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Formel E: Lotterers Aufstieg - ein Vorgeschmack auf die Zukunft?

Lotterer:

17.02.2018 (Speed-Magazin.de) Im Alter von 36 Jahren ist Lotterer einer der erfahrensten Piloten der ABB FIA Formel E Meisterschaft: bereits drei Siege des 24-Stunden-Rennens von Le Mans, 15 Saisons in der Super Formel – der besten Formelkategorie Japans – und Zeitfahrer und Fahrer in der Formel 1. Warum hat er aber in Anbetracht dessen vier Rennen benötigt, um es auf das Podest zu schaffen?

„Vom Kopf her ist das sehr, sehr schwierig“, gab er in einem Interview vor dem ersten Saisonrennen in Hongkong letztes Jahr zu. „Ich wurde wirklich verhätschelt“, fügte er hinzu. Damit meinte er seine Zeit als Fahrer von LMP1-Autos im Langstrecken-Wettbewerb. Lotterer war wohl von Anfang an benachteiligt, als er bei dem Kunden-Team Techeetah unterschrieb. Denn als Kunde der amtierenden Champions von Renault e.dams hat Techeetah keine 15 Testtage, wie andere Konstrukteursteams. Stattdessen musste der Formel-E-Rookie mit nur drei Testtagen vor der Saison in Valencia zurechtkommen, neben den Fahrten im Simulator. Denn der in Belgien geborene Pilot hatte einiges an Arbeit vor sich, wenn man bedenkt, dass sein erstes Rennen in Hongkong seine Rückkehr nach 17 Jahren in den Formel-Rennsport bedeutete.

© FIA Formel E | Zoom
Es war somit nicht überraschend, dass seine Karriere in der vollelektrischen Rennserie nicht direkt von Erfolg gekrönt war. Im ersten Rennen in Hongkong und dem dritten in Marrakesch schaffte Lotterer es nicht ins Ziel und vor dem vierten Rennen in Santiago war sein bestes Ergebnis ein 13. Platz gewesen, ohne Punkte einzufahren. „Das ist das schwierigste, das ich je getan habe, denn es gibt nichts Vergleichbares“, sagte Lotterer nach seinem ersten Ausfall in Hongkong. Starke Worte, wenn man bedenkt, dass er das aufreibende 24-Stunden-Rennen von Le Mans neun Mal fuhr, drei Mal sogar siegreich.

Man musste jedoch bis Santiago warten, um das wahre Talent wie ein Wunder beobachten zu können. Im Qualifying belegte der Rookie von Techeetah den ersten Platz und nahm an der Super Pole zusammen mit seinem Teamkollegen Jean-Eric Vergne teil. Der Deutsche legte einen tollen Start hin und alles sah gut aus … bis er in Kurve 1 die Absperrung leicht berührte und daraufhin in die Seitenwand knallte. Mit seinem Frontflügel unter den Rädern schaffte er es noch über die Ziellinie, woraufhin er im Rennen vom dritten Platz startete.

Auch im Rennen zeigte der Rookie eine gute Form, da die beiden Techeetahs für den Großteil der zweiten Rennhälfte auf den ersten beiden Plätzen lagen – Lotterer wollte unbedingt auf seinen Teamkollegen aufholen. Der Deutsche erhöhte jedoch erst in den letzten Runden den Druck und startete einen Angriff auf JEV, den Sieg fest im Blick.

„Manche sagen, dass diese Autos nicht so schnell sind. Wenn man aber zwischen diesen Betonwänden fährt, hat man das Gefühl so schnell wie in Le Mans zu fahren“, sagte Lotterer, der offensichtlich glücklich darüber war, seine Pechsträhne abgelegt und seine ersten Punkte in der Formel E eingefahren zu haben. „Das Gehirn läuft auf Hochtouren”, fügte er hinzu. „In Städten und zwischen den Wänden zu fahren ist das tollste an dieser Meisterschaft. Hier kann man keine Fehler machen.“

© FIA Formel E | Zoom
Das fünfte Rennen in Mexiko-Stadt wird für Lotterer, jedoch auch für Techeetah ein weiterer Test sein. Denn das Team möchte sich weiter von der Konkurrenz absetzen: Mahindra Racing liegt lediglich zwei Punkte hinter den Chinesen auf dem zweiten Platz, danach steht DS Virgin Racing, 20 Punkte hinter dem führenden Team. Doch Lotterer hat noch einen langen Weg vor sich. Momentan steht er in der Fahrerwertung auf dem neunten Platz mit 18 Punkten, weit hinter seinem Teamkollegen und dem aktuellen führenden der Meisterschaft Jean-Eric Vergne, der 71 Zähler auf seinem Konto hat.

Es mag zwar vier Rennen gedauert haben, Lotterers Aufstieg war jedoch das Warten wert, wenn man seine Leistung in Santiago betrachtet. Sich an eine weitere, komplett andere und schwierige Rennserie zu gewöhnen, hat ihn sicherlich ein wenig Zeit gekostet, doch der Deutsche scheint den Sprung geschafft zu haben. Die Meisterschaft zu gewinnen, ist allerdings eine völlig andere Geschichte. Diesbezüglich heißt es noch Abwarten und Tee trinken.


FIA Formel E / RB


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