten sind alles andere als Schall und Rauch, sie spiegeln sich in der Rasanz auf dem Rennplatz wieder. Motorsportfreunde mögen es nun einmal besonders dynamisch und schnell, gerade weil sie es aus der Formel 1 und anderen Motorsport-Serien gewohnt sind.

Schneckenrennen hingegen waren noch nie sehr beliebt, sie lassen sich auch nicht besonders gut im Fernsehen oder Live-Streaming rüberbringen. Spannung und ein Hauch von Gefahr sollten im Rennzirkus immer mitgeliefert werden, sonst fühlt sich die Zielgruppe nicht angesprochen.

Technische Parameter wurden von Gen1 zu Gen2 angehoben

In der Formel E sehen wir derzeit, dass die Parameter von Saison zu Saison nach oben verschoben werden. Die PS-Zahl wurde ebenso angehoben wie die Höchstgeschwindigkeit und die maximale Energierückgewinnung, Gen2 steht technisch längst weit über Gen1. Die Werte der Formel 1 sind damit jedoch noch nicht erreicht und es wird wahrscheinlich noch Jahre dauern, bis es so weit ist. Ob der Hype um die E-Boliden so lange anhält, steht derzeit noch in den Sternen. Regelmässige technische Aufwertungen und prominente sympathische Gesichter hinter dem Steuer sind in diesem Sinne sicher förderlich. Setzt sich das E-Auto insgesamt in der Gesellschaft durch und wird der Verbrenner zur Ausschussware? Auch das spielt in die Entscheidung mit, ob der Formel E wirklich die Zukunft gehört.

Chi / Jo