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Audi Sportchef Dieter Gass unterstützt die Pläne von Gerhard Berger
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DTM Zukunft: Warum kaum noch Geld in ITR-Kasse übrig ist

Als Ursache für den Anstieg des Fehlbetrags um 2,4 Millionen Euro von 2017 auf 2018 nannte man "wesentliche Umstrukturierungsaufwendungen", den "Wechsel des TV-Partners" und den "Wegfall permanenter Rahmenserien". Zudem sei die "Mitarbeiteranzahl erhöht" worden. "Die Erlöse konnten den operativen Aufwand nicht decken."

Auch wenn für das Geschäftsjahr 2019 noch kein Jahresabschlussbericht verfügbar ist, hat sichdie Situation nicht gebessert. Nach dem Porsche-Carrera-Cup, der für den Platz im Rahmenprogramm bis Ende 2017 jahrelang viel Geld in die Kasse der ITR spülte, hatte sich Ende 2018 auch die Formel-3-EM aus dem Rahmenprogramm verabschiedet.
 
Und 2020 hat sich die Situation wegen der Coronavirus-Krise noch einmal maßgeblich verschlechtert: Die Deutsche Post AG verlängerte den Vertrag als Seriensponsor Anfang des Jahres nicht, zudem verliert man ohne Ticketverkauf, der für die DTM eine entscheidende Einnahmequelle ist, viel Kapital. Auch die Erstellung eines Infektionsschutzkonzepts verursachte erhebliche Kosten.Da man seit Anfang 2019 Verluste in Höhe eines niedrigen zweistelligen Millionenbetrags gemacht hat, hätten Audi und BMW nun laut einer sicheren Quelle beim Ausstieg aus der ITR nur noch Anspruch auf einen Wert in Höhe von zwei bis drei DTM-Boliden. Zur Einordnung: Der Versicherungswert eines DTM-Boliden beträgt 1,1 bis 1,2 Millionen Euro.Bei Audi scheint man durchaus bereit, beim Ausstieg aus dem ITR e.V. auf die Kapitalausschüttung zu verzichten, um Berger für ein Fortführungsszenario eine Anschubfinanzierung zu ermöglichen. BMW ist hingegen die große Unbekannte. "Die Gespräche mit BMW finden erst statt", meinte Berger vor einer Woche.Aber reicht das aus, um die DTM für 2021 auf Schiene zu bringen? Auch der TV-Deal mit Sat.1, der bis Ende 2021 läuft, kostet Geld. Während die ARD bis Ende 2017 noch für die TV-Rechte bezahlte, ist das seit dem Wechsel ins Privatfernsehen nicht mehr der Fall. Dafür finanziert die ITR wie in der Vergangenheit die komplette TV-Produktion.
 
Und wenn die angepeilten TV-Zuschauerzahlen verfehlt werden, müssen derzeit die Hersteller bei TV-Partner Sat.1 über die Schaltung von zusätzlichen Anzeigen die Löcher stopfen. Ob sie dazu auch noch bereit sein werden, wenn sie nicht mehr ITR-Mitglieder sind, ist fraglich. Was auch für das Szenario gilt, dass Seriensponsoren wie Reifenhersteller Hankook die Kosten in Zukunft übernehmen.

Horst Bernhardt / DW