Trump Politik hat Folgen für Stellantis: Kurswechsel mit Signalwirkung für die Autobranche
(Sissi von Wittgenstein: Meine Meinung) Die so genannte "Trump Politik" löst immer wieder heftige Kontroversen aus. Dieses Mal ist es der viertgrösste Autokonzern der Welt, Stellantis, der die Reißleine zieht. Dabei war die Transformation der Kfz-Hersteller hin zur Elektromobilität auf einem guten Weg, eigentlich so gut wie unumkehrbar. Hersteller kündigten ambitionierte Elektrifizierungs-Strategien an, (europäische) Regierungen formulierten ehrgeizige Klimaziele, und auch Investoren wetteten zunehmend auf emissionsarme Technologien. Vor diesem Hintergrund sorgt nun die strategische Neuausrichtung des Autokonzerns Stellantis für große Aufmerksamkeit: Anstatt ausschließlich auf E-Autos zu setzen, will Stellantis wieder stärker auf Verbrennungsmotoren und hybride Antriebskonzepte bauen. Da greift man sich doch an den Kopf...?
Aha - Wir haben anscheinend kein Klimaproblem - alles in Ordnung, oder doch nicht?
So, so, Stellantis setzt also wieder auf Verbrenner. Ist das nur strategischer Realismus, oder knickt man einfach vor einer sowieso nicht begreifbaren Trump Politik ein? So oder so - es ist ein Rückschritt fürs Klima und Innovationen! Wir reden hier immerhin von einem Global-Player - dem viertgrößten Auto-Konzern der Welt. 14 Automarken, darunter Abarth, Alfa Romeo, Chrysler, Citroën, Dodge, DS Automobiles, Fiat, Jeep, Lancia, Maserati, Opel, Peugeot, etc. gehören zu Stellantis.
Also warum hat Stellantis seine Elektrostrategie neu bewertet?
Leider muss man sagen, dass diese Entscheidung für Experten nicht überraschend kommt, wenn man sich die aktuellen Herausforderungen anschaut. Fakt ist, dass Stellantis im letzten ersten Halbjahr einen Milliardenverlust verzeichnete. Dazu kommt: Die Nachfrage nach Elektroautos entwickelt sich regional immer noch sehr unterschiedlich, teils schleppend. Hohe Produktionskosten belasten wiederum die Margen. Vom Ausbau der Ladeinfrastruktur in der DACH-Region wollen wir mal gar nicht reden - der verläuft generell langsamer als wünschenswert.
Gleichzeitig erleben wir nicht zuletzt durch die Trumpsche Politik wirtschaftliche Unsicherheiten (zwar nicht nur wegen Trump Politik, doch die leugnen das offensichtliche Klimaproblem vehement!). Steigende Preise lassen viele Verbraucher weiterhin auf klassische Antriebe setzen, zumal ein Elektroauto ja nicht gerade billiger ist.
Stellantis reagiert auf all das mit einer sogenannten Multi-Antriebsstrategie: Elektroautos bleiben zwar Teil der langfristigen Vision, sollen jedoch durch effizientere Verbrenner und Hybridlösungen erneut ergänzt werden. Erklärtes Ziel des Konzerns ist es möglichst breitgefächert und flexibel auf unterschiedliche Märkte und Kundengruppen zu reagieren. Und wenn wir vom Konzern reden, dann reden wir wie gesagt über viele, über sehr viele Automarken.
Mag gut sein dass Stellantis viel zu viele Autos im Portfolio hat, und sich möglicherweise von manchen trennen muss. Unbestritten sind die 14 Automarken aber im Markt etabliert und haben ihre Kundschaft - doch das bedeutet nicht, dass das ewig so bleibt. Ein Neustart von Fiat zum Beispiel wäre in Südamerika, wo die Marke sehr stark ist, wünschenswert.
Marktlogik vs. Zukunftsstrategie: Was hinter dem Verbrenner-Comeback steckt
Befürworter (und das sind Menschen mit sehr unterschiedliche Perspektiven) sehen im Strategiewechsel einen realistischen Schritt. Die Automobilindustrie "befinde sich in einer Übergangsphase, in der mehrere Technologien parallel existieren müssen". Sicherlich kann ein breiteres Angebot wirtschaftliche Risiken reduzieren und die Transformation zum Elektroauto sozial etwas verträglicher gestalten. Doch reden wir Klartext: Es geht hier nur und ausschließlich ums liebe Geld, also ich meine um die Gewinne des Konzerns.
Kritiker argumentieren zu Recht, dass diese Rückwärts-Strategie langfristige Innovations-Prozesse verlangsamen. Wer seine Ressourcen erneut auf Verbrennungstechnologie verteilt investiert automatisch weniger in elektrische Plattformen, in Softwarekompetenz und in neue Mobilitätskonzepte – genau jene Bereiche, die aber zunehmend über Wettbewerbsfähigkeit entscheiden.
Vor allem im Vergleich zu den Auto-Herstellern aus China, die stark auf Elektromobilität fokussieren, könnte ein solcher Kurswechsel enorme strategische Nachteile bringen.
Umweltperspektive: Ein Schritt zurück in einer entscheidenden Phase?
Der Verkehrssektor gilt allgemein anerkannt als einer der zentralen Hebel zur Reduktion globaler CO₂-Emissionen. Viele politische Programme waren darauf ausgerichtet, dass Elektrofahrzeuge schneller Marktanteile gewinnen. Wenn nun ein solch großer globaler Konzern die Bedeutung von Verbrennungsmotoren erneut hervorhebt, hat das nicht nur wirtschaftliche, sondern leider auch erhebliche symbolische Auswirkungen.
Aus umweltorientierter Sicht stellt sich daher die wichtige Frage, ob kurzfristige Marktreaktionen unsere langfristigen Klimaziele gefährden. Eine verlängerte Lebensdauer fossiler Technologien wird den notwendigen Wandel erheblich verlangsamen – insbesondere hier in Europa, wo auch der regulatorische Druck und die gesellschaftlichen Erwartungen hoch sind.
Ist die Autobranche erneut am Scheideweg?
Man sieht dass die Entwicklung, respektive der Übergang zur Elektromobilität viel weniger geradlinig verläuft als Prognosen nahegelegt haben. Die Kfz-Hersteller müssen gegenwärtig geschickt zwischen Investitions-Kosten, politischem Druck und der realen Nachfrage nach Elektroautos navigieren. Stellantis’ Entscheidung verdeutlicht nun ganz besonders die Spannung zwischen wirtschaftlicher Realität und strategischer Vision.
Fortschritt braucht Konsequenz – und nicht Rückwärtsgänge
Aus einer umweltorientierten Perspektive wirkt die Rückkehr zum Verbrennungsmotor weniger wie strategische Flexibilität, sondern wie ein gewaltiger Schritt zurück. Während Elektromobilität und nachhaltige Technologien anerkannt als Schlüssel zurlangfristigen Dekarbonisierung gelten, wird ein verstärkter Fokus erneut auf klassische Antriebe die Transformation ausbremsen. Das kann man nicht beschönigen oder "gut reden".
Natürlich müssen Unternehmen wirtschaftlich handeln. Doch die Geschichte zeigt, dass technologische Umbrüche selten von vorsichtigen Kompromissen vorangetrieben werden. Im Gegenteil: Innovation entsteht meist dort, wo klare strategische Prioritäten gesetzt werden.
Wenn nun große Hersteller beginnen ihre Elektrifizierungsstrategien zu relativieren, besteht die Gefahr, dass die gesamte Industrie an Tempo verliert – genau zu einem Zeitpunkt, an dem Geschwindigkeit aber unbedingt entscheidend wäre.
"Strategische Anpassung" ist ein Marketingbegriff...
Stellantis’ Kurswechsel ist leider viel mehr als nur eine interne Unternehmensentscheidung. Er steht exemplarisch für die Unsicherheit einer Branche im Wandel. Dass der Schritt als notwendige Zwischenlösung vermarktet wird, hat eher mit dem Aktienkurs, als mit der (Umwelt-)Realität zu tun.
Die Stellantis-Aktie war nach der Ankündigung um mehr als 25 Prozent nach unten gerasselt, und das scheint noch nicht mal der Boden zu sein. Zudem belastet dieser Aktienabsturz natürlich auch andere französische Branchenwerte: Valeo, Renault und Forvia mußten ebenfalls zwischen 2,1 und 2,5% Verluste hinnehmen. In Deutschland gabs nicht minder Verlierer der Autobranche - Volkswagen verlor im DAX 2,3%, BMW 1,5% und Porsche im MDax sogar 3,2%. Was hier eindeutig auf der Tafel zu sehen war: Diese Entscheidung von Stellantis zieht eine ganze Branche in den Keller.
Fest steht: Die Diskussion über die Zukunft des Antriebs ist schon wieder neu entfacht. Wer wird darüber entscheiden ob die Automobilindustrie ihre Klimaziele erreicht oder weiter zwischen Vergangenheit und Zukunft pendelt?