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Rallye Dakar 2016: Acht Jahre, sechsmal Podium – Giniel de Villiers und Dirk von Zitzewitz auf Rang drei

Giniel de Villiers und Dirk von Zitzewitz auf Rang drei

17.01.2016 (Speed-Magazin.de / Dakar 2016) Auf Mr. und Mr. Zuverlässig ist eben genau das: Verlass. Giniel de Villiers und Dirk von Zitzewitz haben bei der Rallye Dakar den sechsten Podiumsplatz in acht Jahren erreicht und damit einmal mehr die Erwartungen übertroffen. Bei der härtesten Rallye der Welt fuhren sie in zwölf gewerteten Etappen und etwa 4.800 Kilometern gegen die Uhr im Hilux des Teams Toyota Gazoo Racing SA auf den dritten Platz. Sie trotzten damit nicht nur der überlegenen Konkurrenz eine der begehrten Trophäen ab, sondern auch der Dakar selbst.



Rallye: Rallye Dakar 2016
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Schwindelerregende Höhen von bis zu 4.600 Meter über Normalnull im Rallye-Tempo, Gewitterstürme mit sintflutartigem Regen, extreme Hitze, puderartiger „Guadal“-Sand, weiche, turmhohe Dünen, gewundene Gebirgspässe und staubige, schnelle Schotterpisten bewältigten „GdV“ und „DvZ“ nahezu fehlerfrei, büßten selbst nur ein Minimum an Zeit ein und kamen damit der idealen „Dakar“-Leistung sehr nah. Das südafrikanisch-deutsche Duo vermochte dennoch die Vormachtstellung der Turbodiesel-Fahrzeuge nicht zu durchbrechen, weil kleinere und größere Rückschläge Zeit kosteten. Zwar waren sie als Dritte bestplatziertes Duo mit einem Saugmotor-Benziner, dennoch bleibt der Diesel-Antrieb in Südamerika ungeschlagen. Eine Ära, die sie mit ihrem Sieg anno 2009 selbst einleiteten, als sie den ersten Triumph eines Selbstzünders mit Volkswagen feierten.

2009, 2011–2013, 2015–2016: Sechs „Dakar“-Trophäen für das erfolgreichste Duo der Südamerika-„Dakar“

Nasser Al-Attiyah hat fünf, Stéphane Peterhansel/Jean-Paul Cottret haben vier. Doch das erfolgreichste Duo der „Südamerika“-Dakar bleiben Giniel de Villiers und Dirk von Zitzewitz – mit nun sechs Podiumsresultaten in den vergangenen acht Jahren. Zwei davon mit Volkswagen, vier mit von Hallspeed entwickelten Toyota Hilux. Kein anderes Duo kann auf mehr Top-3-Resultate verweisen. Und nicht nur das – sie bleiben Mr. und Mr. Zuverlässig: Denn seit Giniel de Villiers und Dirk von Zitzewitz gemeinsam starten – erstmals bei der „Dakar“ 2006 – haben sie stets das Ziel erreicht.

Ein Geduldspiel – „GdV“ und „DvZ“ spielen es nahezu perfekt

Die Rallye Dakar 2016 verlangte von Giniel de Villiers und Dirk von Zitzewitz ein Höchstmaß an Geduld und Cleverness ab. Früh stellte sich die Überlegenheit der konkurrierenden Peugeot und X-raid-Mini heraus, die alle Etappensiege feierten. Und das, obwohl das Team von Toyota Gazoo Racing SA den bisher besten Hilux bei einer „Dakar“ an den Start brachten. Doch in der enormen Höhenlage der ersten Woche des Wüstenklassikers – mit Höhenlagen von bis zu 4.600 Meter über Normalnull in Bolivien – ging früh eine halbe Stunde verloren. Ein unnachgiebiger Wüstenbusch sorgte zudem bei der Rückkehr nach Argentinien nach dem Ruhetag für weitere eingebüßte 20 Minuten, als „GdV“ und „DvZ“ mit allen vier Rädern in der Luft standen und eine Befreiungsaktion starten mussten. Reifenschäden und eine gebrochene Antriebswelle bremsten das Duo zusätzlich ein. Doch wie zerronnen so gewonnen: In den besonders harten Wüstenetappen in Argentinien schlugen die Stunden von de Villiers/von Zitzewitz, die sich in den weichen Dünen und im Schluchtengewirr von Fiambalá von der sechsten auf die dritte Position des Gesamtklassements verbesserten und fortan verteidigten – dank fahrerischer Giniel- und navigatorischer Genie-Streiche. Dirk von Zitzewitz gehört zu den wenigen Co-Piloten, denen 2016 kein Navigationsfehler unterlief.

Das ist ... das Zitat des Tages

„Die Podiumsgaranten haben wieder Wort gehalten! Sechs Podiumsplätze in acht Jahren – das kann sich sehen lassen. Dass wir bei der Rallye Dakar auf dem Treppchen gelandet sind, versöhnt uns am Ende mit ihr. Es war eine Rallye, die alles andere als rund für uns gelaufen ist und damit natürlich nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. In der ersten Woche war die Route zu leicht. Der Veranstalter wollte auf große Höhe hinauf und bis nach Bolivien, der Preis dafür war sportliche Eintönigkeit. Die Härte wurde nicht durch die Strecke bestimmt, sondern durch die Länge der Tage. Es war also anstrengend, aber nicht anspruchsvoll. Außer auf drei Etappen gab es ausschließlich Rallye-WM-ähnliche Routen. Die ‚Dakar‘ sollte aber eine Wüsten-Rallye bleiben. Wir müssen zugeben, dass wir zu Beginn von der Stärke der Peugeot überrascht waren, denn die erste Woche hätte uns entgegenkommen müssen. Genauso überrascht waren wir dann in der zweiten Woche, als wir in der Wüste, die den Buggys liegen sollte, Zeit und Plätze gutgemacht haben, obwohl wir viele Plattfüße und eine Antriebswelle tauschen mussten. Dennoch war unser Hilux ein tolles Auto, das beste, das wir je gebaut haben. Unterm Strich sind wir zufrieden mit der ‚Dakar‘ und werden jetzt an der Zukunft bauen.“

Vorläufiges Endergebnis nach Etappe 13

01. Stéphane Peterhansel/Jean-Paul Cottret (F/F), Peugeot, 45:22.10 Std.

02. Nasser Al-Attiyah/Matthieu Baumel (Q/F), Mini, + 34.58 Min.

03. Giniel de Villiers/Dirk von Zitzewitz (ZA/D), Toyota, + 1:02.47 Std.

04. Mikko Hirvonen/Michel Périn (FIN/F), Mini, + 1:05.18 Std.

05. Leeroy Poulter/Rob Howie (ZA/ZA), Toyota, + 1:30.43 Std.

06. Nani Roma/Alex Haro Bravo (E/E), Mini, + 1:41.06 Std.

07. Cyril Despres/David Castera (F/F), Peugeot, + 1:49.04 Std.

08. Sébastien Loeb/Daniel Elena (F/MC), Peugeot, + 2:22.09 Std.

 
Das sind ... die Zitzewitz’schen Podiumsresultate bei der „Dakar“

2009 (Buenos Aires–Valparaíso–Buenos Aires)

1. Platz Automobil-Gesamtwertung, Volkswagen (mit Giniel de Villiers)

2011 (Buenos Aires–Arica–Buenos Aires)

2. Platz Automobil-Gesamtwertung, Volkswagen (mit Giniel de Villiers)

2012 (Mar del Plata–Copiapó–Lima)

3. Platz Automobil-Gesamtwertung, Toyota (mit Giniel de Villiers)

2013 (Lima–Tucumán–Santiago)

2. Platz Automobil-Gesamtwertung, Toyota (mit Giniel de Villiers)

2015 (Buenos Aires–Iquique–Buenos Aires)

2. Platz Automobil-Gesamtwertung, Toyota (mit Giniel de Villiers)

2016 (Buenos Aires–Salta–Rosario)

2. Platz Automobil-Gesamtwertung, Toyota (mit Giniel de Villiers)

Das ist ... Dirk von Zitzewitz

Er ist nicht nur sprichwörtlich als Navigator geboren. Dirk von Zitzewitz erblickte das Licht der Welt an dem Ort, der ihm seit Jahren ein sportliches Zuhause ist: auf dem Beifahrersitz. Der aus Ostholstein stammende Co-Pilot gilt als einer der Besten seines Fachs. 2009 gewann er als Beifahrer gemeinsam mit Giniel de Villiers die erste jemals in Südamerika ausgetragene „Dakar“. Neuland? Für Dirk von Zitzewitz abseits befestigter Straßen der ideale Ort, sein instinktives Gespür zu zeigen, stets den richtigen Weg zu finden. Der Erfolg und sein Renommee in der Szene sind keineswegs Zufall: Schon als Teenager spielte Zitzewitz mit einem Kumpel und einem klapprigen alten Moped „Dakar“. Damals war das Event jung und international unbedeutend, zog den Offroad-begeisterten Norddeutschen jedoch bereits magisch an. Dirk von Zitzewitz gewann 15 Mal den Titel des Deutschen Enduro-Meisters, ehe er dreimal die Dakar auf dem Motorrad bestritt. Seit 2002 ist er mit unterschiedlichen Fahrern als Co-Pilot bei der Mutter aller Wüstenrallyes angetreten. 2012 schloss sich für Zitzewitz der Kreis: Zehn Jahre zuvor war er erstmals im Automobil angetreten – ebenfalls mit einem privat eingesetzten Toyota. 2016 geht die Kombination De-Villiers-von-Zitzewitz-Toyota in die fünfte Runde. Dazwischen liegt ein großer sportlicher Erfolg: Insgesamt schlagen 13 Podiumsresultate, davon fünf Siege zu Buche. Damit gehört Dirk von Zitzewitz zu den erfolgreichsten Marathon-Rallye-Beifahrern aller Zeiten.


Dirk von Zitzewitz


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