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DRM 2017: Für Skoda ein Wechselbad der Gefühle

Ein vorzeitiges Ende für das deutsche Meisterteam von Skoda gab es bei der ADAC-Rallye Deutschland

24.10.2017 (Speed-Magazin.de) Showdown in Niederbayern. Bei der 3-Städte-Rallye im Landkreis Passau und dem benachbarten Oberösterreich musste gestern die Entscheidung darüber fallen, wer als Sieger die Deutsche Rallyemeisterschaft 2017 beenden würde. Die amtierenden Champions Fabian Kreim und Frank Christian, die schon in den beiden Vorjahren die Rallye rund um Kapfham für sich entschieden hatten, waren als Spitzenreiter angereist. Sie hatten im Skoda Fabia R5 138 Punkte auf ihrem Konto.

Erste Verfolger waren ihre Markenkollegen Dominik Dinkel und Christina Kohl, die 117 Punkte mitgebracht hatten. Nur einen Zähler dahinter lag René Mandel gemeinsam mit Co-Pilot Dennis Zenz in einem Hyundai i20 R5.

Die Papierform sprach für den amtierenden Meister: Fünf Saisonsiege bei den bisherigen sieben Läufen und 48 Wertungsprüfungs-Bestzeiten gegenüber 16 für Mandel und zwölf für Dinkel waren deutlich. Besonders bemerkenswert: Fabian Kreim und Frank Christian hatten zwei Wettbewerbe ohne Punkte absolviert. Die Ausgangslage war also mehr als rosig. Ein fünfter Platz hätte gereicht, mit etwas höherer Mathematik und geringfügig schwächeren Leistungen der Konkurrenz wäre die Meisterschaft selbst bei Platz sechs, sieben oder acht in trockenen Tüchern. Wichtig nur: Das Duo durfte höchstens 21 Meisterschaftspunkte weniger als Markenkollege Dominik Dinkel und höchstens 22 Punkte weniger als Rene Mandel einfahren.

Trotzdem gingen Fabian Kreim und Frank Christian die 3-Städte-Rallye mit der gewohnten Vehemenz an. Nach vier Wertungsprüfungen am ersten Veranstaltungstag lagen sie mit nur 6,4 Sekunden Rückstand auf Platz zwei. Wäre es nicht vernünftiger gewesen, behutsamer die Sache anzugehen?

© Skoda | Zoom
Doch einen Rallye-Profi wie Kreim zu bedächtigerer Fahrweise mahnen ist ebenso wenig von Erfolg gekrönt wie einen Löwen zum Veganer zu machen. Der einzige, der das schaffen könnte, wäre Beifahrer Frank Christian, der zum Beispiel frühere Bremspunkte aus seinem Gebetbuch vorlesen müsste. Doch der lächelte am Vorabend der Entscheidung nur spitzbübisch. Ergebnis: Die Wertungsprüfung fünf am Tag zwei gewann Kreim ebenso wie Wertungsprüfung acht. Erst bei den letzten beiden Entscheidungen ließ er es geringfügig langsamer angehen. Das Endergebnis gab ihm Recht: Mit 13, 9 Sekunden Rückstand auf die Markenkollegen Dinkel und Kohl beendeten Kreim und Christian die 3-Städte Rallye und wurden gleichzeitig mit 161 Punkten zum zweiten Mal in Folge Deutsche Meister. Den zweiten Platz in der Gesamtwertung sicherten sich die Markenkollegen und Sieger des letzten Wettbewerbs mit 144 Zählern vor dem Team Mandel/Zenz mit 116 Punkten, die den letzten Lauf wegen eines Unfalls nicht beenden konnten.

Mit insgesamt sieben nationalen Titeln ist Skoda damit jetzt der erfolgreichste Autohersteller der DRM-Geschichte. Aber der Reihe nach.

Dass Spannung während der gesamten Saison 2017 in der Luft liegen würde, war von Beginn an angesichts der stärker gewordenen Konkurrenz klar. Trotzdem verbreiteten schon vor dem ersten Lauf der Deutschen Rallyemeisterschaft bei der ADAC-Saarland-Pfalz-Rallye Titelverteidiger Fabian Kreim und sein Copilot Frank Christian Zuversicht. „Unser Ziel für dieses Jahr ist ganz klar: Wir sind heiß auf unseren zweiten Titel und wollen am Ende des Jahres wieder feiern“, meinte Kreim, seit dem 2. Oktober 25 Jahre alt. Der Start war in der Tat dann auch vielversprechend. Besser hätte die neue Rallye-Saison für die Beiden nicht beginnen können, weil Kreim und Christian mit dem Sieg zugleich ein Hattrick gelang. Auch 2015 und 2016 hatten sie an der Saar gewonnen. Doch wie eng die Entscheidung letztendlich im Oktober fallen würde, deutete sich bereits nach den 125 Kilometern der zwölf Wertungsprüfungen rund um Sankt Wendel an. Am Ende trennten nur 15,7 Sekunden Platz eins und zwei.

Fünf Wochen später endete die ADAC-Hessen-Rallye Vogelsberg für die beiden Champions noch knapper. Diesmal betrug ihr Vorsprung vor den Zweitplatzierten lediglich 5,1 Sekunden. Sie lagen zwischenzeitlich sogar nur auf Platz fünf und kämpften sich erst mit einer Bestzeit in der letzten Wertungsprüfung des Tages noch auf Position zwei vor. Ein Reifenschaden warf das erfolgsgewöhnte Duo am nächsten Tag jedoch erneut zurück, so dass es mit einem – wenn auch geringen – Rückstand ins Finish ging. Hier bewiesen Kreim/Christian ihre Nervenstärke und eroberten nach 135 Wertungs-Kilometern (Gesamtlänge der Rallye: 438 Kilometer) die Führung zurück.

Skoda Deutschland – zu Hause in Weiterstadt/Hessen – hatte nach der Siegerehrung gleich aus zwei Gründen Anlass zum Feiern. Mit dem Erfolg erfüllte sich nicht nur der lang gehegte Wunsch nach einem Heimsieg bei der Rallye Vogelsberg . Darüber hinaus standen am Ende auf dem Siegertreppchen gleich drei Skoda-Teams. Hinter Fabian Kreim und Frank Christian belegten Dominik Dinkel und Christina Kohl sowie Sandro Wallenwein und Marcus Poschner die Plätze zwei und drei. Alle auf Skoda Fabia R5. Der Jubel sollte sich allerdings ziemlich bald in Rauch auflösen.

© Skoda | Zoom
Die ADAC-Rallye „Rund um die Sulinger Bärenklaue“ im Landkreis Diepholz südlich von Bremen am Ende der ersten Maiwoche endete mit einer Enttäuschung. Souverän in Führung liegend rutschten die Titelverteidiger in der ersten Prüfung am Sonnabend von der Strecke, weshalb sie die dritte Runde zur Deutschen Rallye-Meisterschaft 2017 nicht beenden konnten. Zerknirscht kommentierte Fabian Kreim: „Im vergangenen Jahr hat mich nur ein kleiner Fehler den möglichen Sieg gekostet, diesmal bin ich durch eigenes Verschulden ganz von der Strecke gerutscht und musste aufgeben – es ist schon ein bisschen verhext mit der Rallye Sulingen.“ Kleiner Trost für ihn und seinen Co-Piloten: Sie blieben dennoch mit 60 Punkten Spitzenreiter in der Gesamtwertung.

Wenig später kam es knüppeldick. Wegen eines Fehlverhaltens während der Hessen-Rallye einige Wochen zuvor bekamen die Deutschen Meister des Vorjahres nachträglich die Punkte für ihren Sieg am Vogelsberg aberkannt. Das Missgeschick in Niedersachsen und der Dämpfer in Hessen muss dem Skoda-Duo Flügel verliehen haben. Bei der AvD-Sachsen-Rallye rund um Zwickau feierten die amtierenden Deutschen Meister einen souveränen Sieg und triumphierten nach zwölf Wertungsprüfungen, von denen sie zehn für sich entscheiden konnten, überlegen mit 36,3 Sekunden Vorsprung vor Rene Mandel und Dennis Zenz, damals noch im Ford Fiesta.

Drei Wochen nach ihrem vorzeitigen Aus bei der Rallye Sulingen waren Kreim und Christian von Beginn an das Maß der Dinge und standen – nach dem Punktverlust am grünen Tisch – in der Gesamtwertung mit 60 Punkten auf Platz zwei hinter Mandel/Zenz mit 72 Punkten. „Das war ein ganz wichtiger Sieg für uns, der die Chancen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung entscheidend verbessert hat“, meinte das Skoda-Duett übereinstimmend. „Das war eine Rallye zum Genießen. Unser Auto funktionierte perfekt, wir haben es einfach laufen lassen.“

Ein großes Stück Arbeit erwartete die amtierenden Meister einen Monat später in Ostwestfalen bei der ADAC-Rallye Stemweder Berg. „Es war ein harter Kampf, wir mussten alles geben und immer 100 Prozent konzentriert bleiben – kein Vergleich zum ersten Erfolg im Skoda hier vor zwei Jahren“, sagte Fabian Kreim hinterher. Zwar übernahm der amtierende Champion am Freitagabend in der ersten Prüfung sofort die Führung, musste sie jedoch wenig später wieder abgeben und fand sich zwischenzeitlich gar auf Platz vier wieder. Den ersten Tag beendeten Kreim/Christian dennoch auf Platz zwei – Skoda-Markenkollege Dominik Dinkel sowie die Ford-Kontrahenten Rene Mandel und Christoph Brugger zeigten sich von Beginn an als die erwartet harten Gegner.

Mit einer Aufholjagd sicherten sich Kreim/Christian am Sonnabend zunächst mit einigen Bestzeiten den Spitzenplatz bis in der drittletzten Wertungsprüfung das Schicksal zuschlug. Am Ausgang einer Schikane touchierte ihr Skoda Fabia R5 einen im Gras versteckten Stein und beschädigte sich dabei die vordere rechte Radaufhängung. Aber das robuste Auto hielt durch. Die Champions waren nach 133 Kilometern und 15 Wertungsprüfungen im Ziel 9,3 Sekunden schneller als ihre Dauerrivalen Rene Mandel und Dennis Zenz, durften sich nach der Sachsen-Rallye über den zweiten Triumph in Folge freuen.

Der Hattrick ließ nicht lange auf sich warten und folgte am ersten Augustwochenende in Thüringen, wo Kreim und Christian alle zehn Wertungsprüfungen als Schnellste hinter sich brachten. Am Ende standen sie mit einem Vorsprung von fast einer Minute als Sieger fest. Außerdem hatten sie mit 120 Punkten die Führung in der Gesamtwertung übernommen und lagen jetzt 27 Zähler vor Ford-Pilot Rene Mandel und 32 vor Dominik Dinkel.

© Skoda | Zoom
Bei der ADAC-Rallye Niedersachsen zu Füßen des Harz hätte am 9. September die Entscheidung über die Deutsche Meisterschaft bereits fallen können. Zuvor gaben Kreim/Christian bei der zur Weltmeisterschaft zählenden Rallye Deutschland am 19. August ein kurzes Gastspiel bei dem sie in der anspruchsvollen Wertungsprüfung Mittelmosel 1 durch die Weinberge der versammelten Rallye-Weltelite in ihrer Klasse die Rücklichter zeigten (Kreim: „Highlight meiner Karriere“). Leider riss einen Tag später die Glückssträhne ab, als ihnen ein Reh in die Quere kam und sie aufgeben mussten. Ein schlechtes Omen für den vorletzten Lauf zur DM in Niedersachsen?

Kreim und Christian lagen als Spitzenreiter in Harz-Vorland bei Osterode lange auf dem Kurs zum vorzeitigen Titelgewinn, ehe ein Ausrutscher über eine nasse Wiese den möglichen Sieg kostete. „Wir wollten unseren zweiten Titel gern schon in Niedersachsen perfekt machen. Sorry ans Team für meinen Fehler und Haken hinter Niedersachsen. Jetzt müssen wir wie im vergangenen Jahr bei der 3-Städte-Rallye den Titel holen“, kommentierte Fabian Kreim seinerzeit, der sich mit dem dritten Platz zufrieden geben musste. Gefeiert wurde in Osterode trotzdem: Die Skoda-Markenkollegen Dominik Dinkel und Christina Kohl konnten ihren ersten DRM-Gesamtsieg bejubeln.

Der Rest der diesjährigen Deutschen Rallyemeisterschaft ist Geschichte wie am Anfang nachzulesen ist. Am Ende gab es im Ziel der 3-Städte-Rallye jede Menge zu feiern, die beiden Champions wechselten sogar von Apfelschorle zu Bier und Schampus.

Doch fehlt da nicht noch was?

Aber ja. Der wichtigste Akteur wäre um ein Haar nur beiläufig erwähnt geblieben, weil er sich bescheiden im Hintergrund hielt. Es war der Skoda Fabia R5, der die alten und neuen Champions kein einziges Mal im Stich ließ. Man sollte ihm einen großen Extraschluck besonders gutes Superbenzin gönnen.


AMPNET / ND


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