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STT H&R Cup: Joachim Bunkus siegt sich zum Titel beim Saisonfinale auf dem Nürgburgring

Sektdusche für den zweifachen STT Meister

25.10.2011 (Speed-Magazin) Es war ganz das erwartete hochbrisante Finale. Beim siebten Lauf der Spezial Tourenwagen Trophy reisten drei Piloten mit Titelchancen in die Eifel. Dabei schlug ein Kleiner die Großen. Joachim Bunkus (Triumph Dolomite Sprint) heißt der neue Champion der STT. Während Pertti Kuismanen (Ford GT) im ersten Rennen patzte, hielt Christopher Gerhard (Porsche 997 GT3 Cup) das Titelrennen offen. Am Ende sicherte sich Joachim Bunkus mit einem Pünktchen Vorsprung den zweiten STT Meistertitel nach 2005. 

Dieser eine Punkt war hart erkämpft. Das berühmte Zünglein an der Waage war Klassenkonkurrent Jörg Bernhard im Honda S2000. Schon im Zeittraining hatten sich die 2-Liter Piloten wenig geschenkt. Einmal war Bunkus, das andere Mal war Bernhard schneller. Das Rennen hielt dann auch, was das Training versprochen hatte. Positionswechsel, enge Zweikämpfe und das alles ganz fair ohne Berührung – mehr konnte der Zuschauer nicht verlangen. Es war Motorsport der Spitzenklasse, was die beiden Piloten da boten. Um 0,342 Sekunden setzte sich der mausgraue Honda gegenüber dem 35 Jahre alten Triumph Dolomite durch. „Das erste Rennen hat tierisch Spaß gemacht. Es war ein toller und fairer Kampf, wir haben fünfmal die Position gewechselt“, freute sich 2-Liter Sieger Bernhard. Joachim Bunkus sah dies genauso, auch wenn der Druck sich dadurch noch einmal erhöhte.

Bunkus und Bernhard lieferten einen beeindruckenden Zweikampf

Bunkus und Bernhard lieferten einen beeindruckenden Zweikampf

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© P. Holzer

Die Prämisse für das zweite Rennen war klar – nur ein Sieg würde zum Titel reichen. Joachim Bunkus erwischte den deutlich besseren Start und machte so Boden gut. Zudem plagten Jörg Bernhard Zündaussetzer, so dass gegen Rennende nichts mehr zu holen war. Störungsfrei lief es für Joachim Bunkus dennoch nicht. Der fünfte und sechste Gang hatte sich zwischenzeitlich in den vorzeitigen Winterschlaf verabschiedet. Das trug freilich nicht gerade zur Beruhigung der Nerven bei. „Da wurde noch einmal richtig nervös. Gott sei Dank haben sich die Probleme mit der Schaltung wieder gelegt. Man hört dann einfach alle Geräusche, aber es hat doch alles geklappt“, war der sympathische Norddeutsche zufrieden. „Nach der letzten Saison haben wir zu Saisonbeginn nicht wirklich mit dem Titel gerechnet. Aber irgendwann haben wir gemerkt, dass es um mehr geht“, so der neue Meister. Der Klassensieg vor Jörg Bernhard, Marc Roth (Toyota Corolla) und Jörg Heinemann im Opel Astra bedeutete den einen entscheidenden Punkt Vorsprung vor Christopher Gerhard.
 
Christopher Gerhard mit Handicap ins Finale
Der Porsche-Pilot kämpfte bis zum Schluss. Dabei war der Viersener deutlich gehandicapt ins Finale gegangen. „Ich bin froh, dass ich überhaupt fahren konnte. Ich wurde vor einigen Tagen an der Hand operiert und konnte nur mit Schmerzmitteln fahren“, so Christopher Gerhard. Das machte die Aufgabe nicht gerade leichter. Denn klar war, wollte der STT Meister von 2009 erneut ganz oben stehen, müsste er Klassenkonkurrent Pertti Kuismanen (Ford GT) schlagen. Der Finne untermauerte seine Titelambitionen mit zwei zweiten Plätzen im Qualifying. Nachdem René Snel (Porsche 996 GT2) von Startplatz drei aus in Führung geschossen war, fiel Kuismanen hinter Edy Kamm (Audi A4 DTM) auf den dritten Rang zurück. Der schnelle Schweizer biss sich im Heck des weißen GT2 Porsche fest und zog in der dritten Runde vorbei. Der DTM Audi war nicht zu stoppen und holte sich mit 22,588 Sekunden Abstand den fünften Saisonsieg. Im Grunde hätte sich Kuismanen mit der dritten Gesamtposition hinter Snel zufrieden geben können.

Klassenkonkurrent Christopher Gerhard konnte trotz allem Einsatz dem leistungsstärkeren GT3 Renner nicht folgen. Dennoch attackierte Kuismanen den vor ihm fahrenden Snel. In der sechsten Runde riskierte der Titelanwärter zu viel. Quietschend verabschiedete sich Kuismanen aus dem Titelkampf, als sich der ultraflache Retro-Renner eingangs Start und Ziel drehte. „Das war knapp. Ich musste voll in die Eisen, um Pertti Kuismanen nicht in die Seite zu fahren“, kommentierte Snel das Geschehen. Zwar schien der Finne noch einmal ranzukommen, doch gegen Rennende machte die Kupplung Scherereien. Somit war der Weg zum Klassensieg für Christopher Gerhard frei. Zwar musste er den dritten Podestplatz noch an Chrysler Viper GTS-R Pilot Daniel Schrey abgeben. Aber mit Platz vier gelang der überaus wichtige Klassensieg vor Lukas Moesgen im Porsche 996 RSR und Alex Kindermann (Porsche 997 GT3 Cup).Im zweiten Heat hätte Christopher Gerhard dank des Streichergebnisses eigentlich gar nicht mehr antreten müssen. Mehr als 150 Punkte waren nicht drin. Diesmal hielt sich Kuismanen schadlos und holte sich den Klassensieg vor Gerhard und Moesgen, der bei seinem ersten STT Auftritt eine starke Leistung bot. „Das war heute natürlich nicht gut für mich. Im ersten Rennen brach die Kupplung, im zweiten bekam ich eine Stop and Go, wohl wegen Überfahrens der weißen Linie“ so ein enttäuschter Kuismanen, der nach 2007 erneut den Titel knapp verpasste. „Wir werden über den Winter die Viper wieder richten. Vielleicht fahre ich auch im nächsten Jahr, je nach Strecke, mit der Viper und dem Ford GT“, kündigte der Finne an. Christopher Gerhard konnte mit dem Vizetitel gut leben. Noch auf der Start und Zielgeraden gratulierte er dem neuen Meister der STT. „Natürlich wäre ich lieber Meister geworden. Aber mit Joachim Bunkus hat es einer geschafft, dem ich das auch wirklich gönne. Es hat halt nicht sollen sein. Ich fahre aber trotzdem, sagen wir mal, zu 95 Prozent zufrieden nach Hause“, so Christopher Gerhard.
 
Edy Kamm nicht zu schlagen
Durch den megaspannenden Titelkampf ging der sechste Saisonsieg für Edy Kamm fast unter. Der Schweizer war erneut nicht zu schlagen, so dass die GT-Piloten René Snel und Daniel Schrey das Nachsehen hatte. Dennoch holte sich der Niederländer durch den Sieg in der großen STT Klasse die entscheidenden Zähler für Rang fünf in der Endabrechnung. Jeweils zweimal auf dem klasseninternen dritten Rang landete Ralf Karst im Porsche 997 GT2. Mit den Gesamtplätzen acht und sieben beendete der Porsche-Pilot eine starke Debütsaison als Gesamtelfter. „Es war sehr kalt und schwierig zu fahren. Wir sind in der Klasse zweimal Dritter geworden. Das ist eigentlich optimal und das haben wir uns auch als Ziel gesetzt“ so Ralf Karst. Hinter Karst landeten in beiden Rennen Ed Nicelife (Corvette C6R) und Petr Zrubecky (Porsche 996 Turbo) auf den weiteren Plätzen.
 
Bärenstarke 3,5 Liter Klasse mit zehn Autos
Besonders stark war an diesem Wochenende die STT Klasse bis 3500 ccm besetzt. Hier sorgten die Gaststarter für reichlich Spannung. Am Klassensieg von Achim Heinrich im BMW M1 gab es aber nichts zu rütteln. Der schicke M1 kämpfte munter mit den Fahrzeugen der höheren Klassen und belegte im Gesamtklassement die Plätze neun und zehn. „Wir hatten Probleme mit den Reifen wegen der kalten Temperaturen. Das hat man besonders in den Kurven gemerkt. Es hätte schon ein wenig besser gehen können, aber zwei Klassensiege sind dann doch ok“, so der M1 Pilot. Platz zwei holte sich im ersten Heat der junge Chris Schmitz im Audi S3. Dritte wurde Nicole Müllenmeister, die sich an diesem Wochenende mit Jochen Thissen einen Opel Astra OPC teilte. Daher musste sich Joachim Duscher (Audi 80 Turbo), der anfänglich vor Müllenmeister gelegen hatte, mit dem fünften Klassenrang vor Dr. Heinrich Spies (Seat Leon) und Gerhard Füller (BMW M3 E30) zufrieden geben. Im zweiten Durchgang holte sich Duscher den zweiten Platz vor Seat Leon Pilot Spies und Jochen Thissen. Der fünften Platz in der Klasse ging an Chris Schmitz vor Mike Jäger (Porsche Cayman), Marzena Kwapisz (VW Scirocco) und Marc Poos im BMW M3 E36. In dieser extrem stark besetzten
 
Klasse reichte es für STT Rookie Niklas Bauckhage (Opel Astra OPC) hinter Petra Kolic-Wiese (Audi TT) zu Klassenrang zehn. Im ersten Heat hatte sich Teamkollege Dominic Drabiniok noch vor Kolic-Wiese den achten Platz in der Klasse gesichert.
 

Michael Irmgartz erlegte Platz vier in der Klasse 2 der STT

Michael Irmgartz belegte Platz vier in der Klasse 2 der STT

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© P. Holzer

Frauenpower in der STT
Beim STT Finale traten gleich vier Damen im Starterfeld an – neuer STT Rekord. Neben dem dritten Platz von Nicole Müllenmeister, stach vor allem eine junge Motorsportlerin hervor. Alexandra Irmgartz (Porsche 964 RS) setzte sich bei den luftgekühlten Porsche zweimal gegen Ralf Bender im 964er Cup Porsche durch. In der Saison 2011 landete die Porschepilotin gleich in ihrem ersten Jahr als fest eingeschriebene Teilenehmerin auf einem starken vierten Gesamtplatz. Außerdem gab es nach 2010 den erneuten Sieg in der Junioren Wertung der Spezial Tourenwagen Trophy zu bejubeln.
 
Die 24jährige knüpfte damit nahtlos an die großen Erfolge ihres Vaters an, der bereits dreimal die STT gewinnen konnte. Michael Irmgartz (Porsche 944 GTR), der die Saison gemeinsam mit Dr. Thomas König bestritt, landete in der STT Klasse 2 auf dem vierten Rang. Dabei beharkte sich der erfahrene GT-Pilot lange mit Achim Heinrich. „Ich dachte mir, von einer Weißwurst kannst du dich nicht besiegen lassen“, war Irmgartz nach dem Rennen gut aufgelegt. Im Rennen davor war Teamkollege König noch ausgefallen. Dr. Ingolf Piechota beendete seine STT Debütsaison in der Klasse 2 mit den Plätzen vier und fünf. Damit landete er gleich auf Anhieb in den Top 10 der Jahresendabrechnung.
 
Gislerud verpasst nur knapp das Podest
In der STT Spezial Klasse führte kein Weg am starken Audi A4 DTM von Edy Kamm vorbei. Sven Fisch holte sich im ersten Rennen vor Christer Gislerud (Stealth B6) und Kurt Hoffmann (Caterham R300) den zweiten Platz. Zum zweiten Rennen musste der rote V8 STAR mit kaputter Hinterachse im Fahrerlager bleiben. Diesmal holte sich der junge Norweger den zweiten Rang. Dabei mischte der Stealth Pilot auch ganz vorne im Feld mit. Mit dem engsten Zieleinlauf des Tages von 0,072 Sekunden setzte sich Daniel Schrey beim Kampf um den dritten Podestplatz hauchzart durch. „Das war ein schöner Kampf mit der Viper. Zwar war ich in den Kurven schneller, doch auf den Geraden hat die Viper einfach mehr Power“, war Gislerud mit seiner Premiere auf dem Eifelkurs zufrieden.
 
Damit geht eine sehr spannende und gute Saison für die Spezial Tourenwagen Trophy in der kalten Eifel zu Ende. Der positive Trend der Serie setzte sich mit 18 Gaststartern auch beim Finallauf fort. Mit Joachim Bunkus darf sich die STT zudem über einen würdigen und sympathischen Meister freuen. Dies zeigt aber auch, dass es nicht immer ein großes Auto benötigt, um in der STT Erfolg zu haben. Dabei blieb der Titelkampf dank Christopher Gerhard und Pertti Kuismanen bis zum Schluss offen. Anfang Dezember geht es für die Fahrer und Teams der STT mit der Siegerehrung auf der Motor Show in Essen weiter. Bis dahin wartet auf STT Organisator Rolf Krepschik einige Arbeit – denn nach der Saison ist bekanntlich vor der Saison.


Chris H. / P. Holzer


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