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Autonome Autos: In Deutschland sind die Bedenkenträger in der Mehrheit

Goodyear-Think-Good-Mobility

25.01.2017 (Speed-Magazin.de) Was veranlasst den drittgrößten Reifenhersteller der Welt dazu, sich ausführlich mit dem autonomen Fahrzeug zu beschäftigen? "Sehr viel", sagt Jürgen Titz, Geschäftsführer der Goodyear Dunlop Tires Germany GmbH: "Nur mit den Reifen hat das Auto Kontakt mit dem Boden. Der Reifen ist sozusagen der Kommunikator für das Fahrzeug." Da es auf diese Kommunikation zukünftig bei der automatischen Fortbewegung mehr denn je ankommen wird, gab der Konzern jetzt eine Studie zur Akzeptanz der selbstständigen Fahrweise in Auftrag. Die Ergebnisse überraschen.

Wenn in naher oder mittlerer Zukunft - niemand kann schon jetzt den Zeitpunkt einschätzen - Autos mit Hilfe künstlicher Intelligenz auf den Straßen der Welt unterwegs sind, wird nichts mehr so sein wie es einmal war. “Wer nur an die Technik denkt, hat noch nicht erkannt, wie das autonome Fahren unsere Gesellschaft verändern wird“, sagt Dieter Zetsche, Vorstandvorsitzenden der Daimler AG, und zeigt auf, was die Mobilität dann bedeutet. Das Fahrzeug wird beim autonomen Fahren selbständig unterwegs sein, ohne dass die Fahrerin oder der Fahrer tätig werden muss.

Was die Bevölkerung von Europa von diesen Zukunftsaussichten hält, ließ Goodyear jetzt gemeinsam mit der London School of Economics (LSE) in der sogenannten ThinkGoodMobility Plattform untersuchen. Die Studie fußt auf einer Befragung von Gruppen aus vier verschiedenen europäischen Ländern mit insgesamt 48 Teilnehmern und einer Online-Umfrage, bei der insgesamt 12 000 Teilnehmer aus elf Ländern mitmachten. Sie bezieht sich auf eine Erhebung aus dem Jahr 2015, als Goodyear mit der LSE das soziale Verhalten von Autofahrern auf der Straße untersuchen ließ.

Dabei ging es um so aufschlussreiche Fragen wie zum Beispiel
• Wie flexibel können sich autonom fahrende Autos an das soziale Umfeld auf der Straße anpassen?
• Werden Fahrer einen Vorteil haben, wenn sich autonome Autos strikt an Verkehrsregeln halten?
• Oder im Gegenteil: Können fahrerlose Autos, die Regeln einhalten, den Verkehr positiv beeinflussen und zu besseren Verhaltensformen und mehr Sicherheit für die Fahrer beitragen?
• Wie bewerten Verkehrsteilnehmer autonomes Fahren als möglichen Teil der künftigen Mobilität?

Dabei zeigte sich, dass nur eine Minderheit der Deutschen bereit ist, das Steuer aus der Hand zu geben. Die Vermutung liegt nahe, dass dieses Ergebnis den kulturellen und emotionalen Stellenwert des Autos hier zu Lande widerspiegelt. Nur 40 Prozent von den deutschen Befragten waren der Meinung, dass sie sich neben fahrerlosen Autos auf der Straße bedenkenlos begegnen würden. Demgegenüber sind 79 Prozent überzeugt davon, jederzeit die Kontrolle über ihr Auto behalten zu müssen. Lediglich ein Drittel hält autonom fahrende Autos für sicherer, da die meisten Unfälle aufgrund menschlichen Versagens geschähen. Ähnlich viele (oder wenige) gaben an, ihre Zeit sinnvoller nutzen zu wollen, wenn sie in Zukunft nicht mehr selbst fahren müssten. Besonders ausgeprägt in Deutschland ist die Meinung, dass 72 Prozent der befragten Autofahrer im Straßenverkehr miteinander kommunizieren sollten.

Geht es um zusätzliche Komponenten, welche die Befragten auf jeden Fall in autonomen Fahrzeugen vorfinden möchten, so sind die Top drei das Lenkrad, das 75 Prozent der Befragten für unverzichtbar halten, fortschrittliche Sicherheitstechnik zum Schutz von Fußgängern, die sich 66 Prozent wünschen, und smarte Reifen, die 58 Prozent nicht missen möchten. Da den Reifen als einzige physische Verbindung zwischen Fahrzeug und Straße auch künftig eine wichtige Rolle zukommt, beschäftigt Goodyear sich bereits seit vielen Jahren mit smarten Reifen. „Wir sehen eine Zukunft, in der sich unsere Produkte stärker mit dem Fahrzeug, anderen Straßenteilnehmern oder der Infrastruktur vernetzen und so situativ auf die jeweiligen Straßenverhältnisse reagieren. Damit bieten sie gerade in Sachen Sicherheit einen echten Mehrwert“, so Jürgen Titz.

Dass es bei Autofahrern aktuell noch Vorbehalte gegen autonome Fahrzeuge gibt, geht aus der Studie zweifelsohne hervor. Dabei veranschaulicht sie deutlich, welchen Einfluss der Faktor Mensch neben Hard- und Software auf die Bewertung künftiger Mobilitätskonzepte hat und unterstreicht gleichsam die Relevanz der Straße als sozialer Raum. Sie legt außerdem nahe, dass die Fahrer, sobald sie einen klaren Nutzen für Verkehrssicherheit und die eigene individuelle Mobilität erkennen, eher bereit sind, sich gedanklich auf die neue Technologie einzulassen. Dies ist nicht nur eine wichtige Grundlage dafür, bestehende Vorbehalte zu überkommen, sondern auch ein erster Schritt dahin, künftig das Lenkrad aus der Hand zu geben.


AMPNET / DW


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