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Skoda beherrschte die Rallye-Szene: So geht es 2018 weiter

Die WRC-2-Weltmeister 2017 im Luftraum über Wales

14.12.2017 (Speed-Magazin.de) Bernhard Maier, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen-Tochter Skoda im tschechischen Mladá Boleslav, durfte im abgelaufenen Jahr gleich zweimal ein Vollbad nehmen. Zum einen konnte er im wirtschaftlichen Erfolg seines Unternehmens, zum anderen – und das schien ihm mindestens ebenso wichtig zu sein – in den Triumphen baden, die Rallye-Piloten und deren Beifahrer bei nationalen und internationalen Meisterschaften auf Skoda nach Hause fuhren.

„2017 war für Skoda nicht nur das erfolgreichste Geschäftsjahr in seiner über 120 Jahre langen Geschichte, sondern auch das erfolgreichste Motorsportjahr“, freute sich Maier bei der Meisterschaftsfeier zum Jahresabschluss in Tschechien, zu der nicht nur fast alle Champions, sondern auch 70 Journalisten aus 14 Nationen gekommen waren.

Zu feiern gab es in der Tat genug. Sowohl in der FIA-Rallye-Weltmeisterschaft als auch in zahlreichen kontinentalen sowie nationalen Meisterschaften feierte der Skoda Fabia R5 Erfolge. Er war in der Kategorie R5 für seriennahe Rallyeautos das mit Abstand erfolgreichste Fahrzeug. So gewannen seine Piloten insgesamt 14 nationale Rallye-Meisterschaften in zwölf europäischen Ländern sowie im Libanon und in Paraguay. Auch bei kontinentalen Wettbewerben konnten am Ende der Saison Skoda-Fahrer und -Beifahrer die Champagner-Korken knallen lassen. Sie hatten die Asien-Pazifik Rallye-Meisterschaft (APRC), die Südamerika-Rallye-Meisterschaft (CODASUR), die Afrika-Rallye-Meisterschaft (ARC) sowie die Rallye-Europameisterschaft in der U28-Wertung für sich entschieden. Die deutschen Meister, und das zum dritten Mal hintereinander, hießen als Fahrer Fabian Kreim und als Co-Pilot Frank Christian.

Skoda Fabia R5 von Fabian Kreim und Frank Christian.
Skoda Fabia R5 von Fabian Kreim und Frank Christian.
© Skoda | Zoom
Die Krönung dieses Jahres: In der Rallye-Weltmeisterschaft gewannen die Werksfahrer Pontus Tidemand und Jonas Andersson (beide aus Schweden) den Titel in der WRC-2-Kategorie, auch die Teamwertung ging an Skoda Motorsport. Dies ist umso wertvoller, da in dieser Kategorie die Autos über mehr Standardteile verfügen und damit seriennäher sein müssen als die Fahrzeuge in der obersten Wertungsklasse, wo tiefere und damit teurere Eingriffe in die Technik erlaubt sind. Bernhard Maier: „Der Fabia R5 ist ein rollendes Labor. Die bei den Wettbewerben gewonnenen Erkenntnisse fließen direkt in die Entwicklung unserer Serienautos ein. Es ist daher kein Zufall, dass unsere Modelle Kodiaq und Karoq auch abseits geteerter Straßen eine Top-Figur machen.“

Da drängt sich die Frage auf, wie es im kommenden Jahr weitergehen soll. „Wir werden in gewohnter Manier wieder angreifen und freuen uns auf die Saison 2018“, kündigt Motorsport-Chef Michal Hrabánek an. Nach dem Gewinn von Fahrer-, Beifahrer und Team-Titel in der seriennahen WRC 2 der Rallye-Weltmeisterschaft tritt Skoda in der nächsten Saison mit einem verjüngten Team an: Ole Christian Veiby und Juuso Nordgren, beide 21 Jahre alt, sowie der erst 17-jährige Kalle Rovanperä gehen an der Seite des amtierenden WRC-2-Champions Pontus Tidemand (27) bei WM-Läufen an den Start. Das Team setzt außerdem weiterhin auf die Unterstützung von Jan Kopecký (35), dem fünfmaligen tschechischen Meister. „Noch in der Saison 2017 haben wir ein Nachwuchsprogramm gestartet, um junge talentierte Fahrer zu identifizieren“, erläutert Hrabánek. „Dieses Programm haben wir bei der Rallye Spanien gestartet und bei der Rallye Großbritannien erfolgreich abgeschlossen.“

Besonders zu erwähnen ist dabei Kalle Rovanperä. Er wurde bei der Rallye Australien 2017 der jüngste Fahrer in der Geschichte der Weltmeisterschaft überhaupt, der einen Lauf zum WRC-2-Championat gewinnen konnte. Er holte außerdem zwei Mal den nationalen Meistertitel in Lettland (2016 und 2017) und gilt als eines der vielversprechendsten Talente im Rallyesport. Rovanperä tritt in die Fußstapfen seines Vaters Harri, auch er war ein Weltklasse-Rallyepilot.

WRC-2-Weltmeister Pontus Tidemand und Jonas Andersson aus Schweden siegten im Skoda Fabia
WRC-2-Weltmeister Pontus Tidemand und Jonas Andersson aus Schweden siegten im Skoda Fabia
© Skoda | Zoom
Da Kalle Rovanperä erst im Oktober 2018 seinen 18. Geburtstag feiert, kann er zusammen mit Beifahrer Jonne Halttunen (32) zunächst nur in den Ländern an WM-Läufen teilnehmen, die auch 17-Jährigen den Start bei Rallyes gewähren. Weil finnische Gesetze Starts bei Rallyes erst ab 18 Jahren erlauben, richtete er sein Augenmerk zunächst auf Lettland. Dort startete Rovanperä schon im Alter von zwölf Jahren bei Rallyesprints, später in der Meisterschaft. Auf Verbindungsetappen, die über öffentliche Straßen führten, musste zunächst Beifahrer Risto Pietiläinen, der frühere Co-Pilot von Vater Harri, das Steuer übernehmen. Trotzdem hinderte dieses kleine Handicap Rovanperä nicht daran, 2015 die Junior-Wertung in Lettland zu gewinnen. 2016 und 2017 gewann er dann die Meisterschaft, beide Male am Steuer eines Fabia.

In Deutschland nehmen nach erfolgreicher Titelverteidigung in der Deutschen Rallye-Meisterschaft Fabian Kreim und Frank Christian die U28-Wertung der Europameisterschaft ins Visier und messen sich eine Stufe höher mit der europäischen Rallye-Elite. Gleich der vom 22. bis 24. März 2018 auf den Azoren geplante Saisonauftakt ist ein Highlight: Die Schotterpisten schlängeln sich unter anderem am Rand eines Vulkans vorbei – spektakuläre Bilder sind garantiert. Insgesamt stehen sechs EM-Läufe auf dem Programm, nur drei führen dabei über Asphaltstraßen, die übrigen über losen Untergrund. Dort will das deutsche Duo jene Erfahrungen einbringen, die es 2016 im Rahmen der Asien-Pazifik-Rallye-Meisterschaft gesammelt hat.

„Mit dem Start in der Rallye-Europameisterschaft geht Fabian Kreim nun den nächsten Schritt in seiner Entwicklung zu einem internationalen Topfahrer“, sagt Andreas Leue, Teamleiter Motorsport und Tradition bei Skoda Deutschland. „Mit Frank Christian hat er dabei auch weiterhin seinen erfahrenen Copiloten an der Seite, auf den er sich blind verlassen kann. Unsere Zielsetzung steht fest: Wir nehmen den U28-Titel ins Visier und wollen dem Rallyesport in Deutschland mit internationalen Erfolgen zu größerer Popularität verhelfen.“ Es wird hier zu Lande wohl viele Fans geben, die für beide Vorhaben die Daumen drücken.

WRC-2-Weltmeister Pontus Tidemand und Jonas Andersson aus Schweden siegten im Skoda Fabia
WRC-2-Weltmeister Pontus Tidemand und Jonas Andersson aus Schweden siegten im Skoda Fabia
© Skoda | Zoom


AMPNET / RB


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