16.05.2007 An Nick Heidfeld werden derzeit sehr viele Fragen gerichtet wegen BMW Vertragsverlängerung, wegen Barcelona - (bei wem war denn da die ´Schraube locker´?) - etc.etc. Zu einer Frage jedoch kam während eines Interviews beim GP Spanien eine sehr knappe und wirklich trockene Antwort: "Nick Heidfeld, was halten Sie eigentlich von Frauen im Motorsport?" Seine kurze Antwort: "Gar nichts."
Nick hat dann aber gerade noch so den Stachel aus der Bemerkung raus genommen, als er dieser harten Äusserung mit einem witzigem Blick ´über´ die viel zu große Sonnenbrille schnell noch was hinzufügt: "Über kurz oder lang werden auch in der F1 Frauen fahren. Es kommen momentan einfach mehr Frauen und Mädchen in den niedrigeren Klassen, da wird es sicherlich eine schaffen."
Speed Magazin hat ein bisschen im Archiv gestöbert und ist fündig geworden. Also lieber Nick, was sagt man denn da dazu:
Schon 1960 eine Frau in der Formel 1!!!
(Giovanna Amati)
Die Italienerin Maria Teresa Filipps hatte sich als erste Frau für Formel-1-WM-Läufe qualifiziert. Ihre beste Platzierung erreichte sie 1960 mit Rang zehn in Spa. Einzige Frau in den Punkten war Lella Lombardi "die Tigerin aus Turin". In Barcelona 1975 wurde sie Sechste und holte einen halben WM-Punkt (dieses Rennen wurde wegen mehrerer Unfälle abgebrochen und der deutsche Jochen Maas gewann seinen einzigen Grand Prix). Die Römerin Giovanna Amati bekam 1992 ein Formel-1-Cockpit, verpasste aber drei Mal den Sprung in die Startaufstellung und wurde dann durch Damon Hill ersetzt.
(Katherine Legge) Katherine Legge verzaubert mit dunklen Haaren, braunen Augen und einem gewinnenden Lächeln. Doch nicht nur mit ihrem Aussehen beeindruckt die hübsche Britin. Sie drückt ganz schön aufs Gas, wenn sie in einem Rennauto sitzt. Vielleicht bald in der Formel 1? Nichts ist unmöglich. Ende November 2006 ging für Katherine Legge ein Traum in Erfüllung. Sie durfte als erste Frau nach fast dreieinhalb "frauenlosen" Jahren in ein Formel-1-Auto steigen. Im italienischen Vallelunga lässt sie Minardi an ein Formel-1-Steuer. Ihre Visitenkarte: In diesem Jahr gewann sie in den USA drei Rennen in der Nachwuchsserie Formel Atlantic und wurde in der Gesamtwertung Dritte. "Ein Formel-1-Auto zu fahren war ein Traum von mir, seit ich ein kleines Kind war. Ich bin immer noch ausser mir vor Freude, dass ich den Minardi fahren durfte", so Legge. Allerdings ist sich die 25-Jährige im Klaren, dass Formel-1-Rennen für sie noch zu früh ist. In der nächsten Zeit will sie sich lieber der Champ-Car-Serie widmen. (Sarah Fisher) (Danica Patrick)
Eine Frau in der Männerdomäne Formel 1 ist nichts ganz Neues. Katherine Legge hat eine Reihe ebenso attraktiver wie spannender Vorgängerinnen. Sarah Fisher war zum Beispiel in den USA in einem Formel-1-Auto unterwegs war - Im Juni 2002 fuhr sie beim Grossen Preis der USA in Indianapolis einige Demonstrationsrunden im McLaren-Mercedes. Danica Patrick ist bereits ein Star in den USA. Und Indianapolis hätte 2005 sogar fast das Formel-1-Debüt von Danica Patrick erlebt, denn die Indy-Pilotin galt als nächste Formel-1-Kandidatin. Überzeugende Leistungen in der Indy Racing League (IRL) und blendendes Aussehen brachten Danica Patrick in eine aussichtsreiche Position. Doch Terminprobleme verhinderten ihre Testfahrten (vorerst).
Nachwuchshoffnung Natacha Gachnang. Sogar der Vater der 17jährigen Schweizer Nachwuchshoffnung Natacha Gachnang hat erkannt: "Es ist ein Vorteil, dass meine Tochter hübsch ist. Wäre sie nicht attraktiv, hätte sie überhaupt keine Chance", so Olivier Gachnang 2004 in einem Magazin-Interview. Natacha Gachnang, eine Zeitlang auch unter den Fittichen von Schumacher-Manager Willi Weber, gilt als riesengrosses Talent und schaffte den Sprung in den begehrten BMW ADAC Formel Junior Cup. "Ich liebe es mich mit Männern zu messen", sagt der Teenager ohne Angst vor der Zukunft im Rennsport.
(Jackie Weiss) Ganz einfach ist für Frauen der Einstieg in den Rennsport nicht, denn Sponsoren schauen nicht nur aufs Talent. Eine Laufbahn als Top-Pilotin hängt also nicht nur vom fahrerischen Können ab. Sponsoring spielt im Motorsport eine grosse Rolle, damit steht oder fällt alles. Und da potenzielle Geldgeber viel eher einen Mann unterstützen, müssen Rennfahrerinnen nicht nur schnell, sondern oft auch hübsch sein, um voran zu kommen.
Jackie Weiss erlebt jetzt aktuell einen Klassiker, den viele junge Nachwuchspiloten bereits vor ihr auf schmerzliche Art und Weise erfahren mussten: Nach Zusage und groß angelegter Pressekampagne brach der Kontakt zu einem potenziellen Sponsor - in ihrem Fall ein Wiener Verlagshaus - ab, seitdem herrscht Funkstille. Frauen haben es wahrlich nicht leichter als Männer den Einstieg im Rennsport zu finden...
Kein Sponsor, kein Rennen! Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, Vater zweier Teenagerinnen, bezweifelt stark, dass es eine Frau in nächster Zeit im Autorennsport an die Spitze schaffen wird. "Höchstwahrscheinlich werden Frauen nie die Gelegenheit dazu erhalten, denn niemand will sie ernst nehmen. Deshalb werden sie auch nicht in konkurrenzfähige Rennwagen steigen können...". Der F1-Gigant, der immer nach neuen PR-Strategien Ausschau hält, meint weiter: "Wirklich toll fände ich, wenn das richtige Mädel auftauchen würde, vielleicht eine Schwarze die super aussieht, wennmöglich Jüdin oder Muslimin ist, und spanisch spricht." Ecclestones Äusserungen sind zwar taktlos, treffen aber die Wahrheit. Sponsoring ist für Rennfahrer immer ein vordringliches Thema, denn damit steht oder fällt eine Karriere, insbesondere für Frauen, die es in die Top-Klasse schaffen wollen. Frauen müssen talentiert und zugleich attraktiv sein, um das Interesse von Sponsoren zu wecken. Männer müssen nur fahren können. Das ist die Realität. (Steffi Halm) (Sussie Stoddart)
(Vanina Ickx) Dennoch nur eine Frage der Zeit: Die weiblichen Rennstars in den USA sind derzeit Danica Patrick und Katherine Legge. In Europa dreht Vanina Ickx ihre Runden. Die 30-Jährige Tochter des zweimaligen Vize-Weltmeisters Jacky Ickx fährt die DTM und verzaubert nicht nur mit ihrem Lächeln. Susie Stoddart ist auch sehr erfolgreich in der DTM unterwegs, SteffiHalm vertritt im Porsche Carrera Cup das weibliche Geschlecht. Das Potenzial ist da. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, wann die nächste Frau in einem Formel-1-Rennen die Männer verheizt...