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Für die zehn größten Unternehmen hatte sich sich eine Gesamtsumme von 424 Milliarden Euro ergeben, die bisher noch nicht bezahlt wurden
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Was Autoherstellern droht, wenn sie die CO2-Vorgaben der EU überschreiten

Die Automobilindustrie steht unter enormen Druck. Die Corona-Krise legte die Produktion über Wochen lahm, die erhoffte Verkaufsprämie für Autos mit Verbrennungsmotor hat die Bundesregierung abgelehnt. Jetzt droht den zehn größten Automobilherstellern darüber hinaus für das Jahr 2021 eine Geldbuße von insgesamt bis zu 114,6 Milliarden Euro, wenn sie die Vorgaben der Europäischen Union (EU) zur Senkung der CO2-Emissionen nicht einhalten. Das ist das Ergebnis verschiedener Studien und Analysen.

Doch von diesen Grenzwerten sind die Automobilunternehmen weit entfernt. Ganz hinten liegt die Daimler AG, wie der Emissionsbericht der Automobilindustrie zeigt. Der Konzern allein müsse mit einer Strafe in Höhe von 13,3 Milliarden Euro auf Grundlage der Flottenemissionen rechnen. Wenig zuträglich ist dabei, dass die Daimler AG mit dem Modell Mercedes-AMG GT im vergangenen Jahr zudem das umweltschädlichste Auto auf die Straße schickte.

Ziel verfehlt: Kein Konzern wird die EU-Werte erreichen

Die EU verlangt zum Schutz des Klimas ab 2020 die Einhaltung eines Wertes von maximal 95 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro gefahrenen Kilometer für Neuwagen. Das würde einen Verbrauch von jeweils ungefähr vier Litern auf 100 Kilometern bedeuten, für Diesel liegt der Wert etwas niedriger. Doch Wunsch und Wirklichkeit driften weit auseinander: Die Fahrzeuge der Daimler AG sind im Schnitt 42 CO2g/km von dem Richtwert entfernt, am nächsten dran ist derzeit Toyota, dessen Fahrzeuge um 6,3 CO2g/km von den Vorgaben abweichen.

Pro Gramm und Fahrzeug, das den EU-Wert überschreitet, ist ein Bußgeld von 95 Euro anberaumt. Daneben müssten die Automobilhersteller auch die Emissionen ihrer jährlichen Verkäufe ausgleichen, für 2019 hätte sich für die zehn größten Unternehmen eine Gesamtsumme von 424 Milliarden Euro ergeben, bezahlt wurden sie bislang nicht. Dabei macht allein der Verkehr fast 30 Prozent der gesamten CO2-Emissionen in der EU aus, 72 Prozent davon verursacht der Straßenverkehr. Andere Sektoren wie die Industrie oder die Energiewirtschaft reduzieren ihre CO2-Emissionen nahezu stetig. Im Bereich Verkehr gelingt das bislang nicht: Von den zehn größten Autoherstellern wird keiner auch nur annähernd die CO2-Ziele der EU erreichen. Grund zur Klage hat die Industrie dennoch nicht, denn der Klimawandel hat sich lange angekündigt.

© ots / SK