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Eckhard Schimpf, 2020, Porsche AG
© Porsche AG | Zoom

Porsche Sammlung in Orange: Eckhard Schimpf - Der Herr der Hirsche

Eckhard Schimpf sammelt die Rennwagen, die er gefahren ist – und auch diejenigen, denen er zu ihrer orangefarbenen Lackierung verholfen hat. Eine bemerkenswerte Zeitreise.

Jede Sammlung erzählt ihre eigene Geschichte – keine Sammlung gleicht der anderen. Und es soll auch kein Sammler erzählen, dass die Idee und die Struktur seiner Sammlung in der heutigen Form geplant war, obwohl Eckhard Schimpf – der „Vater“ und „Erfinder“ der mittlerweile legendären Jägermeister-Rennwagen – schon von früher Jugend an dem Hause Porsche verfallen war. Und obwohl er – und das ist kein Widerspruch – auch gern andere Fahrzeuge besaß und besitzt.
 
Und dennoch bilden die Geschöpfe aus Zuffenhausen den Nukleus der Sammlung. Dazu kommt, was selten der Fall ist, dass der Auslöser der Sammellust in realitas vorhanden ist. Und zwar in Form eines 914/6. Aber natürlich ist es nicht ein normaler 914/6, sondern der Rennwagen, den Eckhard Schimpf 1972 beim Reutlinger Autohaus Max Moritz erwarb – und den er zwei Jahre lang bei Rennen bewegte.
 
"Natürlich kann man keine Sammlung planen – sie ergibt sich durch die Umstände. Autos kommen und gehen, manche werden behalten, andere verkauft, und manche kommen zurück."
Eckhard Schimpf 

Aber letztlich befiel ihn der Porsche-Virus schon viel früher – „bereits 1951 hatte ich die ersten Porsche-356 beim Prinzenpark-Rennen gesehen, dann fuhr Kurt Ahrens sen. mit seinem weißen 550 Spyder durch Braunschweig. Und als mich Bobby Wittmann – er fuhr auch die 1.000 Kilometer am Nürburgring – als Beifahrer bei zwei Zuverlässigkeitsfahrten in seinem 1500 Super mitnahm, war das Porsche-Fieber endgültig ausgebrochen.“
 
Bis dato war das eine interessante, aber keine außergewöhnliche Karriere, die jedoch im Januar 1971 eine unerwartete Wendung nehmen sollte: „Ich wollte die Rallye Monte Carlo fahren, und Porsche hatte den 914/6 auf den Markt gebracht, der mir mit seinem Mittelmotorkonzept und den kompakten Abmessungen gefiel. So legte ich mir 1970 so einen 914/6 zu und fuhr damit etliche Rallyes, Slalomveranstaltungen und Rennen und beschloss, im Januar 1971 mit dem praktisch serienmäßigen 914/6 an der Monte Carlo teilzunehmen – was mit einem Abflug in den Seealpen endete. Ein Jahr später startete ich erneut in Frankfurt und beendete die Rallye in den Seealpen im Straßengraben – der Mittelmotor und der Schnee waren eine gefährliche Mischung.“
 
Ein seltener Anblick: Carrera RSR 3.0 – Porsche 956 – Porsche 962. Und alle in der weltweit bekannten und unverkennbaren Lackierung mit dem Hirschen © Porsche AG
Um den Einsatz zu finanzieren, klopfte Schimpf bei seinem Cousin Günter Mast – dem Chef des Hauses Jägermeister – an und bat ihn um 500 Mark Zuschuss für das Rallye-Abenteuer. Eckhard Schimpf: „Als Gegenleistung sollte der Jägermeister-Schriftzug auf dem Auto angebracht werden. Günter antwortete: „500 Mark sind eine so krumme Summe. Du kriegst 1.000. Und wenn du aus Monte Carlo zurück bist, meldest du dich mal bei mir.“
 
Bei diesem Gespräch wurde das Jägermeister-Rennteam aus der Taufe gehoben, das im Laufe der nächsten Jahrzehnte eine Vielzahl hochkarätiger Rennwagen und Toppiloten mitfinanzierte – bis heute zählen die orange lackierten Rennwagen weltweit zu den beliebtesten überhaupt. Das Rennfieber hatte Schimpf gepackt, und so erwarb er 1972 bei dem Autohaus Max Moritz einen 914/6 GT, der – natürlich in Orange lackiert – zwei Jahre lang für Siege und gute Platzierungen sorgte. Dem 914/6 GT folgte 1974 ein 3.0 RSR, der von 1974 bis 1977 bei 84 Rennen zu 39 Siegen pilotiert wurde.
 
Während sich Schimpf anderen Rennwagen einer Marke aus München zuwandte, blieb das Jägermeister-Team Porsche treu: Diverse 934 und 935 wurden von Max Moritz und später vom Kremer-Team eingesetzt – dann folgten Boliden vom Schlag eines 956 und 962, die von Profis wie Keke Rosberg, Jan Lammers, Hans-Joachim Stuck, Gerhard Berger, Thierry Boutsen, Roland Ratzenberger und Oscar Larrauri bewegt wurden.
 
Alles Fahrzeuge, die heute – neben Hunderten von Porsche-Plakaten und Zeitschriften, – von den Tausenden Fotos ganz zu schweigen – in der Sammlung zusammen mit Wänden voller Bücher, Siegerkränze, Pokale und Sturzhelme stehen.

Text erstmalig erschienen im Magazin Porsche Klassik, Ausgabe 17.

Autor: Jürgen Lewandowski

Fotografie: Theodor Barth

Porsche AG / SK