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Der Wechsel auf das GT3 Reglement erweist sich als absolut richtig
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DTM vor Start in zweite Saisonhälfte

Am kommenden Wochenende startet die DTM auf dem Red Bull Ring in die zweite Saisonhälfte. Es lohnt sich ein Blick zurück auf die erste Hälfte der Saison in der neuen Ära mit den GT3-Fahrzeugen. Vor dem Start in die neue DTM-Saison, mit der Umstellung auf das GT3-Reglement, gab es viele Skeptiker, die für eine weitere Meisterschaft mit den GT3-Boliden keinen Platz sahen. Auch ich hatte meine Bedenken, ob neben dem GT-Masters die DTM mit den gleichen Fahrzeugen Bestand haben könnte. Nach den ersten acht Saisonrennen  dürften aber auch die grössten Skeptiker  eines besseren belehrt sein! Man muss DTM-Chef Gerhard Berger neidlos anerkennen, dass er einen hervorragenden Job gemacht hat! Er hat es in kürzester Zeit geschafft, 19 permanente Starter in seine neue DTM zu holen. Beim letzten Rennen am Nürburgring waren mit vier Gaststartern sogar 23 Piloten in der Startaufstellung vertreten. Mit Audi, BMW, Ferrari, Lamborghini, Mc Laren, Mercedes und Porsche waren sieben verschiedene Hersteller am Start, das gab es zuletzt 1987! Damals waren es Alfa Romeo, BMW, Ford, Mercedes, Opel, Toyota und Volvo.  

DTM Nürburgring erstmals mit Porsche

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Die Chancen, dass für 2022 zu den 5 permanenten Herstellern, die in diesem Jahr dabei sind, weitere hinzu kommen, sind absolut realistisch. So hört man aus Porsche-Kreisen  nach dem Auftritt von SSR-Performance nur positive Rückmeldungen. Trotz der sportlich enttäuschenden Rennen am Nürburgring (zwei Ausfälle aufgrund von Kollisionen) ist das Interesse an einem DTM-Engagement bei Porsche gestiegen. Bisher zeigte man sich in Stuttgart mit Blick auf die DTM eher reserviert. Nun aber scheint man Gefallen an der DTM gefunden zu haben.

„Nach diesem Gaststart und auch der medialen Präsenz, die Porsche bekommen hat, gibt es glaube ich keinen mehr, der nicht Lust auf das Projekt hätte", sagt SSR-Performance-Teambesitzer Stefan Schlund.

Auch das Mc Laren Team JP-Motorsport mit Christian Klien gilt als Kandidat für eine full Saison in 2022. Weitere Teams zeigen Interesse, unter anderem das Porsche Team von Le Mans Sieger Timo Bernhard.

Das Porsche Team SSR Performance gilt als heißer Anwärter auf ein DTM Engagement 2022
Das Porsche Team SSR Performance gilt als heisser Anwärter auf ein DTM Engagement 2022
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Auch bei der Umsetzung der BoP-Einstufungen der Fahrzeugemuss man den DTM-Verantwortlichen Lob zollen. Mit der österreichischen Spezialfirma AVL hat man sich einen kompetenten Partner mit ins Boot geholt, die für die Berechnungen der Einstufungen zuständig ist. Mit Audi, BMW, Ferrari und Mercedes konnten vier der fünf fest eingeschriebenen Hersteller Rennsiege feiern. Sogar BMW mit dem M6, der in diesem Jahr seine Abschiedsvorstellung gibt und im nächsten vom neuen M4 abgelöst wird.

Und noch eines hat die DTM geschafft, nämlich den Fahrer wieder in den Vordergrund zu stellen. Da die Hersteller keinen, oder sagen wir nur noch geringen Einfluss haben  (denn die DTM-Einsätze werden von Privatteams durchgeführt), konzentriert sich das Interesse endlich wieder mehr auf die Fahrer. In der Vergangenheit war es so, dass bei Interviews immer der Pressevertreter des jeweiligen Herstellers neben dem Fahrer gestanden hat, womit die Antworten der Piloten praktisch vorgegeben waren. Das ist heute glücklicherweise auch anders und sorgt dafür dass es nicht nur auf,  sondern auch neben der Strecke im DTM-Zirkus hoch her geht. Bestes Beispiel dafür ist die Rivalität zwischen Audi-Star Kelvin van der Linde und Mercedes-AMGs GT3-Ass Maximilian Götz.

Ob ihre gegenseitigen Sticheleien in Interviews und auf Social-Media in einer weiterhin von den Werken bestimmten DTM möglich gewesen wären? Das ist durchaus zu bezweifeln. Zu sehr hatten die Hersteller in Sachen Aussendarstellung in der Vergangenheit ihre Finger im Spiel. Doch der Sport lebt auch durch solche Rivalitäten und Sticheleien.

Kelvin van der Linde kommt als Halbzeit-Meister an den Red Bull Ring
Kelvin van der Linde kommt als Halbzeit-Meister an den Red Bull Ring
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Sicherlich gibt es auch heute von Team-Seite Forderungen das Reglement zu seinen Gunsten anzupassen. So zum Beispiel fordert Abt das Verbot die Radmuttern auf den Felgen zu befestigen, wie es Ferrari und Mercedes praktizieren und dadurch eine Choreographie entwickeln konnten um die Boxenstopps zu beschleunigen. Schauen wir dabei mal auf die Tabellen, so dürfte sich das Thema wohl erledigen. Der Nachteil dürfte sich im minimalen Bereich befinden. Abt führt mit Kelvin van der Linde in der Fahrerwertung mit 33 Punkten vor Mercedes Pilot Maxi Götz.

In der Teamwertung liegen die Kemptener mit 190 Punkten an der Spitze vor AF-Corse mit 162 Zählern. Hier sollten die DTM-Verantwortlichen sich nicht unter Druck setzen lassen und mit Bedacht handeln.

Bei den acht Rennen der ersten Saisonhälfte gab es fünf verschiedene Sieger. Kelvin van der Linde konnte drei Rennsiege für sich verbuchen und führt in der Meisterschaft mit 129 Punkten vor Maximilian Götz (96 Punkte), Marco Wittmann (94), Alex Albon (82) und Liam Lawson (80), die jeweils ein Rennen gewinnen konnten.

Beim kommenden Rennwochenende in Österreich sind alle Tribünen geöffnet und die Fans haben auch die Möglichkeit ins Fahrerlager zu kommen. Voraussetzung zum Zutritt ist die 3G-Regelung: geimpft, genesen, getestet. Der Zugang zum Fahrerlager ist im Ticketpreis enthalten.
 

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Horst Bernhardt

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