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Formel 1 in Deutschland mit ungewisser Zukunft

Müssen die deutschen Fans in Zukunft auf ihr Heimrennen verzichten

10.07.2018 (Speed-Magazin.de) Der Große Preis von Deutschland ist eines der Traditionsreichsten Rennen in der Motorsport Historie. Bereits 1926 wurde das Rennen erstmals als Sportwagen-Rennen ausgetragen. Rudolf Caracciola gewann das Rennen auf der Berliner AVUS in einem Mercedes. Ab dem Folgejahr wechselte man zum neu gebauten Nürburgring in der Eifel. Die Rennen wurden ab dem Jahr 1931 für die Rennwagenklasse ausgeschrieben und ab 1934 für die neue Grand-Prix-Formel. Eine Weltmeisterschaft gab es zu der Zeit noch nicht, die Rennen zählten zur Europameisterschaft, die höchste Rennklasse zur damaligen Zeit. Legendär sind die Duelle von Auto-Union und Mercedes in der Vorkriegs-Ära wo mehr als 300000 Zuschauer an den Nürburgring pilgerten. Hier wurde auch der Mythos Silberpfeil geboren. Die Rennwagen durften maximal 750 KG auf die Waage bringen. Die weiß lackierten Mercedes hatten jedoch drei Kilo zu viel. Man schmirgelte die Farbe runter und die Alu-Karosse erstrahlte in Silber.

Michael Schumacher gewinnt 1995 als erster Deutscher den Heim-Grand-Prix
Michael Schumacher gewinnt 1995 als erster Deutscher den Heim-Grand-Prix
© Speedpictures | Zoom
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde 1950 der Große Preis von Deutschland als Formel 2 Rennen ausgetragen und ab 1951 zählte das Rennen zur neuen Formel1-Weltmeisterschaft. Alberto Ascari gewann auf einem Ferrari den ersten zur Weltmeisterschaft zählenden Grand-Prix am Nürburgring. 1959 wechselte man noch einmal auf die AVUS in Berlin, danach war die Formel1 bis 1969 auf dem Nürburgring am Start. Im Grand-Prix-Sport gewann der Sicherheits-Aspekt immer mehr an Bedeutung. Die Fahrer forderten in einem Papier umfangreiche Maßnahmen um die Strecke sicherer zu machen. Dies konnte jedoch bis zum GP-Termin nicht realisiert werden und man wich 1970 zum Hockenheimring aus.

Jochen Rindt gewann am 2. August im Lotus 72 vor Jacky Ickx im Brabham und Denis Hulme im McLaren. 130000 begeisterte Zuschauer sahen Rindt´s letzten Grand-Prix-Sieg live. Der Österreicher verunglückte am 4. September in Monza und wurde posthum Weltmeister. 1971 kehrte der Formel1-Tross zurück zum Nürburgring. Die erfolgten Umbauten entsprachen den Forderungen und Jackie Stewart gewann im Tyrrell. 1975 fuhr Niki Lauda im Ferrari 312 im Qualifying mit 6:58.6 auf die Pole und war damit der erste Fahrer der die Nordschleife unter sieben Minuten bezwang. Wieder kamen Diskussionen auf, der Nürburgring wäre nicht mehr zeitgemäß für die Formel1. 22,835 Km Rundenlänge und die extrem gestiegenen Geschwindigkeiten läuteten das aus für die Nordschleife ein. 1976 war dann die Nordschleife zum letzten mal Schauplatz des Grand-Prix. Der Lauda Unfall besiegelte das endgültige Aus.

Niki Lauda am Tag vor seinem Unfall
Niki Lauda am Tag vor seinem Unfall
© Speedpictures | Zoom
Ab 1977 war der Hockenheimring Austragungsort des F1-Rennens. Niki Lauda gewann im Ferrari. 1985 dann ein Gastspiel auf der neu erbauten Grand-Prix Strecke des Nürburgrings. Danach war man wieder in Hockenheim am Start. Die Schumacher-Ära bescherte dem badischen Motodrom ausverkaufte Rennen. 1995 verzückte Schumi die deutschen Fans mit dem ersten Heimsieg eines deutschen Formel1-Piloten. Bis 2006 gastierte der Formel1-Zirkus in Hockenheim.

Ab 2008 wurde dann abwechselnd am Nürburgring und in Hockenheim gefahren. Aufgrund der unklaren Besitzverhältnisse am Nürburgring und der daraus resultierenden finanziellen Schwierigkeiten des Eifelkurses war 2013 der letzte Grand-Prix am Nürburgring. Es gewann Sebastian Vettel im Red-Bull Renault. Das Zuschauerinteresse an der Formel1 in Deutschland war extrem rückläufig, die Kosten für die Austragung eines Grand-Prix stiegen jedoch stetig! Hockenheim hatte einen Vertrag für die Austragung alle zwei Jahre und sah sich nicht in der Lage die eigentlich auf dem Nürburgring stattfindenden Rennen zu übernehmen. Da die Politik in Deutschland weder von Bund oder Land Mittel zur Verfügung stellt, um ein Traditionsrennen wie den Großen Preis von Deutschland zu unterstützen (man investiert lieber in sündhaft teure Olympia Bewerbungen), war Hockenheim nicht mehr in der Lage, das finanzielle Risiko für die Durchführung zu übernehmen.

Start am Nürburgring 1973
Start am Nürburgring 1973
© Speedpictures | Zoom
Da man lediglich die Mittel aus dem Ticket Verkauf zur Verfügung hat, ist der kommende Grand-Prix von Deutschland der vorerst letzte. Der laufende Vertrag mit den Rechteinhabern läuft dieses Jahr aus. Man verhandelt zwar über die Austragung des Rennens in 2020, jedoch will die Hockenheimring GmbH das finanzielle Risiko nicht alleine übernehmen. Vom 20. - 22.Juli findet nun die 77. Ausgabe des Großen Preises von Deutschland statt, mit ungewisser Zukunft. Es ist eine Schande, das die Autonation es nicht schafft einen so traditionsreichen Formel 1-Grand-Prix zu unterstützen.


Horst Bernhardt / DW


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