19.11.2008
Im Kartsport ist die junge Dame schon längst bekannt. Doch jetzt will Lena Heun den Schritt in den Formelsport machen und sich auch da unter den Jüngsten beweisen. Im Speed-Magazin.de berichtet die erst 16jährige über ihre bisherigen Erfolge im Motorsport...
Lena Heun: Seit meinem 5.Lebensjahr hat mich die Liebe zum Motorsport auf immer größer werdende Ziele blicken lassen. Im Hinblick darauf habe ich mich nie entmutigen lassen, sondern bin mit Entschlossenheit, Ehrgeiz und vor allem eisernen Willen darauf zugegangen. Als ich mit 8 Jahren meine ersten bundesweiten Rennen fuhr wusste ich schon zu diesem Zeitpunkt: das ist mein Leben und hier fühle ich mich wohl. Auch wenn die damaligen Plazierungen nie auf späteren Erfolg hindeuteten. Aber es heißt ja nicht umsonst: Übung macht den Meister!
Mein Vater und ich waren und sind bis heute ein eingespieltes, unschlagbares Team. Zusammen entwickeln wir eine so positive, motivierende Stimmung, die mir besonders in schwierigen Situationen schon oft zum Erfolg verholfen hat. Sei es durch Mut zusprechen, Glück wünschen, die Hand vor dem Rennstart drücken oder mir einen heftigen Klaps auf die Schulter geben, so dass ich mich fast verschlucke... Wir entwickeln gemeinsam die Strategien vor den Rennen, und es gibt eine ganz besondere Art meines Vaters, die wirklich nur er so massiv erzeugen kann: mich so wütend und aufbrausend ins Rennen zu schicken, dass ich mir nicht nur einmal still unter meinem Helm die bösesten Schimpfwörter gegen ihn ausgedacht habe! Aber dann zeige ich ihm auf meine Weise die Meinung, indem ich zum Beispiel von Startplatz 8 startend, nach der dritten Runde bereits auf Platz 1 liege und einen Sieg nach Hause nehme.
Mit 8 Jahren fuhr das deutsche Talent ihr erstes Kartrennen
Dazu muss ich zur besseren Erklärung erwähnen, dass ich so sauer in die Box fuhr und meinen Vater keines Blickes würdigte während mein Team und er mich nur auslachten, weil deren Plan aufging. Ich sollte meine Aggressionen an meinen Konkurrenten auslassen. Dies sind so ganz persönliche Erfahrungen, mit denen man mir in meiner Motorsportlaufbahn immer wieder den richtigen Weg gezeigt hat.
Auf einmal, nach vielen Presseartikeln und zwei gewonnenen Deutschen Meisterschaften in den Jahren 2004 und 2005, stand ein großer Sponsor da und meine noch unsichtbaren großen Ziele und Träume waren plötzlich gar nicht mehr so weit entfernt. Das Jahr 2006 war bisher das erfolgreichste Jahr in meiner Laufbahn. Ich nahm an weltweiten Kartveranstaltungen in Saint Tropez (Frankreich), Monaco u.a.Orten sehr erfolgreich mit Top 5 Plazierungen teil. Doch die Höhepunkte des Jahres waren die Formel BMW Tests und die Teilnahme an der Formel BMW Sichtung in Valencia (Spanien), die ich durch viel Geld ermöglicht bekam.
Meine Freude war groß als es hieß, dass ich bald ein richtiges Formelauto fahren kann. Ich wollte cool bleiben und keine Aufregung zeigen, als mich mein Manager und mein Vater mit einem teuren Mercedes zum Eurospeedway in der Lausitz zu meinem allerersten Formel BMW Test kutschierten. Das hat auf der Fahrt dorthin auch alles ganz gut funktioniert und sollte auch so bleiben, doch als ich nach unserer Ankunft aus dem Mercedes ausstieg, war ich in einer ganz anderen Welt. Zuerst sah ich nur die Boxen, die man sonst nur im Fernsehen bei der Formel 1 und den anderen „Großen“ zu sehen bekommt. Mit großen Schritten lief ich an dem riesengroßen Teamtruck vorbei auf die Box zu. Darin hörte man schon morgens um acht Uhr die sechs Formel BMW Autos dröhnen, um die Motoren warmlaufen zu lassen.
Boxentür auf, Boxentür zu, Augen groß, Aufregung mit einem Schlag da. Das i-Tüpfelchen und den letzten Rest meiner Schein-Coolness bekam ich dann gleich im Anschluss nachgereicht, als ich am anderen Ausgang der Box in die Boxengasse hinauslief und eine ca. 100 Meter hohe und 300 Meter breite Haupttribüne vor mir aufragen sah. In diesem Moment begannen meine Knie weich zu werden und meine Coolness war nun wie vom Winde verweht. Man könnte sagen, dass dies der Moment war, an dem ich erst all das, was sich in den letzten Wochen und Monaten bewegt hatte, begriff.
Da stand also dieses Auto, 140 PS, gebaut wie ein Formel 1 Auto, nur ein bisschen kleiner. Alles war so professionell aufgebaut, so wie ich es noch nicht kannte. Ich war vollkommen fasziniert von dem was ich da mit meinen Augen sah, aber zugleich baute sich immer mehr Angst in mir auf.
„Start Engine!“, der Renningenieur befahl. Ich saß in diesem Formelauto, an den Schultern schon Schmerzen vom Druck des Gurtes und das Gefühl mich keinen Zentimeter nach links, recht, oben und unten bewegen zu können und zitterte vor Aufregung. Mit einem Knopfdruck war alles verschwunden. Den Fuß am Gaspedal, den ersten Gang eingelegt und mit Motordröhnen aus der Box auf die über vier Kilometer lange Rennstrecke. Diese eine erste Kurve, diese eine erste Runde, diesen einen ersten Tag werde ich wohl nie vergessen.
Und so war es geschehen. Es schien, als ob ich nach vielen Tests im Jahre 2006, unter anderem mit der Betreuung von DTM-Pilot Bernd Schneider, im nächsten Jahr den bisher größten Schritt zu meinem Traum, zu meinem gesetzten Ziel, der Formel 1, machen würde. Ich sollte 2007 in der Formel BMW ADAC Germany starten, als nicht nur der jüngste Teilnehmer mit 15 Jahren, sondern auch als einziges Mädchen bei einem Kader von ca. 25 Fahrern.
In der Formula Lista konnte Lena Heun ihr Talent unter Beweis stellen - Sieg in Magny-Cours und Podium am Hockenheimring
Die Freude war groß aber mein Vater riet mir immer auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben und damit behielt er auch Recht. Im März 2007 erhielt ich die schlechte Nachricht, dass ich für 2007 kein Formel BMW Cockpit erhalten könnte und die Enttäuschung war groß. Demnach suchte man nach einer Notlösung, die dann vorerst die DKM (Deutsche Kart Meisterschaft) war und im Sommer 2007 dann eine bessere Lösung gefunden werden konnte. Mein Manager ermöglichte es mir in einer Schweizer Rennserie (LO Lista) Mitte der Saison einzusteigen. So konnte ich doch noch in Hockenheim, Magny-Cours (Frankreich) und Salzburg meine ersten Rennerfahrungen in einem Formelwagen sammeln. Die Ergebnisse waren mit einem dritten und vierten Platz in Hockenheim, einem ersten und dritten Platz in Magny-Cours und somit Höhepunkt der Saison und zwei Pole-Positions in Salzburg, sehr erfolgreich und ich blickte zuversichtlich und erwartungsvoll auf das folgende Jahr 2008.
Es wurden sehr viele Gespräche über einen möglichen Einstieg in der hoch angesehenen Formel Renault in England geführt und mir wurden, wie schon im Jahr zuvor, viele Hoffnungen gemacht. Doch ich hatte aus dem Jahr zuvor gelernt, um nicht wieder nach möglicher Absage in tiefer Enttäuschung abzusinken.
Und so kam es dann auch, oder besser gesagt, es kam nichts. Nach einem letzten Formel Test im Januar 2008 tritt eine lange Pause und Ahnungslosigkeit ein, die bis jetzt nicht zu enden scheint. Der Kontakt zu meinem Manager besteht nicht mehr, Geld ist keines da und allein ist es finanziell unmöglich alles selbst zu organisieren.
Ich gehe nun erstmal auf das wirtschaftliche Gymnasium um mein Abitur zu schreiben und halte mich aber trotzdem mental und körperlich topfit, um wenigstens die Dinge, die ich selbst zum Erfolg beitragen kann nicht aufzugeben. Denn meinen Willen im Motorsport voranzukommen habe ich längst nicht verloren. Jeden Tag hoffe ich darauf, dass sich neue Wege für mein großes Ziel auftun. Angebote in Teams einzusteigen bestehen zwar, aber leider habe ich bis jetzt noch nicht die Formel entdeckt, um eine Saison nur mit Talent und Ehrgeiz angehen zu können, in dem Geld und „Vitamin B“ sozusagen keine Rolle spielen.
So warte und hoffe ich, dass vielleicht wie damals als keiner damit rechnete, eine E-Mail, ein Brief oder ein Anruf kommt... oder dass plötzlich ganz unerwartet ein Männchen vor meiner Tür steht und mir sagt, dass es mir helfen kann meinem Traum nachzugehen und meinem Ziel wieder ein Stück näher zu kommen.