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Tréluyer erreichte seinen 2. Sieg in Folge auf dem Circuit La Sarthe
© Audi | Zoom

24h von Le Mans: Benoit Treluyers - Die sieben Wunder von Le Mans

(Speed Magazin) Letzte Woche erreichte Benoît Tréluyer seinen zweiten Sieg in Folge auf dem Circuit La Sarthe und den Ersten für Hybrid Technologie. Mit dem Team von Audi gemeinsam Geschichte schreibend, erlebte das französische Ass wieder einmal tausende von Emotionen. Hier nur ein paar davon. Wie schwer ist es, die Emotionen auch nur ein gleines Bisschen mit Anderen zu teilen, die man erlebt, wenn man auf dem berühmten Podest von Le Mans steht, während sich unter Einem die Fans, die ebenfalls gegen die Nacht und die Müdigkeit angekämpft haben, zu Tausenden versammeln? Wenige Tage nach seinem zweiten Erfolg in Folge diskutierte der in Alençon geborene Fahrer einige der intimen Momente, die trotz zum Teil geringer Bedeutung zum zweiten Sieg von Benoît Tréluyer bei den 24 Stunden von Le Mans 2012 beigetragen haben. Hier sind sieben kleine Wunder aus seiner eigenen Erfahrung...

Die Rückkehr nach Le Mans
"Obwohl der testtag in Le Mans nicht Teil der Le Mans-Woche ist, so ist es für mich dennoch Teil des Events. Ich bin seit meinem Sieg im Jahre 2011 nicht mehr an der Strecke gewesen und habe beim passieren der Tore gezittert - vor Freude. Ich hoffe, das wird 2013 wieder passieren."

Vorsichtiges Herantasten

Benoit Treluyers im Audi R18 e-tron quattro #1
Benoit Treluyers im Audi R18 e-tron quattro #1
© Audi
"Ich war mir nicht ganz sicher, wie mich die Fans als amtierenden Sieger begrüssen würden und ich muss sagen, das macht einen riesen Unterschied aus. Vor meinem Sieg, war ich nur wenig bekannt unter den Motorsport-Fans. Dieses Mal kannten mich deutlich mehr. Niemals zuvor habe ich Fans meinen Namen singen hören. Ich strebe nicht nach Bekanntheit, ganz im Gegenteil. Allerdings mag ich den Kontakt zu Menschen, zu den Fans. Fernsehauftritte sind nicht so mein Ding. Davon habe ich nie geträumt, aber es ist schön, eine solche Unterstützung zu erfahren. Diese Momente, so flüchtig sie auch sind, sind sehr wichtig."

Pole Position
"Dieses Jahr haben wir uns teamintern etwas anders organisiert. Ich war für das Basis-Setup verantwortlich, bevor André (Lotterer) als erster mit neuen Reifen unter besten Bedingungen auf die Strecke ging. Da er gut fuhr, entschieden wir, ihn seine Fahrt fortsetzen zu lassen. Letztes Jahr habe ich die Bestzeit erzielt, was dieses Jahr André unbedingt machen wollte. Er liebt Qualifyings, alles zu geben und so nahm alles seinen natürlichen Lauf. Marcel (Fässler) und ich hatten nie Bedenken, ausser vielleicht, als Loïc (Duval) begann, seine Zeiten zu verbessern. Er war sehr schnell und wir waren nicht auf den richtigen Reifen, sodass wir leicht besorgt waren. Ich weiss, was sie denken, nämlich dass ich jetzt der erste bin, der sagt, dass die Pole Position nicht wichtig ist. Allerdings ist es im Eifer des Gefechts immer verlockend, nach etwas zu streben, das in erreichbarer Nähe liegt. Wir sind dieser Versuchung erlegen!"

Die Nacht vor dem Kampf

Fässler, Lotterer und Tréluyer mit Miss 24h Le Mans
Fässler, Lotterer und Tréluyer mit Miss 24h Le Mans
© Audi
"Freitag Nacht, nach der Fahrerparade, sind wir alle im Hotel-Restaurant zusammengekommen; alle Audi-Fahrer mit ihren Frauen und Kindern. Das war ein wahrer Moment der Freundschaft und des Teilens. Für eine weile - wenn auch nur kurz - vergassen wir das Rennen und genossen die Entspannung. Doktor Ullrich war ebenfalls an einem Tisch ganz in der Nähe. Ich denke, er war glücklich, ´seine´ Fahrer spontan einen aufrichtigen Moment der Gemeinschaft teilen zu sehen. Das ist eine Philosophie, die seiner Vision des Racings entspricht und den Werten, die er seinem Team vermitteln möchte. Vielleicht ist das Trivial, jedoch war dies fü mich einer der stärksten Moment des 2012-er Events."

Die Startaufstellung
"Mechaniker, die die Autos schieben, das Gruppenfoto der Fahrer, die Autos in die Diagonale Position maneuvrieren und das nostalgische Ambiente all dieser Dinge, die letzte Umarmung, das letzte Treffen mit Kollegen aus anderen Teams und schliesslich die sich bildende Spannung, man kann es fühlen. Allein darüber zu sprechen verleit mir Gänsehaut."

Der Stint am Morgen
"Das war der Moment, in dem ich alles gegeben habe, was ich hatte! Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich die Anweisung meines alten Teamchefs Henri (Pescarolo) befolgt, das Auto in gutem Zustand zu meinen Teamkollegen zurückzubringen, ohne Risiken einzugehen. Zusätzlich dazu war die Reifenwahl während meines Nacht-Stints nicht optimal, was sich gegen Ende meines Stints negativ auf die Zeiten auswirkte. Als ich das Auto bestieg, war das definitiv der Moment des Angriffs. Letztes Jahr haben wir die gleiche Strategie verfolg, was definitiv die richtige war. Ich habe gepushed und gepushed. Als Allan (McNish) seinen Unfall hatte, fragte ich, ob ich ein wenig zu viel Attackiert hätte. Dann kam jedoch die Versicherung, dass Allan okay sei und der #2-Audi das Rennen fortsetzen konnte. Ich muss zugeben, dass ich erleichtert war, dass uns niemand mehr in der dann genossenen Führung bedrohen konnte."

Das Podium

Benoît Tréluyer und Marcel Fässler beim 24h Rennen Le Mans
Benoît Tréluyer und Marcel Fässler beim 24h Rennen Le Mans
© Audi
"Im Jahr 2010 konnte ich meine erste Podiumsplatzierung erzielen, das wie in diesem Jahr zu 100% aus Audi bestand. Ich war völlig aus dem Häuschen, aber ich war nur Zweiter. 2011 gewannen wir dann in einem furiosen Kampf gegen Peugeot. Da gab es noch immer viele Emotionen, es war etwas wirklich aussergewöhnliches, aber es war nicht mit dem Vorjahr zu vergleichen. Dieses Jahr sind nun wiederum drei Audis auf dem Podium, mit uns auf der höchsten Stufe. Das ist eine wahre Freude, wenn sie vielleicht auch nicht so offensichtlich ist. Trotz der Abwesenheit von Peugeot haben wir eine grossartige Show für die Fans abgeliefert. Das Duell, das sich über die gesamte Renndistanz erstreckte, war ein grossartiger Beweis des Sportsgeists von Audi. Zusammen mit André und Marcel auf dem Podium haben wir dann auch an unsere Freunde Guillaume Moreau und Anthony Davidson gedacht, die in dieser 80. Version die Grausamkeit der "alten Dame" zu spüren bekommen haben. Wir wünschen ihnen eine schnelle Genesung und freuen uns darauf, sie zurück auf der Strecke zu sehen."

Abgesehen von dem Unfall der beiden Freunde bedauert Benoît nur eine Sache: seinen grippalen Infekt, der ihn in seinen Feiern einschränkt. In seinen eigenen Worten: "Dann muss ich halt zurückkommen und ein drittes Mal gewinnen."

Manuel Schulz