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TCR International Serie 2017: Gianni Morbidelli „Die Philosophie der TCR ist perfekt“

15.04.2017 (Speed-Magazin.de) Mit 49 Jahren gehört Gianni Morbidelli zu den erfahrensten Piloten im internationalen Motorsport-Business – und noch lange nicht zum alten Eisen! Der gebürtige Italiener, der zwischen 1990 und 1997 in 67 Formel-1-Rennen an den Start ging, dazu in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft WTCC, der FIA GT-Meisterschaft oder der V8-Supercar-Serie fuhr, fährt in seiner dritten Saison in der TCR-International-Serie und 2017 erstmals in einem 350 PS starken Golf GTI TCR. Vor dem zweiten Rennwochenende auf dem International Circuit in Bahrain spricht der Allrounder über Saisonziele, seine besondere Beziehung zum Volkswagen Golf, die Formel 1 und sein liebstes Hobby – Golf.

Gianni, Du bist in deinem Rennfahrerleben schon in vielen verschiedenen Rennserien gestartet, von der Formel 1 bis zum Tourenwagensport wie der WTCC. Seit 2015 fährst Du in der TCR International Series für WestCoast Racing. Was macht die TCR-Serie für dich besonders?
Gianni Morbidelli: Ich bin nun seit 25 Jahren als Profi-Rennfahrer im Motorsport und habe fast alles gesehen. Als Marcelo Lotti mir von der TCR erzählte, war ich sofort sehr interessiert. Die Philosophie ist für mich perfekt, denn die Serie bietet zusammen mit den verschiedenen nationalen Ablegern mehr als 100 Rennen rund um die Welt. Zudem bleiben die Kosten überschaubar, die Autos sehen toll aus und sind dank der Balance of Performance relativ leistungsgleich. Und nicht zuletzt findet das Racing auf einem sehr guten Level statt, wir haben viele spannende Zweikämpfe auf der Strecke. Das macht Spaß!

© Volkswagen Motorsport | Zoom
In diesem Jahr fährst Du das erste Mal in einem Golf GTI TCR. Hast du dich schon mit deinem neuen Dienstwagen angefreundet?
Morbidelli: Ja, ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl und Selbstbewusstsein im Cockpit. Und ich hatte schon eine amüsante Vergangenheit mit dem Golf vor der TCR: Bei einem Fahrertraining für Volkswagen Italien durfte ich Kunden in einem neuen Golf GTI V über die Rennstrecke pilotieren. Natürlich wollte ich ein bisschen Show machen und das Auto zum Ausbrechen bringen – es ist mir einfach nicht gelungen, weil der Wagen zu perfekt abgestimmt war. Das war beeindruckend. Und das Gefühl hatte ich sofort wieder als ich jetzt im GTI TCR von WestCoast Racing die ersten Runden fuhr.

Wie sind deine Erwartungen und Ziele mit dem Team für die Saison?
Morbidelli: Obwohl wir nur wenige Testtage vor dem Saisonstart hatten, bin ich sehr zuversichtlich, dass wir um den Titel kämpfen können. Denn der Golf ist das aktuelle Meisterauto und wir haben nach dem ersten Rennen in Georgien einige Erkenntnisse in Sachen Set-up gewonnen. Ich hoffe, dass wir schon hier in Bahrain um die vorderen Plätze mitfahren. Die Strecke mag ich sehr mit den vielen Kurven, den leichten Bergauf- und Bergabpassagen. Dazu bedeuten die Temperaturen von über 40 Grad Celsius eine große Herausforderung für einen Fahrer, Bremsen und Reifen nicht zu überhitzen.

© Volkswagen Motorsport | Zoom
In Bahrain fährt die TCR International Series auch im Rahmen der Formel 1. Weckt das besondere Gefühle in dir als ehemaliger Formel-1-Pilot?
Morbidelli: Um ehrlich zu sein, nein. Als Rennfahrer konzentrierst Du dich immer auf das, was du gerade tust. Wir sind hier, um in der TCR erfolgreich abzuschneiden an diesem Wochenende. Aber natürlich ist es schön, im Fahrerlager ab und an vertraute Gesichter zu sehen und die Formel-1-Atmosphäre zu spüren. Daniel Ricciardo kenne ich zum Beispiel schon seit er noch als junger Kerl in Italien in der Formel Renault gefahren ist. Er ist ein super Typ, hat sich überhaupt nicht verändert und wir hatten Zeit für einen kleinen Plausch. Ansonsten verfolge ich die Formel 1 wie jeder andere Zuschauer meist vor dem Fernseher. Aber klar, die aktuelle Formel 1 hat sich im Vergleich zu meiner Zeit in den 90er Jahren stark verändert. Aber ich mag den Look der neuen Autos.

Zum Abschluss nochmal das Stichwort Golf – du fährst nicht nur Golf, sondern spielst auch gern Golf, richtig?
Morbidelli: Ja, das stimmt! Ich versuche, wann immer es die Zeit erlaubt, den Schläger zu schwingen und eine Runde zu gehen. Für mich ist das eine die ideale Betätigung, um abzuschalten. Aber ich muss zugeben, dass ich kein wirklich herausragender Golfspieler bin, mein Handicap liegt seit einiger Zeit bei 14. Aber es macht mir viel Spaß und oft spiele ich mit Leuten, die vorgeben ein Top-Golfer zu sein – und dann auf der Runde keinen Ball treffen (lacht). Da staple ich lieber etwas tief mit meinen Golfkünsten.


Volkswagen Motorsport / DW


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