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Formel 1 Experte Lukas Gorys: R.I.P. Niki Lauda!

Formel-1-Legende Niki Lauda im Alter von 70 Jahren gestorben

22.05.2019 (Speed-Magazin.de / Formel-1 Fotograf und Insider Lukas Gorys zum Tod des F1 Weltstars Niki Lauda)  Der Himmel über Monaco ist grau und wolkenverhangen. So wie die Stimmung im Fahrerlager. Eigentlich hatte ich keine Lust noch etwas über Niki Lauda zu schreiben. Es sind schon genügend Worte in den Online-Medien, auf den Social Media-Seiten, im Print und im TV darauf verwendet worden, um diesen aussergewöhnlichen Menschen zu würdigen. Aber wenn man mich fragt, was mir noch einfällt zu ihm? Doch, da ist schon noch noch etwas...



F1: R.I.P. Niki Lauda!
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Da war die Formel 1, und dann kam Niki Lauda...

Der Österreicher Niki Lauda ist mit Bernie Ecclestone der Inbegriff der Formel 1 seit den 1970er Jahren gewesen. Diese beiden haben mit ihrer Persönlichkeit über 40 Jahre das Geschehen geprägt wie niemand sonst in der Königsklasse. Die Lauda-Story selbst ist aber irgendwie surreal: Niki kauft sich (mit einem Kredit) in ein Formel1 Team ein, stellt direkt fest, dass der Wagen (ein March) eine Fehlkonstruktion ist und dass sein Geld dadurch wirkungslos verpulvert wird.

Der dreimalige Formel-1-Weltmeister starb am Montag im Alter von 70 Jahren
Der dreimalige Formel-1-Weltmeister starb am Montag im Alter von 70 Jahren
© Lukas Gorys | Zoom
Dann kauft sich Lauda mit einem Bluff für die nächste Formel-1 Saison in ein anderes Team ein (wo sie noch heute auf sein Geld warten würden, wenn es das F1 Team BRM noch gäbe) und erregt durch eine sensationelle Fahrt im Grand Prix von Monaco das Interesse von keinem geringeren als dem Italiener Enzo Ferrari.

Das Ferrari-F1 Team liegt zu dieser Zeit mehr oder weniger am Boden und wird von dem jungen Niki Lauda systematisch und mit bis dato in der Formel1 nicht bekannter Rationalität und analytischen Fähigkeiten nach vorne gebracht. Schon zwei Jahre später ist der junge Österreicher Formel-1 Weltmeister und dominiert die Formel1 fast nach Belieben.

Niki Lauda und Ferrari

Dann geht es aber erst richtig los mit dem Stoff, aus dem man Hollywoodfilme macht (und nach vielen Jahren tatsächlich auch machen wird - nämlich RUSH!): Niki Lauda verunglückt während dem GP Deutschland 1976 am Nürburgring, zieht sich schwerste Hautverbrennungen im Gesicht und noch schwerere Lungenschäden zu, die er im brennenden Auto mit über einer Minute bei mindestens 800 Grad Feuer erlitt. Und was keiner für auch nur eventuell möglich hielt: Lauda sitzt schon 42 Tage später mit seinen Brandwunden im Gesicht wieder im Formel-1 Rennwagen!

Den WM-Titel für die Formel-1 Saison 1976 wirft er weg, weil er beim letzten Grand Prix Rennen in Japan im Regen von Fuji nicht genug sieht (die verbrannten Augenlider behinderten ihn wohl) und weil er im chaotischen Regen bestimmt auch etwas Angst hatte – was er natürlich nie zugegeben hätte. Angst, Emotionen, aber auch Freude haben in dieser Zeit bei Lauda keinen Platz. Alles musste nüchtern und rational sein. Lauda galt schon damals als Computer, als Roboter am Steuer.

Niki Lauda zieht Kappe vor Sebastian Vettel (F1 GP Japan 2011)
Niki Lauda zieht Kappe vor Sebastian Vettel (F1 GP Japan 2011)
© Lukas Gorys | Zoom
Ein Jahr später ist er wieder Formel-1 Weltmeister und verlässt Ferrari in Richtung Bernie Ecclestone und dessen Brabham Formel-1 Team, weil Ferrari ihn nach seinem Unfall am Nürburgring abgeschrieben hatte. Wenn das mal keine emotionale Entscheidung war!

Niki Lauda verlässt die Formel 1

Der Rücktritt aus der Königsklasse war in der F1 Saison 1979, und zwar mitten im Training zum GP Kanada mit der Begründung: "Ich habe keine Lust mehr im Kreis zu fahren." Eine überflüssige Ohrfeige für den Sport, der ihn zum Millionär gemacht hatte. Aber Niki Lauda hat nie ein Blatt vor den Mund genommen.

Ein Beispiel: Als ihn der SWR Reporter HG Müller 1979 nach dem F1 Qualfiying in Hockenheim fragte wie es denn sein kann dass sein junger Teamkollege Nelson Piquet schneller ist als er, der zweifache Formel-1 Weltmeister, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen: "Weil er besser ist als ich". Müller konnte es nicht glauben und Lauda ergänzte nüchtern: "Wenn er schneller ist, ist er besser".

Darin verbarg sich das gesamte Credo dieses Mannes: keine Ausflüchte, keine langwierigen Erklärungen, wie sie heute üblich sind. Für Lauda war die Welt viel einfacher und damit ehrlicher: schau auf die Rundenzeit und Du weißt wer der Beste ist. So einfach wäre die Formel1 auch heute noch, wenn man den gesamten PR-Turm zu Babel, der heute drumherum gebaut wird, einfach wegreißt!

Lauda kommt zurück in die F1

Als Lauda nach seinem Comeback 1984 seinen dritten Formel-1 WM Titel holte, machte diese Weltmeisterschaft mehr Schlagzeilen als seine beiden anderen Titel zusammen. Warum? Weil das der schwierigste seiner Weltmeister-Titel war und sein F1 Teamkollege Alain Prost längst der schnellere Fahrer war. Das Duell Lauda gegen Prost war jedoch ein komplett anderes als später Prost gegen Senna. Es wurde nicht so melodramatisch geführt, so emotional, weil Lauda dazu nicht zur Verfügung stand. Lauda knackte Prost mit seiner Nüchternheit, ohne Emotionen aber mit Strategie und Taktik und am Ende mit einem halben Punkt Vorsprung.

Das zweite Leben von Niki Lauda nach der F1

Niki Lauda und Maurizio Arrivabene
Niki Lauda und Maurizio Arrivabene
© Lukas Gorys | Zoom
Die größte Herausforderung für Rennfahrer ist das Leben nach ihrer aktiven Karriere. Daran scheitern viele, Lauda jedoch drehte dann erst richtig auf: er lebte ein komplett ausgefülltes, zweites Leben mit seinen Fluglinien, mit seinen Beraterjobs bei Ferrari, bei Jaguar, später als „Aussenminister“ bei AMG-Mercedes und privat mit seiner zweiten Familie. Dass er nebenbei noch mit seinen Analysen zur F1 bei RTL lange Zeit den Deutschen die Formel1 erklärte, machte ihn auch 30 Jahre nach dem Ende seiner aktiven Rennfahrerzeit zum allgegenwärtigen, integralen Bestandteil der Formel1.

Niki Lauda war immer da, hatte immer etwas –gehaltvolles- zu sagen und war deshalb für alle, die mit diesem Sport verbunden sind, eine Art Kompassnadel. Jetzt sitzen wir alle hier und sind ohne den Mann mit der roten Kappe etwas richtungslos. Das passt immer wieder in der Formel1, wie in der Zeit nach Bernie Ecclestone und jetzt eben auch nach Niki Lauda. Das brutale an diesem Sport ist, dass niemand im Fahrerlager lange vermisst wird. Die Rennen gehen weiter, haben ihre eigene Agenda, ihren gnadenlosen Ablauf, der wenig Zeit zum Innehalten lässt.

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"Als Rennfahrer", sagte Niki Lauda einmal in seiner nüchternen Art "leben wir nie im Gestern. Für uns zählt nur das Jetzt und das was morgen ist."
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Dann lass uns wenigstens jetzt etwas innehalten und traurig sein, Niki. Lukas Gorys


Lukas Gorys


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