Elektro-Porsche in der Fahrschule: Warum der Taycan in Norwegen perfekt passt
(Speed-Magazin.de / Porsche) Wer in Norwegens Hauptstadt Oslo losfährt und die E16 Richtung Bergen - der zweitgrößten Stadt des Landes - nimmt, erreicht nach etwa drei Stunden Fagernes. Malerisch schmiegt sich der 2.000-Einwohner-Ort ans Ufer des Sees Strondafjorden, eingebettet in die Valdres-Region mit zahlreichen Wandergebieten und Skibergen. Ein kleines Idyll mit einem Freilichtmuseum, zwei Tankstellen und 14 (!) Schnellladesäulen.Porsche Taycan als Fahrschulauto in Norwegen
Vier Fahrschulen gibt es in Fagernes. Die jüngste hat Sonja Øie Petersen 2022 eröffnet. Nach 19 Jahren als angestellte Fahrlehrerin machte sie sich mit der „Øie Trafikkskole“ selbstständig. Der Laden brummt. Was wohl in erster Linie an Petersens angenehmer, ruhiger und komplett uneitler Art liegt.
Das Angebot ploppte auf, während Petersen an einer Fahrschulkonferenz in Trondheim teilnahm. Gleich auf dem Rückweg machte sie einen Abstecher nach Oslo, wo der Taycan stand, und kaufte den Wagen – ihrem Mann Erik hatte sie davon noch gar nichts erzählt. „Es war offenbar Liebe auf den ersten Blick“, sagt er heute schmunzelnd, „ähnlich wie bei Sonja und mir.“
© Porsche
Ein paar Umbauten waren nötig, um den Sportwagen als Schulungsfahrzeug nutzen zu können. Eine Spezialfirma aus Oslo installierte eine zusätzliche Pedalerie im rechten Fußraum, außerdem erhielt der Taycan weitere Außen- und Innenspiegel. Und während auf den anderen Autos der „Øie Trafikkskole“ – einem Handschalter und zwei älteren Automatik-Modellen – der Name der Fahrschule prominent platziert ist, fährt der E-Sportler nahezu inkognito durch Fagernes und das umliegende Valdres.
Warum der Taycan 4 Cross Turismo perfekt für die Fahrschule ist
Es ist ihr Zwischenname, das norwegische Wort für Auge und zugleich der Name ihrer Fahrschule. Etwa 1.000 Euro kosten solche Sondernummernschilder in Norwegen, die jeweils für zehn Jahre vergeben werden.
„Hier in der Gegend kennen sich fast alle, und so hatte es sich schnell herumgesprochen, dass man bei mir mit einem Porsche für den Führerschein lernen kann“, erklärt Petersen. Selbst bis ins rund 200 Kilometer entfernte Oslo zu Jens Aksel Jorde drang die Nachricht durch. Der 18-jährige Schüler und angehende Mountainbiking-Profi wollte unbedingt bei Sonja Petersen Fahrunterricht nehmen. „Unsere Familie besitzt eine Hütte in der Nähe von Fagernes. Und so habe ich in den vergangenen Monaten zahlreiche Wochenendausflüge in die Berge genutzt, um Fahrstunden zu nehmen.“
Jorde kennt diese Fokussierung vom Training und von seinen Wettkämpfen. Bei der Mountainbike-Weltmeisterschaft im italienischen Val di Sole Ende August wird er bei den Junioren an den Start gehen. Zu den Vorbereitungsrennen in den kommenden Monaten kann er jetzt selbstständig anreisen: im Van seiner Eltern, der genug Platz bietet für Rad und Equipment.
Allein im vergangenen Jahr haben rund 70 Menschen die „Øie Trafikkskole“ besucht und am Ende die Führerscheinprüfung bestanden. In Norwegen dürfen schon 16-Jährige ans Steuer – in Begleitung eines Erwachsenen, der mindestens 25 Jahre alt sein und seit fünf Jahren einen Führerschein haben muss. Viele Jugendliche sammeln so ihre ersten Erfahrungen. In der Fahrschule folgen 19 verpflichtende Fahrstunden. Bei der Theorieprüfung müssen von 45 Fragen mindestens 38 richtig beantwortet werden, danach folgt ein Praxistest.
Fahrunterricht im Elektro-Sportwagen: Sicherheit, Spaß und Innovation
„Anfangs war ich ängstlich, gerade bei einem so wertvollen Auto wollte ich auf keinen Fall etwas kaputt machen“, erinnert sich Frida an das zunächst etwas mulmige Gefühl, das sie beim ersten Griff ans Dreispeichen-Lederlenkrad überkam. „Aber das hat sich schnell gelegt, denn der Taycan lässt sich auch mit wenig Erfahrung gut kontrollieren.“
© Porsche
Während sie das sagt, steuert sie den Elektro-Allradler mit 320 kW (435 PS) Leistung feinfühlig über die schneebedeckte Panoramastraße durch das Skigebiet Vaset, etwa zwölf Kilometer westlich von Fagernes. Fahrschulstunden bei Schnee und Eis, auf Serpentinenstraßen und ruppigen Schotterwegen, bei tief stehender Wintersonne oder in grauer Nebelsuppe – all das ist hier Alltag. Eigentlich unterrichtet Petersen bei fast jedem Wetter – es sei denn, ein Schneesturm tobt und die Räumfahrzeuge kommen nicht hinterher.
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