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FIA WEC: Porsche GT Team mit erstem Werkseinsatz in Mittelamerika

Porsche 911 RSR (91), Porsche GT Team: Richard Lietz, Frederic Makowiecki

28.08.2017 (Speed-Magazin.de) Mit dem Sechsstundenrennen im Autódromo Hermanos Rodríguez startet die Sportwagen-Weltmeisterschaft WEC am 3. September in Mexiko-Stadt in die zweite Saisonhälfte. Das Porsche GT Team setzt auf der 2.310 Meter hoch gelegenen Rennstrecke zwei neu entwickelte 911 RSR ein. Seinen ersten Sieg feierte der 510 PS starke Rennwagen am 22. Juli 2017 in Lime Rock bei einem Rennen der amerikanischen IMSA SportsCar Championship. Die WEC startet erst zum zweiten Mal in Mexiko. Wie schon bei der Premiere 2016 können sich die Fans auch diesmal auf ein spannendes Rennen mit harten Positionskämpfen freuen, vor allem in der Klasse GTE-Pro. Dort wurde die „Balance of Performance“, die Fahrzeuge mit verschiedenen Konzepten auf dasselbe Performanceniveau bringen und dadurch für Chancengleichheit unter den Startern sorgen soll, für dieses Rennen neu angepasst. Nach Mexiko sind in dieser Saison die USA, Japan, China und Bahrain weitere Stationen der WEC.

Das Rennen
Mit dem Autódromo Hermanos Rodríguez hat Mexiko seinen Rennlegenden Pedro und Rícardo Rodriguez ein Denkmal gesetzt. Die 4,421 Kilometer lange Rennstrecke mit ihren 17 Kurven blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Seit dem ersten Formel-1-Rennen 1963 mit Jim Clark als Sieger wurde sie mehrmals geschlossen und nach Umbauten wieder eröffnet. Außergewöhnlich ist die Kurvenkombination am Ende der Gegengerade: Sie führt durch das Foro Sol, ein 26.000 Zuschauer fassendes ehemaliges Baseball-Stadion.

Die Porsche-Fahrer

Dempsey Proton Racing : Christian Ried, Marvin Dienst, Matteo Cairoli
Dempsey Proton Racing : Christian Ried, Marvin Dienst, Matteo Cairoli
© Porsche | Zoom
Für das Porsche GT Team sind in Mexiko vier Werksfahrer und ein Porsche Young Professional am Start. Richard Lietz (Österreich) und Frédéric Makowiecki (Frankreich) teilen sich in der Klasse GTE-Pro das Cockpit des 911 RSR mit der Startnummer 91. Sie sind mit einem dritten Platz in Silverstone in die Saison gestartet und standen als Zweite zuletzt auch am Nürburgring auf dem Podium. Ihre Teamkollegen Michael Christensen (Dänemark) und Kévin Estre (Frankreich), die in der Eifel als Dritte ins Ziel kamen, wechseln sich bei der Startnummer 92 ab. In der Klasse GTE-Am setzt das Porsche-Kundenteam Dempsey Proton Racing einen 911 RSR des Modelljahres 2015 ein. Die Fahrer der Startnummer 77 sind Porsche Young Professional Matteo Cairoli (Italien) sowie Christian Ried (Schönebürg) und Marvin Dienst (Lampertheim). Bevor sie auf dem Nürburgring ihren ersten Sieg feierten, waren sie in dieser Saison bereits Dritter in Silverstone und Zweiter in Spa-Francorchamps.

Der Porsche 911 RSR
Der Porsche 911 RSR wurde von Porsche Motorsport in Weissach auf Basis des Hochleistungssportwagens 911 GT3 RS für diese Saison komplett neu entwickelt. Der vor die Hinterachse gerückte Motor leistet je nach Restriktorgröße rund 375 kW (510 PS). Dank des großen Heckdiffusors in Kombination mit dem hängend angebundenen Heckflügel konnten das Abtriebsniveau und die aerodynamische Effizienz signifikant verbessert werden. In der WEC ist der neue 911 RSR mit einem dritten Platz beim Auftaktrennen in Silverstone in seine erste Rennsaison gestartet. Auf dem Nürburgring holte er zuletzt mit den Plätzen zwei und drei ein doppeltes Podium.

Die Zeiten
Das Sechsstundenrennen in Mexiko-Stadt startet am Sonntag, 3. September, um 12.00 Uhr Ortszeit (19.00 Uhr MESZ). Sport 1 überträgt das Rennen mit Startvorbereitung und Siegerehrung von 18.30 bis 01.20 Uhr live. Parallel dazu gibt es unter www.sport1.de einen kostenlosen Livestream. Im Pay-TV ist das Rennen von 18.45 bis 01.15 Uhr live bei Motorsport.TV zu sehen. Die in der Basisversion kostenlose FIA WEC App bietet gegen Gebühr das komplette Rennen als Livestream plus aktueller Zeitnahme. Eurosport zeigt am Montag, 4. September, von 11.30 bis 12.30 Uhr die Höhepunkte des Rennens.

Stimmen vor dem Rennen

Porsche GT Team: Kevin Estre, Michael Christensen (l-r)
Porsche GT Team: Kevin Estre, Michael Christensen (l-r)
© Porsche | Zoom
Dr. Frank-Steffen Walliser, Leiter Motorsport und GT-Fahrzeuge: „Dieses Rennen ist wegen der Hitze und der großen Höhe eine ganz spezielle Herausforderung. Bei der WEC-Premiere auf dieser Strecke vor einem Jahr waren wir als Werksteam nicht am Start, verfügen also über keine Erfahrungswerte, die uns wirklich weiterhelfen könnten. Wir werden die einzelnen Trainingssessions sehr konzentriert angehen und versuchen, uns so gut es geht auf die besonderen Bedingungen einzustellen. Das doppelte Podium auf dem Nürburgring hat uns gezeigt, dass wir auf einem guten Weg sind. Der erste Sieg des neuen 911 RSR in der WEC ist sicherlich nur noch eine Frage der Zeit.“

Marco Ujhasi, Gesamtprojektleiter GT Werksmotorsport: „Die dünne Luft in dieser Höhe hat massiven Einfluss auf die Motorleistung und wirkt sich auch auf die Aerodynamik aus. Die Belastung für die Reifen ist dagegen nicht so extrem wie auf den meisten anderen Rennstrecken. Ich bin gespannt, wie wir unter diesen Bedingungen mit dem neuen 911 RSR zurechtkommen und wie gut wir das Setup treffen. Das wird auf jeden Fall eine spannende Aufgabe.“

Richard Lietz (911 RSR #91): „Mein erstes Rennen in Mexiko im vergangenen Jahr war ein tolles Erlebnis. Die Begeisterung der Motorsportfans in diesem Land ist unglaublich. Dazu kommt die Strecke. Ein Teil davon führt durch eine riesige Sportarena, und wenn du da auf die Tribünen mit den enthusiastischen Zuschauern zufährst, ist das trotz der Hitze ein echtes Gänsehautgefühl. Mit unserem neuen 911 RSR gehen wir diesmal unter ganz anderen Vorzeichen an den Start. Wir sind sehr nahe am ersten Sieg, das hat unser zweiter Platz am Nürburgring gezeigt. Vielleicht klappt es ja schon in Mexiko.“

Frédéric Makowiecki (911 RSR #91): „Ich freue mich sehr auf dieses Rennen. Als die WEC im vergangenen Jahr zum ersten Mal in Mexico gefahren ist, war ich leider nicht dabei. Das wird also eine ganz neue Erfahrung für mich werden. Ein Rennen in einer so großen Metropole hat immer einen ganz besonderen Reiz. Und nach der starken Performance auf dem Nürburgring ist jetzt auch in der WEC der erste Sieg für den neuen 911 RSR fällig.“

Michael Christensen (911 RSR #92): „Dieses Rennen hat letztes Jahr schon viel Spaß gemacht. Ich mag die Strecke, sie ist ganz anders als die, auf denen wir in der WEC sonst fahren. Die Höhe wirkt sich auf die Motorleistung aus, doch damit haben alle Teams zu kämpfen. Es wird interessant sein, wie sich die Reifen unter diesen speziellen speziellen Bedingungen verhalten und wie das Griplevel sein wird. Das wird letztendlich wieder der Schlüssel zum Erfolg sein.“

Kévin Estre (911 RSR #92): „Mexiko ist völliges Neuland für mich. Ich war noch nie in Mittel- oder Südamerika. Deshalb freue ich mich sehr auf dieses Rennen. Die Strecke mitten durch ein Baseball-Stadion ist fantastisch, hat mir mein Teamkollege Michael erzählt. Weil sie so nah an der Megametropole Mexiko-Stadt liegt, kamen schon zum ersten Rennen der WEC im Vorjahr sehr viele Zuschauer. Die Mexikaner haben nicht nur ein Faible für Motorsport, sondern auch sehr viel Temperament – entsprechend gut ist die Stimmung in der riesigen Arena.“

Matteo Cairoli (911 RSR #77): „Mein erster Sieg mit Porsche in der Weltmeisterschaft, noch dazu auf dem Nürburgring, war ein fantastisches Erlebnis. Für mich ging ein Traum in Erfüllung. Wir haben als Team gezeigt, dass in dieser Saison alles möglich ist. Dieser Erfolg ist eine tolle Motivation. Jetzt wollen wir auch in Mexiko um den Sieg kämpfen.“

Die Balance of Performance (BoP)

Dempsey Proton Racing : Matteo Cairoli, Marvin Dienst, Christian Ried (l-r)
Dempsey Proton Racing : Matteo Cairoli, Marvin Dienst, Christian Ried (l-r)
© Porsche | Zoom
Die Anpassungsregel „Balance of Performance“ wird in der Klasse GTE-Pro der Sportwagen-Weltmeisterschaft WEC angewendet. Sie wurde von der FIA mit dem Ziel eingeführt, die verschiedenen Fahrzeugkonzepte auf dasselbe Performanceniveau zu bringen und dadurch für ausgeglichene und faire Rennen zu sorgen. Es sollte keinen grundsätzlichen Unterschied machen, ob ein Fahrzeug von einem Turbo- oder Saugmotor angetrieben wird, ob der Motor auf der Vorderachse verbaut ist oder vor der Hinterachse. Auch die aerodynamische Grundform der Fahrzeuge sollte keine rennentscheidende Rolle spielen. Nachdem die FIA zuvor schon eine erste Einstufung vorgenommen hat, werden zur Anpassung der „Balance of Performance“ bei den Rennen über die Telemetrie die Performancedaten der Fahrzeuge erfasst – nicht nur Rundenzeiten, sondern beispielsweise auch Beschleunigungsprofile und Motoreinstellungen. Diese Daten werden analysiert und fließen automatisch in die „Balance of Performance“ ein. Das am häufigsten eingesetzte Mittel zur Anpassung des Performanceniveaus ist die Zu- oder Ausladung von Gewicht. Entscheidend für den Erfolg auf der Rennstrecke soll nach dem Willen der Reglementverantwortlichen nicht mehr das individuelle Potenzial eines Fahrzeugs sein, sondern Faktoren wie etwa die Leistung der Fahrer, die Rennstrategie, ein perfektes Setup oder die Arbeit des Teams bei den Boxenstopps.

Die Sportwagen-Weltmeisterschaft WEC
In der Sportwagen-Weltmeisterschaft WEC (World Endurance Championship) starten Sportprototypen und GT-Fahrzeuge in vier Klassen: LMP1 (z.B. Porsche 919 Hybrid), LMP2, LMGTE-Pro (z.B. 911 RSR) und LMGTE-Am (z.B. 911 RSR Modelljahr 2015). Sie fahren gemeinsam in einem Rennen, werden aber getrennt gewertet.


Porsche / ND


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