03.09.2007
Stephan Klarner, kurz einfach Steps genannt, berichtet persönlich über sein zweites Highspeed Kartprojekt. Seit dem legendären Tyrell P34 Formel 1 Rennwagen im Jahr 1976 war Steps von der Idee begeistert ein Kart in diesem Stil zu bauen. Er hat seine Idee verwirklicht und berichtet nun exclusiv im Speed Magazin über die Technik und über die Fahreigenschaften dieses Highspeed Karts. Wir beginnen heute und Steps wird in loser Folge weitere Neuigkeiten von seinen Tests hier veröffentlichen.
Im Jahr 2004 stieß ich bei der Suche nach Nordschleifen Rundenzeiten auf des „Gixxerkart“ von Achim Korden. Dies inspirierte mich zum Bau meines ersten kpl. Eigenbau-Karts, dem „Sukart-S1“. Dieses entstand aus dem CRG-Schaltkart Chassis meines jahrelang vorher genutzten Karts.
Das Chassis wurde mit gleichem 32 mm Rahmenmaterial um 50 cm verlängert, der 1100 ccm Motorradmotor mittragend eingebaut und die Bremsanlage mittels Motorradbremsen rundum aufgerüstet. Während der Bauzeit lernte ich andere Kartbauer u.A. via Internet-Recherche kennen, auch Robert de Laczkovich aus Berlin mit seinem „4 Zylinder Yamaha 600 Kart“. Ich merkte sehr schnell, das es da eine recht große und wachsende Szene gab.
Der Austausch von Informationen begann. Nach Fertigstellung im April 2005, begann ich zunächst mangels anderer Möglichkeiten, auf Kartbahnen zu testen. Entgegen vielen „Unkenrufen“, fuhr sich das Kart sehr sicher und schnell. Es folgte im Laufe des Jahres dann viele Fahrtage und Treffen und auch ein 2. Platz beim SBT (Treffen und Rennen der Kartbauer).
Im Jahr 2006 eröffneten sich dann im Laufe des Jahres mehrere Möglichkeiten, mit dieser Art Kart auf richtigen Rennstrecken zu fahren. (Nürburgring, Oschersleben, Most, Hockenheimring, usw.) Ich bestritt mit dem „Sukart-S1“ die 3 Läufe zur „Vredestein-Throphy“ und beendete diese mit dem 1. Platz in meiner Klasse (über 1000 ccm) und einem 3. Gesamtplatz (Jahreswertung) der Klasse „Kart“.
Nach 2 Jahren Praxis und Erfahrung mit dem „Sukart-S1“, entstand im Herbst 2006 die Idee, ein Kart im Stile des legendären Tyrell P34 Formel 1 Rennwagens (1976) zu bauen. Ich war schon immer ein Fan dieses sehr speziellen 3-achsigen Formel–1 Fahrzeugs. Als mehr und mehr Leute von dieser Idee erfuhren, wurde ich von vielen Seiten ermuntert, mit dem Bau des schnell „P34-Kart“ (benannt nach dem Tyrrell P34) genannten Projekts zu beginnen. Nach einigem Zögern schritt ich dann Anfang Winter 2006 zur Tat und dokumentierte den Aufbau auch auf meiner Webseite www.p34-kart.de von Anfang an bis zum heutigen Tag.
Schon während der Bauzeit erweckte das Kart große Beachtung. Man diskutierte in Foren weltweit darüber und selbst Leute in der Superkart-Szene wurden darauf aufmerksam und interessierten sich dafür. Kurz vor Fertigstellung meldete sich auch das Fernsehen und ein Termin zum Dreh (für die Sendung „Dmotor“) wurde mit dem Sender „DMAX“ für Anfang April 2007 vereinbart.
(Das Video gibt es auch auf meiner Webseite www.p34-kart.de unter: Nutzung/DMAX) Der „Druck“, das Projekt technisch optimal funktionierend zu Ende zu bringen, wuchs nun beachtlich. Vor diesem Drehtermin musste natürlich zumindest einmal unter allen Bedingungen getestet werden.Dies wurde mir durch einen Bekannten aus der Kartbau-Szene auf einem Flugplatz bei Göttingen ermöglicht. Das Kart funktionierte von Anfang an nahezu perfekt und war sehr gutmütig zu fahren, auch mit den an der Hinterachse anliegenden gemessenen 128 PS. Ich steigerte die Speed langsam bis zu (mit Radar) gemessenen 210 km/h und konnte diesen Testtag positiv abschließen. Danach folgte Schlag auf Schlag, zuerst der TV-Drehtermin und nahtlos die Teilnahme am Training der Superkart-Serie am Nürburgring. Ich war stolz, dazu eingeladen zu sein.
Es zeigte sich, dass die Rundenzeiten der Topleute von der Superkartserie schneller waren, da diese erheblich mehr Erfahrung hatten und auch viel später bremsen konnten, als ich mit meiner Neuschöpfung. Dieser letzte Punkt wird nun kontinuierlich verbessert und das P34-Kart bekommt im Winter 2007 / 2008 ein größeres Bremsen-Update. (4. Scheibenbremse) Die erzielte Topspeed lag aber jetzt schon jetzt über Superkart-Niveau. Im Laufe des Jahres 2007 bekam ich einige Möglichkeiten, auf verschiedenen GP-Strecken mit dem „P34-Kart“ zu fahren und dessen Performance, Zuverlässigkeit und Wettbewerbsfähigkeit unter Beweis zu stellen.
Herausragend war für mich der Tag auf der GP-Strecke in Hockenheim am 1.7. dieses Jahres. Dieser Fahrtag wurde als 2. Event im Jahr 2007 vom „Hirth-Speed-Club“ organisiert. (Link HSC => www.hirth-speed-club.de ) Ziel des HSC ist es, unser Hobby völlig ohne Rennstress und den auch damit verbundenen höheren Kosten sowie bürokratischen Unannehmlichkeiten, gemeinsam auf GP-Strecken ausüben zu können. Ganz nach dem Motto: Spaß am Kartfahren haben und ein schöner Tag unter Gleichgesinnten verbringen. Ich bin sehr glücklich, auch beim den vom HSC organisierten Events mit meinem P34-Kart und Robert zusammen fahren zu dürfen. Erstmals hatte ich das GPS gestützte Datarecording System der Firma „Leitspeed“ (www.leitspeed.de) an Bord und konnte daher alle relevanten Daten exakt aufzeichnen.
Seit dem legendären Tyrell P34 Formel 1 Rennwagen im Jahr 1976 war Steps von der Idee begeistert ein Kart in diesem Stil zu bauen
Es zeigte sich, dass an Querbeschleunigung bis zu 2 G erreicht wurden, die Topspeed am Bremspunkt Ende „Parabolika“-Kurve betrug 229,74 km/h, die Rundenzeiten lagen bei tiefen 1:52 ... Nicht nur ich war begeistert von den guten Fahreigenschaften, auch bei diesen sehr hohen Geschwindigkeiten.
Es folgten danach noch weitere Fahrtage, u.A. in Frankreich („Croix en Ternoise“. Der nächste zukünftige Termin ist nun der 18.10.2007 am Nürburgring (DTM-Strecke).
Ich betrachte diese Art Kart als eine gute Möglichkeit, technische Lösungen testen zu können, die wohl zukünftig auch in anderen Kartklassen Einzug halten werden. Ich meine hiermit vor Allem, die Verwendung zuverlässiger und auch sehr lange haltbarer 4-Taktmotoren. Dies entspricht in Zeiten immer weiter verschärften Abgas und Lärmbestimmungen, dem vernünftigsten Trend. Dies auch und gerade im Rennsport, der nach wie vor als „Technologieträger“ und Vorreiter technischer Möglichkeiten fungiert.
Ein gutes Beipiel dafür ist auch die hier an anderer Stelle vorgestellte „Tiptronik“-Schaltung von Mechatron-Kart. Der Firmeninhaber Paul Groß entstammt eben dem Kreis der Kartbauer und wir haben schon viele gemeinsame Fahrtermine verbracht.
Karts der Art „P-34-Kart“ stellen natürlich nur eine Machbarkeitsstudie dar und werden in Zukunft eher in Richtung „leichter / kompakter“ weiter entwickelt werden. Das „Miteinander“ auf Kartbahnen und Rennstrecken funktioniert jedenfalls schon immer gut.