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Formel 1 Grosser Preis von Russland 2014 - Vorschau: Eine komplett neue Strecke das Sochi Autodrom!

Eine komplett neue Formel-1 Strecke das Sochi Autodrom!

09.10.2014 (Speed-Magazin.de / Formel-1 GP Russland 2014) Vorschau: Wie bei allen neuen Strecken können die Teams nicht auf vorhandene Informationen zurückgreifen. Daten von anderen Kursen sind nur wenig nützlich, da hierfür zu wenig Wissen über die Asphaltcharakteristik, den Streckenverlauf und die Kerbs vorhanden ist. Auch die Vorhersage des Wetters wird noch relativ unbekannt sein. Es existieren keine Erfahrungswerte in Bezug auf die Regenwolken, etwa ob sie heranziehen oder sich die Regenzellen über der Strecke bilden. Gewisse Informationen können jedoch aus Simulationen und Video-Aufnahmen gewonnen werden. Ausserdem vertrauen die Teams hier vielmehr auf traditionelle Methoden und Simulationswerkzeuge.



F1: Formel 1 GP Russland - Sochi Autodrom
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Wenn die Teams in Russland ankommen, hat jedes von ihnen bereits tausende Runden auf der Strecke simuliert. Dabei konzentrierten sie sich auf den Grip-Level, die Performance-Parameter und mögliche Setupeinstellungen. Die ersten Eindrücke lassen darauf schließen, dass das Sochi Autodrom eine eher traditionelle Strecke aus der Feder von Hermann Tilke ist. Sie bietet viele lange Geraden, relativ flache Kerbs und ein oder zwei Überholzonen.

Am Lenkrad
Auf jeder neuen Strecke können sich die besten Fahrer besonders auszeichnen. Sie kommen am schnellsten mit der neuen Strecke zurecht und finden eher Performance-Vorteile, während andere noch die Strecke lernen und versuchen, die Reifen zu verstehen. Jeder Schritt im Verlauf des Rennwochenendes kann als weiterer Baustein angesehen werden. Wenn ein Fahrer schneller zurechtkommt, egal ob bei ein paar Runden oder auf einem kompletten Run, liegt er ein paar „Bausteine“ vor seinen Gegnern. So kann er früher an Setupänderungen arbeiten, die einen Vorteil mit sich bringen, wenn es ins Qualifying und Rennen geht. Dabei ist es jedoch entscheidend, der normalen Reihenfolge der „Bausteine“ zu folgen und nicht zu versuchen, einige Schritte zu überspringen. Dadurch könnte der Fahrer die Orientierung verlieren.

Völlig neu für die Formel-1 Piloten: Sochi Autodrom
Völlig neu für die Formel-1 Piloten: Sochi Autodrom
© Mercedes | Zoom
 
Streckenoberfläche
Wenn die Fahrer im ersten Training am Freitag zum ersten Mal auf die Strecke gehen, wurde der Kurs bis dahin kaum benutzt. Es steht fest, dass sich die Strecke radikal weiterentwickeln wird. Beim ersten Korea Grand Prix sahen wir Verbesserungen von bis zu sechs Sekunden im Verlauf des Wochenendes. Im Vergleich dazu erleben wir auf einer normalen Strecke eine durchschnittliche Veränderung um die zwei Sekunden. Die Veränderung der Strecke ist hier also signifikant. Die Gründe dafür sind bestens bekannt, aber auch nicht zu vermeiden. Dazu gehört die Menge an Öl, die durch die Streckenoberfläche austritt. Das gehört zur Natur von frisch asphaltierten Strecken und lässt sich nur durch Fahrbetrieb abstellen. Der Asphalt wird sich auch bewegen, strecken, wachsen und insgesamt seine Form und seinen Zustand verändern. Im Zusammenhang mit der Streckenentwicklung werden auch Veränderungen an den Reifen eine Rolle spielen. Im Verlauf des Wochenendes sind das Auftreten von Blasenbildung und/oder Körnung sehr wahrscheinlich. Die Astroturf-Auslaufzonen könnten sich in den ersten Runden auf der neuen Strecke lösen. Das haben wir in der Vergangenheit auf einigen Strecken erlebt. Wenn die Formel 1 im nächsten Jahr nach Russland zurückkehrt, werden die Streckencharakteristiken viel stabiler sein. Beim Debüt ist es jedoch entscheidend, das Unerwartete zu erwarten und sich im Voraus auf so viele Situationen wie möglich vorzubereiten.

Auf der Suche nach einem Vorteil
Auf einer neuen Strecke gibt es stets mehr Zeit zu gewinnen oder zu verlieren als auf einem besser bekannten Kurs. Das gilt ganz besonders für weniger offensichtliche Stellen. Der Zeitverlust bei einem Boxenstopp ist auf einer Strecke, die regelmäßig im Rennkalender steht, relativ konstant. Das betrifft die Zeit, um in die Boxengasse zu fahren, den Boxenstopp durchzuführen und die Boxengasse wieder zu verlassen. Hier gibt es normalerweise Unterschiede von einer halben Sekunde. Dafür verantwortlich sind Verbesserungen durch den Fahrer im Verlauf des Wochenendes. In Sochi könnte der Verbesserungsspielraum auf Fahrerseite eine volle Sekunde übersteigen, wenn er sich immer besser an die verschiedenen Spritmengen gewöhnt hat. Dies scheint ein geringer Faktor zu sein, der unter normalen Bedingungen vielleicht als selbstverständlich angesehen würde. Aber hier könnten solche kleinen Details im Qualifying oder im Rennen entscheidend sein.

Back-to-Back Rennen
Der Russland Grand Prix findet in diesem Jahr direkt eine Woche nach dem Rennen in Japan statt. Dies ist keine einfache Aufgabe mit Blick auf die verschiedenen Zeitzonen und die zurückzulegende Distanz. Zwischen dem Ende des einen und dem Beginn des nächsten Rennwochenendes steht nur sehr wenig Zeit zur Verfügung, um das Material zu verpacken und wieder zu entladen sowie danach alles für das nächste Rennen aufzubauen. Gerade zu diesem späten Zeitpunkt der Saison kann hier Müdigkeit einen entscheidenden Faktor darstellen.

Fast Facts zum GP Russland:
Streckenlänge: 5,853 km
Rundenzahl: 53
Vollgasanteil: 54 Prozent
Anteil Geraden: 34 Prozent
Bremsanteil: 17 Prozent
Reifenverschleiß: mittel
Bremsbelastung: mittel Gangwechsel pro Runde: 72
Geringste Kurvengeschwindigkeit: 88 km/h (T13)
Höchste Kurvengeschwindigkeit (Scheitel): 266 km/h (T4)
Top-Speed: 321 km/h Distanz von Startlinie bis erste Kurve: 630 Meter
Längste Vollgaspassage: 1.050 Meter (T18-T2)


Raphael Berlitz

Russland - Sochi: News & Ergebnisse | Bildergalerie


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